Eine BFV-Ligareform, die nur kommt, wenn völlige Klarheit herrscht
Bgld. Fußballverband
Burgenlands Fußballbetrieb bei den Erwachsenen könnte sich im Rahmen einer Ligareform künftig strukturell verändern. Noch ist aber offen, wann und in welcher Form neue Einteilungen für den Meisterschaftsbetrieb überhaupt erfolgen werden. Fix ist: Während Winterpause ist, laufen die Überlegungen im Hintergrund weiter.
Um innerhalb des BFV klare Sicht auf eine mögliche komplette Ligareform zu haben, werden die Vereine derzeit vermehrt eingebunden.
© Martin Ivansich
143 Kampfmannschaften und 141 Reserveteams stehen derzeit bei den Erwachsenen in einem laufenden Meisterschaftsbetrieb. Die Burgenlandliga an der Spitze, drei 2. Ligen (Süd, Mitte, Nord) und drei 1. Klassen (Süd, Mitte, Nord) darunter sowie eine 2. Klasse Nord und die 2. Klassen Süd A und Süd B bilden aktuell das Gerüst.
Dabei ist das burgenländische Ligasystem historisch gesehen immer wieder in Bewegung gewesen. Vor 1990 war die 2. Klasse nicht in Nord, Mitte und Süd (A & B) eingeteilt, sondern schlicht in 2. Klasse A, B, C, D und E. In den 60er-Jahren wiederum gab es nur zwei 2. Ligen (Nord und Süd) – zwei Beispiele, die zeigen: Veränderungen hat es schon öfter gegeben.
Harald Füzi fühlt sich deshalb ein wenig in die 90er-Jahre zurückversetzt. Der in Rechnitz lebende gebürtige Pamhagener ist Vorsitzender des Spielausschusses und als solcher für die Einteilung der Ligen und Klassen verantwortlich. „Damals gab es ähnliche Erkenntnisse, Ergebnisse und Lösungsvorschläge“, sagt Füzi. Im Kern gehe es immer um dieselbe Frage: Welche Aufteilung macht in Bezug auf Qualität und Regionalität am meisten Sinn?
Die Ausgangslage hat sich jedenfalls verändert: Immer mehr Vereine gingen in den vergangenen Jahren Spielgemeinschaften ein, um den Betrieb aufrechtzuerhalten – oder zogen sich ganz zurück. Die sinkende Zahl ist nicht dramatisch, aber deutlich sichtbar. Als 1990 die 2. Klassen von fünf auf vier komprimiert wurden (2. Klasse Nord, Mitte, Süd A und Süd B), wurde die Intention klar beschrieben, nachzulesen im Sachbuch „Der Fußballsport im Burgenland III“: „Durch die Klassenneueinteilung gab es weniger, dafür aber verstärkte Klassen.“
Zum Vergleich: Damals standen 174 Kampfmannschaften für die burgenländische Meisterschaft von der Landesliga abwärts zur Verfügung. Mittlerweile sind es rund 30 Teams weniger.
Ob die aktuellen 143 Kampfmannschaften auch im Sommer in die neue Punktejagd gehen werden, lässt sich schwer prognostizieren. Es gibt aber auch positive Signale: Der ASK Baumgarten wird ab Sommer ein Comeback feiern und in der 2. Klasse Nord einsteigen, der SC Mariasdorf will ebenfalls wieder zurück in den Spielbetrieb und damit die Gruppe Süd verstärken.
Gleichzeitig bleibt die Entwicklung dynamisch: Es ist nie sicher, ob Vereine parallel aufgeben müssen – oder ob durch Zusammenschlüsse die Gesamtzahl der Meisterschaftsteilnehmer weiter sinkt. Die Gruppe Mitte hat die 2. Klasse aufgrund der geringen Teilnehmerzahl aufgelöst und dafür die 2. Liga Mitte mit 17 sowie die 1. Klasse Mitte mit 16 Klubs sehr stark bestückt. Mit Sigleß wanderte ein Verein in die Gruppe Nord ab, Hirm macht mit Zillingtal gemeinsame Sache und spielt nun ebenfalls in der 2. Klasse Nord. Das Tetris-Spiel der bestmöglichen Einteilung fand hier eben diese Lösung. Ab der kommenden Saison wird in der Gruppe Süd für Spielgemeinschaften mit zwei Kampfmannschaften nur noch eine Reserve nötig sein. Außerdem werden Klubs, die den Betrieb wieder neu beginnen, im ersten Jahr nicht zwingend eine Reserve stellen müssen. All das sind Details, die seitens des Burgenländischen Fußballverbands (BFV) als „Ligareform Light“ bewertet werden – um auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Klubs punktuell besser einzugehen.
