Biologische Station Illmitz: Zentrale Drehscheibe für Wasserqualität

Bilanz und Zielsetzung

Die Biologische Station Illmitz zieht zehn Jahre nach ihrer Neueröffnung eine positive Bilanz. Die Einrichtung entwickelte sich zu einem zentralen burgenländischen Standort für Wasseranalytik, naturkundliche Forschung und Umweltbildung.

Von Von Birgit Böhm-Ritter

Barbara Eder, BSc, DI Gerwin Meixner, LH-Stv.in Anja Haider-Wallner, Mag. Dr. Thomas Zechmeister, Leiter der Biologischen Station Neusiedler See in Illmitz, und Jürgen Wesely, BSc, im akkreditierten Mikrobiologie-Labor

Barbara Eder, BSc, DI Gerwin Meixner, LH-Stv.in Anja Haider-Wallner, Mag. Dr. Thomas Zechmeister, Leiter der Biologischen Station Neusiedler See in Illmitz, und Jürgen Wesely, BSc, im akkreditierten Mikrobiologie-Labor

© LMS Burgenland

Vor zehn Jahren wurde der Neubau der Biologischen Station Illmitz eröffnet. Landeshauptfrau-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner sprach bei einer Pressekonferenz anlässlich dieses Jubiläums von einem wichtigen Moment: „Die Biologische Station ist ein wissenschaftliches Herzstück des Burgenlands und sie ist ein Garant für sauberes Wasser, für eine kulturkundliche Forschung und ein wichtiger Impulsgeber für Bildung und Bewusstseinsarbeit.“ Seit der Neuerrichtung 2015 entwickelte sich die Einrichtung kontinuierlich weiter. Heute arbeiten 22 Personen in den Laboren, Forschungsbereichen und Kursräumen, dazu kommen Studiengruppen und Gastforscherinnen sowie Gastforscher.

Biologische Station Illmitz: Zentrale Drehscheibe für Wasserqualität

© Birgit Böhm-Ritter

Beständige Forschungsarbeit seit 2015

Die Station führt chemische und mikrobiologische Wasseranalysen durch. Mehr als 1.000 Kundinnen und Kunden aus Wasserverbänden, Versorgungsanlagen und Gemeinden lassen hier Proben prüfen. 2024 wurden 3.740 Proben analysiert und dabei über 60.000 Untersuchungsparameter ausgewertet. Im Vergleich zu vor fünf Jahren stieg die Zahl der Parameter um mehr als 10.000. „Sauberes und gesundes Wasser wird immer kostbarer. Das Burgenland verfügt mit der Biologischen Station über ein eigenes, akkreditiertes Labor, das unter anderem die Kontrolle unserer Wasserqualität sichert“, betonte Haider-Wallner.

Leiter Thomas Zechmeister beschrieb die Einrichtung als Forschungszentrum mit klarer Ausrichtung: „Unsere Arbeit verbindet angewandte Forschung mit konkretem Nutzen für Mensch und Natur. Wir analysieren Wasserproben aus dem gesamten Burgenland, beobachten ökologische Entwicklungen langfristig und stellen wissenschaftliche Grundlagen für Umwelt- und Naturschutzmaßnahmen bereit.“

Biologische Station Illmitz: Zentrale Drehscheibe für Wasserqualität

© LMS Burgenland

Blick auf den Neusiedler See

Einen Einblick in die Arbeit der Biologischen Station gab Zechmeister am Beispiel des Neusiedler Sees. Die Wasserqualität des Steppensees wird ein Mal monatlich überprüft. In den Sommermonaten Juni bis August sogar zwei Mal monatlich. Diese Werte werden auch auf Grundlage der EU-Bädergewässerverordnung jedes Jahr veröffentlicht. Die Wasserqualität des Neusiedler Sees ist stets sehr gut. „Nur ganz selten war bisher eine Nachkontrolle aufgrund von Grenzwertüberschreitungen notwendig.“

Solange der Wasserstand wie momentan bei 1,30 Metern in der Seemitte liege, bestehe kein Risiko für die Wasserqualität. „Erst unter einem Meter würde es bei stärkerer Verdunstung zu erhöhtem Wachstum von Algen und Bakterien kommen.“

Biologische Station Illmitz: Zentrale Drehscheibe für Wasserqualität

© LMS Burgenland

Zechmeister verwies zugleich auf das Selbstverständnis des Teams: „22 Personen schauen hier mit Herz und Hirn darauf, dass der Laden gut läuft.“ Wasser sei die wichtigste Ressource. „Ich sehe uns als Think Tank für konsequenten Ressourcenschutz.“

Langzeitforschung und Umweltbildung

Mit ihrer Einbindung in die Long-Term-Socio-Ecological-Research-Plattform Neusiedler See – Seewinkel ist die Station Teil eines internationalen Netzwerks für ökologische Langzeitforschung. Seit 2015 wurden 2,3 Millionen Euro an Drittmitteln für Projekte eingeworben, die sich auf die Expertise der Einrichtung stützen.

Ein zentrales Entwicklungsziel für die kommenden Jahre betrifft die offizielle Akkreditierung bei LTER-EUROPE, dem europäischen Dachverband für ökologische Langzeitforschung. Damit könnten zusätzliche EU- und Regionalmittel verfügbar werden. „Langfristige Datensammlungen, wie wir sie etwa vom Neusiedler See seit 1971 machen, werden immer bedeutender“, erklärte Zechmeister. „Sie geben Aufschluss, wie sich Ökosysteme durch verschiedene Einwirkungen, wie etwa den Klimawandel, verändern.“

Parallel dazu baut die Station ihre Bildungsarbeit aus. Die NaturAkademie Burgenland setzt Seminare in Kooperation mit Hochschulen, Naturparken und Vereinen um. „Mein persönliches Bestreben im Bereich der Bildungsarbeit ist die NaturAkademie weiterzuentwickeln, sie aus dem Teenageralter herauszuholen und erwachsen werden zu lassen“, sagte Zechmeister.

Historischer Hintergrund

Die Wurzeln der heutigen Biologischen Station liegen in einer 1950 errichteten Seestation in Neusiedl am See. Nach einem Brand 1960 entschied sich das Land Burgenland für einen Neubau in Illmitz, der 1971 eröffnet wurde. Nach rund vier Jahrzehnten folgte der Beschluss für einen modernen Neubau, der 2015 in Betrieb ging. Heute verfügt die Station auf mehr als 1.600 Quadratmetern über Laboratorien für chemische, mikrobiologische und biologische Analysen sowie über Kursräume und weitere wissenschaftliche Einrichtungen.