Unternehmerin Nina Reithofer: „Personalsuche zunehmend schwierig“

Bad Sauerbrunn

Geeignete Arbeitskräfte zu finden, wird für viele kleine Betriebe zunehmend zur Belastungsprobe, meint die Unternehmerin Nina Reithofer. Mit ihrer Reithofer Handwerk & Service KG, die 2025 zusätzlich zur bereits seit 2013 bestehenden Tischlerei gegründet wurde, wollte sie ein Angebot schaffen, das einfache handwerkliche Tätigkeiten und Alltagshilfen leistbar macht. Doch aus ihrer Sicht scheitert der Aufbau des Unternehmens derzeit vor allem am Personal.

Von Christian Artner

Seit 2013 steht die Tischlerei und das Familienunternehmen „Alles für dich“ in Bad Sauerbrunn für maßgeschneiderte Lösungen und handwerkliche Qualität. Für kleinere Handwerkstätigkeiten und Gartenarbeit wurde 2025 zusätzlich die Reithofer Handwerk & Service KG gegründet. Geeignete Mitarbeiter zu finden, gestaltet sich allerdings schwierig und sei teilweise mit hohen Kosten verbunden. Bei kurzfristigen Beschäftigungsverhältnissen würden vor allem die Lohn- und Lohnnebenkosten stark ins Gewicht fallen. Am Bild: Nina Reithofer mit Ehemann und Tischlermeister Thomas Reithofer, die Kinder Maxi und Benni sowie Schwager Herbert Fabsits.

Seit 2013 steht die Tischlerei und das Familienunternehmen „Alles für dich“ in Bad Sauerbrunn für maßgeschneiderte Lösungen und handwerkliche Qualität. Für kleinere Handwerkstätigkeiten und Gartenarbeit wurde 2025 zusätzlich die Reithofer Handwerk & Service KG gegründet. Geeignete Mitarbeiter zu finden, gestaltet sich allerdings schwierig und sei teilweise mit hohen Kosten verbunden. Bei kurzfristigen Beschäftigungsverhältnissen würden vor allem die Lohn- und Lohnnebenkosten stark ins Gewicht fallen. Am Bild: Nina Reithofer mit Ehemann und Tischlermeister Thomas Reithofer, die Kinder Maxi und Benni sowie Schwager Herbert Fabsits.

© zVg

„Wir haben, wie auch andere Betriebe, immer schon Schwierigkeiten damit, geeignetes, qualifiziertes Personal zu finden“, schildert Reithofer. Gesucht werde aktuell vor allem Unterstützung für einfache Gartenarbeiten wie Rasenmähen, Vertikutieren oder Unkrautarbeiten. Auf teure Stelleninserate verzichte man aus Kostengründen, deshalb erfolge die Mitarbeitersuche überwiegend über das AMS. Viele Vermittlungen würden letztlich aber sehr rasch wieder enden. Im Vorjahr, vom Mai bis Oktober, mussten acht Mitarbeiter wieder gekündigt werden oder haben das Dienstverhältnis von sich aus beendet.

Durch das AMS kämen vor allem Vorschläge von Menschen, die langzeitarbeitslos sind oder „Beeinträchtigungen“ hätten. „Ich möchte betonen, dass wir keine Vorbehalte haben und vielen bereits eine Chance gegeben haben. Bei uns zählt kein Alter, Geschlecht, Herkunft.“ Nicht selten sind damit aber auch Probleme verbunden: „Es waren welche dabei, die die Uhr analog nicht kannten, wir wurden bestohlen, die Baustelle wurde ohne Rückmeldung verlassen, Stundenlöhne ab 35 Euro werden gefordert, da der Mitarbeiter ja einen Lehrabschluss als Maler hat, einfach nicht kommen, einfach nicht melden, heimlich mit dem Firmen-KFZ in der Gegend herum fahren, Alkohol, Drogen etc. Wir haben uns sogar schon einen Alkomaten besorgt.“

„Mein Wunsch: Geringfügige Beschäftigung im Probemonat“

Reithofer schildert, dass insbesondere Lohn- und Lohnnebenkosten bei solchen kurzfristigen Anstellungen wirtschaftlich schwer ins Gewicht fallen würden. Als Beispiel nennt sie einen Mitarbeiter, der vom 7. bis 29. April als Gartenhelfer mit 20 Wochenstunden beschäftigt gewesen sei. Neben dem Monatsbrutto seien dabei anteilig Urlaubszuschuss und Weihnachtsremuneration angefallen, zusätzlich Beiträge an die Österreichische Gesundheitskasse. „Für die paar Tage summiert sich das bereits deutlich“, sagt Reithofer.

