„Wohnbaupaket ist ein wichtiger Impuls, aber …“

Baubranche

Großer Wurf oder doch nur ein Tropfen auf dem heißen Stein? Das Wohnbaupaket der Bundesregierung sorgt in der Fertighausbranche durchaus für Erleichterung. Restlos zufrieden ist man aber nicht.

Von Von NÖN Redaktion

Bei HARTL HAUS ist man durchaus zufrieden mit dem Maßnahmenpaket: „Es bringt die richtigen Impulse.“

Bei HARTL HAUS ist man durchaus zufrieden mit dem Maßnahmenpaket: „Es bringt die richtigen Impulse.“

© HARTL HAUS, Julia Dejmek

Die Baubranche hat schon einmal bessere Zeiten gesehen. Die Zahl der Baubewilligungen ist nach dem Höhenflug vor einigen Jahren dramatisch eingebrochen, auch die Fertigstellungen gehen zurück. Kein Wunder, wird es für Österreichs Familien doch immer teurer, ein Haus zu errichten.

Das verdeutlicht eine Studie der Bank Austria: Konnte man sich mit einem durchschnittlichen Jahreseinkommen vor 20 Jahren noch 15,5 Quadratmeter Einfamilienhaus leisten, so waren es 2022 nur noch knapp zehn Quadratmeter.

Jetzt macht die Bundesregierung eine Milliarde Euro locker, um den Wohnbau anzukurbeln und der Baubranche wieder auf die Sprünge zu helfen. Ein wesentlicher Teil davon geht als Zuschuss an die Länder, die damit ihrerseits günstigere Wohnbaukredite – bis zu 200.000 Euro mit einem Fixzins von nur 1,5 % – anbieten sollen. Dazu kommen weitere Maßnahmen wie der Entfall von Nebengebühren wie Grundbuch- und Pfandrechtseintragungsgebühr.

Genug an Impulsen?

„Das Wohnbaupaket bringt definitiv die richtigen Impulse“, ist Yves Suter, Geschäftsführer von HARTL HAUS, zufrieden. „Durch die attraktiven und niedrig verzinsten Landesförderungen wird der Weg zu Eigenheim und Unabhängigkeit erleichtert.

Der Entfall bestimmter Nebengebühren bedeutet eine weitere finanzielle Entlastung, und darüber hinaus können Baufamilien ja auch vom Sanierungsbonus profitieren. Das alles schafft Anreize für Privatpersonen, den Traum vom eigenen Zuhause zu realisieren oder bestehende Häuser zu sanieren und zu erweitern“, sagt Suter.

Nicht uneingeschränkt positiv sieht man das Paket bei Branchen-Leader ELK. „Wir freuen uns über jede staatliche Unterstützung, damit leistbares Wohnen im Eigentum wieder verstärkt möglich sein kann. Daher begrüßen wir das Paket, auch wenn es reichlich spät eingetroffen und bei weitem nicht ausreichend ist“, erklärt Geschäftsführer Thomas Scheriau.

„Es sind weitere Schritte notwendig, um noch mehr Familien in Österreich zum Eigenheim zu verhelfen, denn mit Zinswende und strengeren Kreditvergabestandards ist der Traum vom Eigenheim für viele Österreicher zu einem Luftschloss geworden!“

Ähnlich sieht es Volker Höllinger, Geschäftsführer von Magnum Vollholzdesign. „Das Wohnbaupaket ist ein Zeichen, dass die Regierung erkannt hat, dass man Maßnahmen setzen muss, um der dramatischen Wirtschafts- und Konjunkturlage in der Bauwirtschaft entgegenzuwirken. Die Maßnahmen sind ein Impuls, aber speziell für die Fertighausbranche mit dem Fokus auf das Einfamilienhaus zu wenig.“ Höllinger würde sich zusätzlich etwa zinsgünstige Kredite für klimaeffiziente Neubauten wünschen.

Rasch umsetzen

Für den Geschäftsführer von HAAS Haus, Robert Frischer, ist das Maßnahmenpaket nur ein erster Schritt. „Jetzt gilt es, die Ankündigungen auch rasch zu konkretisieren. Das Paket ist Hoffnungsstrahl – aber noch bin ich skeptisch.“ Eine rasche Umsetzung und das Sicherstellen von klaren Bedingungen fordert auch VARIO-HAUS-Geschäftsführer Daniel Gruber. „Sonst warten die Baufamilien mit ihrer Entscheidung zu, und Abwarten ist für die Unternehmen definitiv nicht förderlich.“

Gruber sieht noch einigen Nachholbedarf. „Der konkrete Erfolg des Pakets ist von vielen Details abhängig, die noch gar nicht bekannt sind und zum Teil in der Hand der Bundesländer liegen, wie etwa die Darlehen mit gestütztem Zinssatz.“

Noch viele Wünsche

So sehr man das Wohnbaupaket auch begrüßt – man hätte sich durchaus mehr für Branche und Baufamilien gewünscht. Daniel Gruber fehlen Schritte zur Entbürokratisierung des gesamten Bauprozesses, um das Bauen leistbarer zu machen.

Robert Frischer hätte gerne noch mehr Impulse für den Einfamilienhausbau gesehen. In einem Punkt sind sich aber alle Unternehmen einig: Die umstrittene KIM-Verordnung, die den Baufamilien den Zugang zu Krediten unnötig erschwert, muss fallen. Robert Frischer bringt es auf den Punkt: „Die gehört schon längst weg. Unfassbar, dass daran weiter festgehalten wird!“

Etwas skeptisch ist Daniel Gruber von VARIO-Haus: „Der konkrete Erfolg des Pakets hängt von vielen Details ab, die noch gar nicht bekannt sind.“

Etwas skeptisch ist Daniel Gruber von VARIO-Haus: „Der konkrete Erfolg des Pakets hängt von vielen Details ab, die noch gar nicht bekannt sind.“

© VARIO-Haus