Beim Tag der offenen Tür der Akademie der Wirtschaft in Neusiedl am See erkundeten Jugendliche die Ausbildung mit Quizzen, Spielen und Führungen.
Mehr Verdunstung: Wie eine Andauer Firma auf den Klimawandel antwortet
Brüder Weber
Österreich verliert durch den Klimawandel zunehmend Wasser an die Atmosphäre. Neue Zwischenergebnisse des Forschungsprojekts „Wasser im Klimawandel“ zeigen eine deutlich gestiegene Verdunstung und sinkende Grundwasserstände. Für die Landwirtschaft wächst damit der Bedarf an effizienter Bewässerung – ein Markt, auf den die Brüder Dominik und Lukas Weber aus Andau bereits vor zehn Jahren gesetzt haben.
Dominik und Lukas Weber sind mit ihrer Firma irripart24 auf der Erfolgsstraße.
© irripart24
Die heute von Umweltminister Norbert Totschnig präsentierten Zwischenergebnisse der Studie „Wasser im Klimawandel“ zeichnen ein klares Bild: Zwischen 1980 und 2010 stieg die jährliche Verdunstung in Österreich um rund 80 Millimeter. Das entspricht 80 Litern Wasser pro Quadratmeter und Jahr, die zusätzlich in die Atmosphäre gelangen. Seit 2010 nahm die Verdunstung laut den Forschenden um weitere drei bis fünf Prozent zu. Gleichzeitig gingen die Grundwasserstände in den vergangenen zehn Jahren im Durchschnitt um 30 bis 50 Zentimeter zurück.
Für den Seewinkel sind diese Entwicklungen besonders bedeutsam. Die Region zählt zu den trockensten Gebieten Österreichs. Landwirtschaftliche Betriebe setzen hier seit Jahrzehnten auf künstliche Beregnung. Mit zunehmenden Trockenperioden wächst die Bedeutung von Systemen, die Wasser gezielt und sparsam einsetzen.
Mit zwei Containern gestartet
Genau hier setzte die Geschäftsidee der Brüder an. Aus ihrem Familienbetrieb - einen kleinen Landtechnikbetrieb und Traktorenhandel - kannten sie die Anforderungen landwirtschaftlicher Betriebe ebenso wie die wachsende Bedeutung moderner Bewässerungstechnik in trockenen Regionen.
„Im Netz gab es praktisch keine professionellen Anbieter für landwirtschaftliche Beregnung. Gleichzeitig wussten wir, wie stark unser Sortiment bereits war. Da entstand die Überzeugung: Wenn wir das richtig aufbauen, können wir in diesem Markt etwas bewegen“, so die Webers.
2014 gründeten sie irripart24. Als Lager dienten zunächst zwei Seecontainer. Parallel dazu investierten die Gründer in digitale Abläufe und die technische Infrastruktur ihres Onlineshops. Die ersten Bestellungen trafen schneller ein als erwartet.

© irripart24.eu, Sebastian Wegerbauer
„Wir dachten, dass es Wochen oder Monate dauern würde, bis überhaupt die ersten Bestellungen kommen. Doch schon in der ersten Woche hatten wir elf Bestellungen auf einmal – aber kein Verpackungsmaterial. Wir mussten tatsächlich Kunden anrufen und erklären, dass wir noch nicht sofort versenden können. Rückblickend ist das eine lustige Geschichte, aber in dem Moment war das Stress pur!“
Wachstum durch Digitalisierung
In den folgenden Jahren vergrößerte das Unternehmen seine Lagerkapazitäten kontinuierlich. Einen wichtigen Impuls brachte die Corona-Pandemie, als viele Betriebe verstärkt online einkauften. 2021 eröffnete irripart24 ein rund 2.000 Quadratmeter großes Lager.
Heute - zehn Jahre später - umfasst das Sortiment nach Unternehmensangaben mehr als 8.000 Artikel. Kundinnen und Kunden in 18 europäischen Ländern bestellen bei dem Unternehmen aus Andau. Aus dem Gründerduo entwickelte sich ein Betrieb mit 15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, der rund 1.000 Bestellungen pro Woche bearbeitet.
Wasser effizient nutzen
Die heute durch das Umweltministerium präsentierten Ergebnisse der Wasserstudie deuten darauf hin, dass die Landwirtschaft auch künftig mit längeren Trockenphasen rechnen muss. Nach den bisherigen Projektionen dürften insbesondere die Sommerniederschläge bis zur Mitte des Jahrhunderts zurückgehen. Entsprechend gewinnen Maßnahmen an Bedeutung, die vorhandene Wasserressourcen möglichst effizient nutzen.
Vor diesem Hintergrund sieht das Unternehmen weiteres Entwicklungspotenzial für moderne Bewässerungstechnik. „Der Klimawandel stellt die Landwirtschaft vor große Herausforderungen. Deshalb wird effiziente Bewässerung in Zukunft alternativlos sein. Die Systeme werden stärker automatisiert, und auch KI ist ein Thema. Wasser wird immer wertvoller und gleichzeitig steigen die Anforderungen an die Landwirtschaft ständig. Ohne smarte Bewässerungssysteme mit Sensorik, automatisierten Steuerungen und digitaler Überwachung ist das nicht zu schaffen!“
Laut irripart24 können moderne Bewässerungssysteme den Wasserverbrauch je nach Einsatzbereich um 20 bis 50 Prozent senken. Während Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Veränderungen des österreichischen Wasserhaushalts dokumentieren, zeigt die Entwicklung des Unternehmens aus Andau, wie stark der Bedarf an effizientem Wassermanagement bereits gestiegen ist. Was vor zehn Jahren mit zwei Seecontainern begann, hat sich zu einem europaweit tätigen Anbieter entwickelt.
„Wasser im Klimawandel – eine Studie über die Auswirkungen“ untersucht die Folgen der Klimaerwärmung auf den österreichischen Wasserhaushalt. Im Fokus stehen unter anderem Niederschlag, Verdunstung, Grundwasser, Abflussverhalten sowie Hoch- und Niederwasser. Die Studie entsteht im Auftrag des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft sowie den Bundesländern.
Sie wird durchgeführt von führenden österreichischen Forschungsinstitutionen: Der TU Wien, der GeoSphere Austria, der Universität Graz und der BOKU Wien. Die nun präsentierten Zwischenergebnisse sind Teil einer umfassenden Analyse und dienen als wissenschaftliche Grundlage für die Weiterentwicklung der österreichischen Wasserpolitik. Der finale Bericht erscheint Ende 2026 und wird detaillierte Prognosen für Österreich bis 2100 enthalten.
Weiterführende Informationen finden Sie auf http://wasseraktiv.at/wasser-im-klimawandel