Internationaler Frauentag: Harter Weg zu gleicher Chance

Burgenland in Zahlen

Der Internationale Frauentag wirft ein Licht auf die Situation im Burgenland. Diese ist noch längst nicht perfekt, es braucht „Ausdauer und Willenskraft“, wie einige Erfolgsmodelle zeigen. In der Landespolitik und in den zentralen Einrichtungen steigt der Anteil von Entscheidungsträgerinnen - damit die Zahl nicht stagniert, muss an mehreren Schrauben gedreht werden.

Von Elisabeth Kirchmeir

Internationaler Frauentag: Harter Weg zu gleicher Chance

© Shutterstock, Alliance Images

„Gerade wenn es darum geht, Rollenbilder aufzubrechen, die der Dreh- und Angelpunkt in vielen Bereichen sind, um Chancengleichheit für Frauen und Mädchen zu erreichen, ist der Weg sehr mühsam und steinig“, stellt Landeshauptmann-Stellvertreterin Astrid Eisenkopf fest. Sie ist in der Landesregierung für Frauenfragen zuständig.

Als Frauen müssen wir auch zukünftig Ausdauer und Willenskraft beweisen, wenn es um die Einforderung unserer Rechte geht. Landeshauptmann-Stellvertreterin Astrid Eisenkopf.

Man habe schon viel erreicht, es gebe aber auch noch viel zu tun, weil viele Forderungen, die von den Frauen in den letzten Jahrzehnten gestellt wurden, noch nicht erfüllt seien.

„Aus diesem Grund müssen wir auch in Zukunft „laut“ sein und für die Rechte der Frauen eintreten“, gibt die Landeshauptmann-Stellvertreterin den Ton an. Ihre Aufgabe als Frauenpolitikerin sei es, dafür die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen.

Dass Frauen im Burgenland immer noch 15,8 Prozent oder 8.782 Euro weniger im Jahr verdienen als Männer, ist eine traurige Tatsache. Der Equal Pay Day, also jener Tag, ab dem Frauen statistisch gesehen gratis arbeiten, fiel 2023 österreichweit auf den 31. Oktober. „Im Burgenland standen wir mit dem 4. November minimal besser da“, sagt die Landeshauptmann-Stellvertreterin.

Internationaler Frauentag: Harter Weg zu gleicher Chance

© Grafik: BVZ

Matura: 209 Schülerinnen mehr als Schüler

An der Bildung kann es nicht liegen: 864 Schülerinnen maturierten 2021 (aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor) an einer der höheren Schulen im Burgenland, die Zahl der Maturanten lag bei 655.

Auch bei den Unternehmensgründungen sind die Frauen im Burgenland auf Rekordkurs: 48,9 Prozent der Einzelunternehmen im Burgenland wurden 2023 von Frauen gegründet. In den Sparten „Gewerbe und Handwerk“, „Handel“ und „Tourismus und Freizeitwirtschaft“ hatten die Grün- derinnen die Nase vorn. Nur die Sparten „Transport und Verkehr“ und „Information und Consulting“ waren männerdominiert.

Dennoch sind Frauen in vielen Bereichen nach wie vor unterrepräsentiert. In nur 17 von 171 Gemeinden sitzt eine Frau im Bürgermeisterinnen-Sessel, in nur zwei von sechs burgenländischen Interessenvertretungen sind die Funktionen im Präsidium gleich auf Frauen und Männer verteilt.

Landtag: Nicht einmal ein Drittel Frauen

Im Burgenländischen Landtag stieg die Zahl der weiblichen Abgeordneten, erreicht aber nach wie vor nicht einmal ein Drittel. Lag der Anteil der Frauen im Landtag 1991 noch bei beschämenden 8,33 Prozent, so konnte bei der letzten Landtagswahl die 30-Prozent-Hürde knapp übersprungen werden. Durch das Ausscheiden von Ilse Benkö (FPÖ) sank der Anteil aber wieder auf 27,78 Prozent, was zehn Frauen entspricht.

