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Arbeitsmarkt: „Gesucht wird die perfekte Arbeitskraft“
Bezirk Neusiedl
Die Arbeitsmarkt-Expertinnen Helene Sengstbratl und Petra Beidl mit der BVZ im Gespräch über die Situation im Neusiedler Bezirk.
Geschäftssftellenleiterin Petra Beidl (AMS Neusiedl am See) mit Geschäftsführerin Helene Sengstbratl (AMS Burgenland)
© Birgit Böhm-Ritter
„Dafür, dass wir zwei Jahre Rezession hinter uns haben, hält sich der Neusiedler Bezirk gut“. Das sagt die Geschäftsführerin des Arbeitsmarktservices (AMS) Burgenland Helene Sengstbratl über das abgelaufene Arbeitsjahr. Im Jahresdurchschnitt verzeichnete das AMS bei der Gesamtarbeitslosigkeit einen Zuwachs von vier Prozent im Bezirk. Im Vergleich zum Landessüden steht der nördlichste Bezirk damit gut da. Im Dezember ist die Arbeitslosigkeit hier gegenüber 2023 gar gesunken.
Dass sich die Arbeitslosigkeit trotz der schlechten wirtschaftlichen Lage in Grenzen hält, ist mit dem demografischen Wandel zu erklären. Es gebe einfach weniger Arbeitskräftepotenzial, so Sengstbratl. Außerdem würden weniger Arbeitskräfte aus den mittel- und osteuropäischen Ländern auf den Arbeitsmarkt drängen als in den Jahren nach der Arbeitsmarktöffnung 2014.
Prognose „nicht rosig“
Die Prognosen der AMS-Chefin sehen allerdings nicht rosig aus. Man müsse wohl noch mit weiteren Jahren einer schwachen Konjunktur rechnen: „Das heißt, dass sich in den nächsten Jahren wahrscheinlich Arbeitslosigkeit weiter aufbauen wird.“
Besonders trüb sieht es in der Baubranche aus. Nach dem Bauboom nach der Corona-Pandemie erfolgte durch die Inflation ein regelrechter Einbruch an Aufträgen.
Die Rahmenbedingungen haben sich zwar etwas verbessert, so gibt es Erleichterungen in der Kreditvergabe, von einer Erholung für die Baubranche will Sengstbratl aber nicht sprechen. „Schließlich waren es 2024 monatlich um 15 Prozent mehr Arbeitssuchende am Bau als 2023“, belegt sie ihre Einschätzung mit Zahlen aus der Statistik für den Neusiedler Bezirk.
Betriebe werden wählerischer
Was wir bereits im Jahr 2023 gelernt haben, setzte sich auch im abgelaufenen Jahr fort: Steigende Arbeitslosigkeit steht nicht im Widerspruch zum Fachkräftemangel. Vor allem in handwerklich-technischen Berufen, aber etwa auch im Bankenwesen, Tourismus und in den Pflegeberufen werden Fachkräfte dringend gesucht. Dabei ist jedoch auffällig, dass die Betriebe wieder wählerischer werden.
„Nach Corona gab es ganz viele offene Stellen. Da haben Unternehmen auch Menschen eine Chance gegeben, die das Anforderungsprofil nicht zu hundert Prozent erfüllt haben. Jetzt sucht man wieder die ,perfekte' Arbeitskraft“, erklärt Petra Beidl, AMS-Geschäftsstellenleiterin in Neusiedl am See. Ältere Arbeitslose oder Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen hätten es deshalb am Arbeitsmarkt momentan besonders schwer.
Image der Lehre im Aufwind
Das AMS setzt heuer wieder verstärkt auf Ausbildungsangebote im Pflegebereich. Erst am 20. Jänner startete ein Ausbildungskurs zur Pflegeassistenz, zudem beginnt im März das Auswahlverfahren für die Heimhelferausbildung.
Darüber hinaus liegt den beiden Arbeitsmarkt-Expertinnen die Lehrlingsausbildung besonders am Herzen. Momentan seien Berater des AMS in den Schulen des Neusiedler Bezirks unterwegs, um Lehrstellensuchende mit Bewerbungstrainings auf das Lehrlingscasting am 25. Februar vorzubereiten.
Die von AMS, Bildungsdirektion und Wirtschaftskammer organisierten Lehrlingscastings in den burgenländischen Bezirken haben sich mittlerweile zu etablierten Plattformen entwickelt, die Lehrstellensuchende und Betriebe zusammenbringen. Für den Termin in der Polytechnischen Schule in Neusiedl am See haben sich bereits rund 20 Unternehmen angemeldet.
In den vergangenen Jahren wurde die Lehre vermehrt auch zu einem Ausbildungsmodell für Erwachsene.