Anrufsammeltaxi vom Land stößt den „Privaten“ sauer auf

BAST

Das Burgenländische Anrusammeltaxi „BAST“ ist seit 1. Juli nun auch im Bezirk Mattersburg unterwegs. Vom Land in hohen Tönen gelobt, spricht man bei den Taxiunternehmen von einem Wettbewerbsnachteil.

Von Richard Vogler

Anrufsammeltaxi vom Land stößt den „Privaten“ sauer auf

© Shutterstock/IMAGO/Pond5 Images

Seit vergangenem Jahr in Betrieb, seit 1. Juli im Bezirk Mattersburg und spätestens mit Jahreswechsel soll das BAST in den Bezirken Eisenstadt und Neusiedl am See gebucht werden. Betreiber sind die Vekehrsbetriebe des Landes Burgenland.

Dass es einen Mitbewerber vom Land gibt, stößt einigen Taxiunternehmern sauer auf; vor allem die Entlohnung der Fahrer sorge für einen Wettbewerbsnachteil bei den „Privaten“. Das Einstiegsgehalt bei den Verkehrsbetrieben, da diese dem zum Land Burgenland gehören, sieht einen Mindestlohn von rund 2.200 Euro netto vor.

„Mit unseren Steuergeldern werden Konkurrenzunternehmen finanziert. Hier wird massiv in den Wirtschaftskreislauf eingegriffen. Dies dürfte einfach nicht sein“, so Alex Fleck, der sein Unternehmen „Taxi Fleck“ seit mittlerweile 30 Jahren in Mattersburg und seit einigen Jahren auch in Steinbrunn betreibt.

Anrufsammeltaxi vom Land stößt den „Privaten“ sauer auf

© Wirtschaftskammer

„Es sind bereits Fahrer abgeworben worden“ Patrick Poten

„Es sind bereits einige Fahrer von den Verkehrsbetrieben abgeworben worden. Dies ist keine Kunst bei den Löhnen, die gezahlt werden. Gegen jenes Argument, wonach sie beim Land mehr verdienen und nicht die ganze Nacht durfahren müssen, da kann man nichts dagegen sagen. Die Taxiunternehmer finden kaum mehr Personal, das in der Nacht fahren will. Es wird sicherlich so sein, dass auch im Bezirk Mattersburg Taxifahrer zum BAST wechseln werden. “, berichtet Patrick Poten. Poten ist Obmannstellvertreter der Fachgruppe Beförderungsgewerbe mit Pkw der Wirtschaftskammer Burgenland und betrieb lange Zeit sein „Taxi Poten“ im Südburgenland, welches er mittlerweile verkauft hat.

Tauziehen um Krankentransporte

Krankentransporte sind eine wichtige Einnahmequelle für die Taxiunternehmen. Laut Poten wollte das „Land dort 'reinstechen'. Man hatte vor, einen eigenen Vertrag mit der Gebietskrankenkassa zu machen. Der Patient hätte sich demnach zunächt bei den Verkehrsbetrieben melden müssen. Diese Fahrten hätten dann die Verkehrsbetriebe übernommen. Wenn was 'übrig' geblieben wäre, hätte man dies an die Taxiunternehmen weiter delegiert. Dazu ist es aber glücklicherweise nicht gekommen, da es einen österreichweiten Vertrag zwischen der ÖGKK und den Taxiunternehmen gibt.“

Anrufsammeltaxi vom Land stößt den „Privaten“ sauer auf

© Richard Vogler

Wolfgang Werderitsch, Geschäftsführer der Verkehrsbetriebe Burgenland, sieht dies ganz anders. „Das BAST erfreut sich höchster Beliebtheit. Vor der Inbetriebnahme des BAST wurden mittels Ausschreibung die Mitarbeit oder Teilnahme von privaten Taxiunternehmungen angefragt. Im Endeffekt arbeiten wir nun mit zwei privaten Taxiunternehmungen zusammen. Viele Taxiunternehmungen haben ihr Interesse bekundet, wirklich abgegeben haben nur ganz wenige“, erläutert Werderitsch.

Ordentliche Arbeit muss ordentlich bezahlt werden Wolfgang Werderitsch

Dass Fahrer von Taxiunternehmen zu den Verkehrsbetrieben gewechselt sind, dies kann Werderitsch nicht bestätigen. „Wir haben zum Beispiel für Mattersburg einen eigenen Taxikurs beim WIFI gebucht und Fahrer ausbilden lassen“, so Werderitsch, um bezüglich Entlohnung Stellung zu nehmen: „Ordentliche Arbeit muss ordentlich bezahlt werden, die Lenker sind von 3.30 bis 21.30 Uhr, Montag bis Sonntag, im Einsatz. Dafür gebührt Ihnen ein ordentlicher Lohn und der gebührende Respekt der Geschäftsführung für diese verantwortungsvolle Tätigkeit. Laut Werderitsch ist das BAST „ein Zusatzangebot zu den bestehenden Kraftfahrlinienverbindungen.“

Die von Poten angesprochenen Gespräche zwischen den Verkehrsbetreiben und der ÖGKK werden von Werderitsch dementiert. „Ich kann jedoch bestätigen, dass es Gespräche zwischen Wirtschaftskammer und Verkehrsbetriebe Burgenland gegeben hat“, erläutert Werderitsch, um weiter auszuführen: „Es hat und es wird keine Einschränkung geben, dass wenn ein Kunde mit dem Taxiunternehmen 'X' fahren will, mit diesem nicht fahren wird können. Wenn ein Kunde mit uns fahren will und wir verfügbare Kapazitäten haben, werden wir auch diesem Wunsch entsprechen. Daher ruft er ja – oft auch verzweifelt – bei uns an.“