175 Frauen sind in den Unternehmen der Landesholding Burgenland in Führungspositionen beschäftigt. So wurde kürzlich Melanie Piskernik zur neuen Geschäftsführerin der „SOWO – So wohnt Burgenland GmbH“ bestellt. Manuela Klawatsch ist als operative Geschäftsführerin der Golf- und Thermenresort Stegersbach GmbH tätig.

„Den größten Anteil an weiblichen Führungskräften verzeichnen die Sozialen Dienste Burgenland, die Gästehäuser und Küche Burgenland und die Forschung Burgenland“, gibt Konzernsprecher Christian Uchann bekannt.

Ein umfassendes Bild der Situation der Frauen zeichnet der zuletzt 2021 veröffentlichte Frauenbericht. Noch vor dem Sommer 2024 soll der nächste Frauenbericht publiziert werden, heißt es aus dem Büro der Landeshauptmann-Stellvertreterin. Neben den Dauerbrennern wie Kinderbetreuung und Einkommen wird ein Fokus auf die Themen „Teuerung und Inflation“ und „Frauen und Medien“ gelegt.

Bei der Kinderbetreuung, für viele Frauen die entscheidende Voraussetzung für beruflichen Erfolg, gibt es nach wie vor Aufholbedarf. Zwar ist seit November 2019 der Besuch von Kindergarten und Kinderkrippe im Burgenland gratis, Verbesserung ist aber vielerorts bei den Öffnungszeiten gefragt.

Der Vereinbarkeitsindikator „Familie & Beruf“ (VIF) sieht vor, dass eine Kinderbetreuungseinrichtung mindestens 47 Wochen im Jahr, 45 Stunden wöchentlich geöffnet hat und ein Mittagessen anbietet. Im Burgenland befanden sich im Zeitraum 2022/2023 aber nur 1.043 von 2.744 bis zu zweijährigen Kindern und nur 1.744 von 7.598 Drei- bis Fünfjährigen in VIF-konformer Betreuung.

Erfreulich ist jedenfalls, dass heuer das Frauenbudget aufgestockt wurde: 530.000 Euro stehen für Frauenangelegenheiten zur Verfügung, das sind um 70.000 Euro mehr als 2023. „Zusätzliche Gelder sind vor allem für Maßnahmen im Bereich des Gewaltschutzes vorgesehen“, heißt es aus dem Frauenreferat.

Stimmen zum Internationalen Frauentag

Internationaler Frauentag: Harter Weg zu gleicher Chance

© WK Burgenland

Petra Schumich, Landesvorsitzende Frau in der Wirtschaft:„Jede Frau hat persönliche Stärken. Wenn sie diese mit ihren persönlichen Zielen in Verbindung bringt, kann Gewaltiges entstehen. Man kann nicht oft genug betonen, was Burgenlands Frauen leisten: Sie sind top ausgebildet, stehen voll in der Arbeitswelt und meistern den Spagat zwischen Job und Familie.

Hier muss etwas weitergehen: einerseits beim Aufbrechen verkrusteter Rollenbilder, andererseits mit konkreten Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit! Wir brauchen einen quantitativen und qualitativen Ausbau der Kinderbetreuung, ebenso wie eine Ausweitung der Öffnungszeiten, die an die Arbeitsrealität berufstätiger Eltern angepasst ist.“

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© Mili Badic

Silvia Heinrich, Winzerin in Deutschkreutz: „Die Schaffung von Mentoring-Programmen und Netzwerken kann Frauen unterstützen, Berufserfahrungen auszutauschen, sich gegenseitig zu fördern und Zugang zu beruflichen Möglichkeiten zu verbessern. Gesellschaftliche Wertschätzung für die unbezahlte Arbeit, die von Frauen in der Kindererziehung und Pflege geleistet wird, kann dazu beitragen, den Wert dieser Beiträge anzuerkennen.

Wichtig ist der Glaube an sich selbst und seine Fähigkeiten. Ich selbst hatte große Herausforderungen zu überwinden, und manchmal hatte ich das Gefühl, dass man bei einer Winzerin doppelt so genau schaut. Als Winzerin ist es wichtig, nicht nur das Handwerk zu beherrschen, sondern auch unternehmerisch zu denken. Hier half mir meine Ausbildung in der HAK und meine Tätigkeit bei Reuters in Wien.“