Bei Beschäftigungen mit höherem Stundenausmaß würden die Kosten weiter steigen, hinzu kämen noch Abgaben wie Lohnsteuer sowie Dienstgeberbeitrag und Zuschlag zum Dienstgeberbeitrag. Geringfügige Beschäftigungen würden aus ihrer Sicht für kleine Betriebe finanziell deutlich leichter tragbar sein, da dort geringere Lohnnebenkosten anfallen. Dies würde aber nur in Ausnahmefällen möglich sein. „Der Mitarbeiter wäre entweder vom AMS, anderem Arbeitgeber oder selbst versichert. Das würde unsere Kosten senken.“ Reithofer würde sich hier mehr Flexibilität wünschen. Dadurch könnten Betriebe neue Mitarbeiter leichter „testen“, ohne bei einem raschen Ende des Arbeitsverhältnisses zusätzlich finanziell belastet zu werden. „Mein dringender Wunsch wäre deshalb: geringfügige Beschäftigung im Probemonat. Ich glaube dem AMS/Staat tut es nicht weh, im Probemonat eine Ausnahme zu machen. Uns wäre zumindest soweit geholfen, dass wenn es doch nicht passt, uns nicht auch noch die Lohn- und Lohnnebenkosten erschlagen.“

Unternehmerin Nina Reithofer: „Personalsuche zunehmend schwierig“

© Hollunder, Maria Hollunder

Ein geringfügiges Beschäftigungsverhältnis eignet sich grundsätzlich nicht als „Probemonat“ und wird vom AMS auch nicht zu diesem Zweck vermittelt, gibt das AMS Mattersburg auf Anfrage der BVZ bekannt. „Als Alternative gibt es für Unternehmen und Arbeitsuchende beispielsweise die Möglichkeit einer befristeten Arbeitserprobung oder eines Praktikums. Ziel dieser Instrumente ist es, sowohl Unternehmen als auch Arbeitsuchenden eine fundierte Entscheidungsgrundlage für eine nachhaltige Beschäftigung zu ermöglichen – mit dem klaren Ziel einer Festanstellung.“

„Wir fragen beim AMS auch regelmäßig um Eingliederungsbeihilfen an“, berichtet Nina Reithofer. „Einmal hätte ich für eine Dame im ersten Monat 100% Förderung bekommen, für einen Herren nur 50%. Die Dame hat mir aber schon am Telefon zu verstehen gegeben, dass sie eigentlich gar nicht möchte: Burn-Out, Reha geplant, usw. Ich habe mir erlaubt, nachzufragen, ob ich nicht stattdessen für den Herren die 100% bekommen könnte. Die Antwort fiel leider negativ aus.“

Eingliederungsbeihilfen für Menschen mit erschwerter Arbeitsmarktintegration

Die Eingliederungsbeihilfe, wird vom AMS erklärt, ist ein zeitlich befristeter Zuschuss des AMS zu den Lohn- und Lohnnebenkosten. Sie unterstützt Unternehmen dabei, Personen einzustellen, deren Integration in den Arbeitsmarkt erschwert ist. „Eine Eingliederungsbeihilfe kann beispielsweise für langzeitarbeitslose Personen, ältere Arbeitsuchende, Wiedereinsteiger_innen oder Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen gewährt werden. Die Förderung muss grundsätzlich vor Beginn des Arbeitsverhältnisses mit dem AMS vereinbart und beantragt werden“, wird von Markus Plattner, Geschäftsstellenleiter des AMS Mattersburg, erklärt. Weiter heißt es: „Die Entscheidung über Förderhöhe und -dauer erfolgt im Rahmen der geltenden Förderrichtlinien auf Basis der individuellen Ausgangssituation der arbeitsuchenden Person sowie des geplanten Beschäftigungsverhältnisses. Förderungen sind personenbezogen und daher nicht auf andere Personen übertragbar.“

Das Unternehmen Reithofer komme den Mitarbeitern, die vermittelt werden, durchaus auch entgegen: „Einige Mitarbeiter mussten immer abgeholt werden, weil sie keinen Führerschein oder KFZ hatten. „Wir haben sogar auf Wunsch eines unserer Mitarbeiter alles zusammengekratzt und ein KFZ inkl. Service, Pickerl, Anmeldung aufgestellt. Wieder ein Haufen an Kosten, und jetzt ist er nicht mehr im Unternehmen.“

„Menschen und Arbeit bestmöglich zusammenbringen und Betriebe mit breitem Dienstleistungsangebot zu unterstützen“

Das AMS versteht sich als verlässlicher Partner für Arbeitsuchende und Unternehmen. Markus Plattner betont an dieser Stelle: „Unser Auftrag ist es, Menschen und Arbeit bestmöglich zusammenzubringen und Betriebe mit einem breiten Dienstleistungsangebot zu unterstützen (Vermittlung, Beratung, Arbeitsplatznahe Qualifizierung, Impulsberatung usw.). Die Berater_innen in den regionalen AMS-Geschäftsstellen kennen den regionalen Arbeitsmarkt, die Anforderungen der Betriebe sowie die verfügbaren Förder- und Unterstützungsmöglichkeiten. Sie beraten Unternehmen individuell und unterstützen sie dabei, passende und nachhaltige Lösungen für die Besetzung offener Stellen zu finden.“