Ob diese Anpassungen langfristig ausreichen, bleibt aber offen. Denn im BFV beschäftigt man sich seit geraumer Zeit mit der Frage, wie eine generelle Ligareform mit neuen Strukturen aussehen könnte. Knackpunkt ist dabei die unterschiedliche Ausgangslage in den Regionen – und auch die teils gänzlich andere Denkweise der Vereine. Ein Beispiel: Während in der Gruppe Nord der Reservebetrieb de facto außer Frage steht, ist in der Gruppe Mitte oder auch im Süden das Stöhnen in Bezug auf die Reserven größer. Den Ansatz einer gänzlichen Abschaffung würden aber nur vergleichsweise wenige Klubs unterstützen. „Wir haben im Süden bereits eine diesbezügliche Umfrage durchgeführt. Nur fünf bis sieben Prozent der Vereine sind für eine Auflösung. Die meisten Vertreter wollen eine zweite Mannschaft.“
Füzi selbst bringt auch andere Ideen ins Spiel: „Eine angedachte Variante von mir wäre, statt den Reserven in den Landesligen 1b-Teams zu stellen, die im regionalen Kampfmannschaftsbetrieb spielen könnten.“ Die Reaktionen darauf seien allerdings sehr unterschiedlich gewesen – „und durchaus mit Widerstand verbunden“.
Unumstößlich bei allen Reformgedanken ist die Burgenlandliga als höchste Liga des Landes. Darunter gibt es aber verschiedene Modelle, die in den vergangenen Monaten diskutiert wurden. Eine Variante lautet etwa, statt drei 2. Ligen wieder nur zwei 2. Ligen (Nord und Süd) einzuführen – darunter dann Oberligen und Unterligen. Eine weitere Überlegung wäre, unterhalb der Burgenlandliga und der drei 2. Ligen lauter regionale Gebietsligen einzuziehen. Damit würde sich die Zahl der Ligaebenen verändern.
Gerade deshalb zerbricht man sich im BFV seit Monaten den Kopf, welche Ansätze für die überwiegende Mehrheit Vorteile bringen könnten. „Wichtig ist, dass wir gute Modelle in der Schublade haben, um sie gegebenenfalls anbieten und ausspielen zu können“, stellt Füzi klar. Einen unmittelbaren Anlass zur Änderung sieht man aktuell aber noch nicht – die Evaluierung läuft weiter.
In der vergangenen Woche haben alle Mitgliedsvereine passend dazu Post per E-Mail erhalten: eine Umfrage zum Thema „Ligareform“. Weil eine Reform eine „nachhaltige Entscheidung“ sein müsse und ein neuer Weg „nur eine deutliche Verbesserung für alle Regionen darstellen darf“, wurden alle Klubs eingebunden. Per Punktesystem können die Vertreter noch bis 6. Februar ihre Prioritäten festlegen – von „sehr wichtig“ bis „am wenigsten wichtig“. Zur Wahl stehen dabei die Parameter „Kaderzusammenstellung“ (weniger Legionärsanteil, mehr burgenländische Spieler), „Regionalität“ (geringere Fahrtstrecken, mehr Derbys), „Sportlicher Anspruch“ (qualitativ möglichst hochwertige Ligen/Klassen) und „Weniger Auf/Abstiegsdruck“ (weniger Ligen/Klassen, mehr Teams in der Liga). Ziel ist es, ein klares Stimmungsbild zu erhalten: Welches Ligaformat passt zu welchen Vereinen – und wann könnte ein möglicher Reformzeitpunkt sein?
Fakt ist zum jetzigen Zeitpunkt, dass die kommende Saison 2026/2027 ohne grobe strukturelle Veränderungen ablaufen wird. Ebenso wird die Saison – auch mangels bereits getroffener Beschlüsse – keine Übergangssaison zu einem neuen Ligamodell darstellen. Im Schreiben an die Vereine heißt es dazu: „Es wäre nicht förderlich, sich im Prozess Zeitdruck aufzuerlegen und wichtige Variablen und Punkte dadurch vielleicht zu wenig oder nicht behandelt zu haben.“
Ein Standpunkt, den auch Füzi unterstreicht: „Nach all dem, was wir bislang erhoben haben, macht es am meisten Sinn, das jetzige System beizubehalten. Allerdings müssen wir handlungsbereit und gut gerüstet sein, wenn weniger Mannschaften im Betrieb dabei sind und eine Ligareform wirklich zwingend nötig ist.“