Bontus im großen Interview: „Ich bin immer noch derselbe Vali“

BVZ-Martini/Sport

Valentin Bontus, Olympiasieger in der Formula Kite und Gewinner des BVZ-Martini, spricht über seinen Erfolg und die Folgen. Auch dabei gilt die Devise: cool down.

Von Von Bernhard Fenz

BVZ-Martinipreisträger 2024. Valentin Bontus wurde Österreichs Sportler des Jahres, im Rahmen des diesjährigen BVZ-Martinipreises kürze eine große Fachjury den 23-Jährigen zum Sieger in der Kategorie Sport.

BVZ-Martinipreisträger 2024. Valentin Bontus wurde Österreichs Sportler des Jahres, im Rahmen des diesjährigen BVZ-Martinipreises kürze eine große Fachjury den 23-Jährigen zum Sieger in der Kategorie Sport.

© Martin Ivansich

Was fährt ein Olympiasieger so? Valentin Bontus kommt nicht im fetten Schlitten zur BVZ-Martini-Preisübergabe beim Heurigen Jezek im heimischen Perchtoldsdorf, sondern parkt im kleinen, unscheinbaren Automobil ein. Es ist Ende Oktober, er ist gerade auf Heimatbesuch, an sich lebt er ja mit seiner Freundin Martina derzeit in Garmisch Partenkirchen. Lässig, sympathisch und entspannt gibt sich Österreichs frischgebackener Sportler des Jahres, der am Abend wieder auf einer Gala zu Gast sein wird, bevor es ein paar Tage später zum Trainingslager nach Sardinien geht.

Davor gibt es noch ein echtes Heimspiel bei der BVZ-Martini-Übergabe – in der Gegend, wo „Vali“, wie er genannt wird, aufgewachsen ist. Und es ist nicht nur das Cornflakes Schnitzel, das Bontus' gute Laune dabei hoch hält. Man wird das Gefühl nicht los, dass der 23-jährige Formula Kite-Olympiasieger mit dem riesigen Erfolg sowie der neu gewonnenen Popularität umgehen kann. Weil er scheinbar authentisch geblieben ist.

Bontus im großen Interview: „Ich bin immer noch derselbe Vali“

© Martin Ivansich

Lediglich kleinere sichtbare Details sind bei ihm anders als davor, etwa die größere Anzahl an (dezenten) Tattoos. Zu den bereits vorhandenen Sternzeichen der Familie hat sich die kleine römische Zahl 41 gesellt. „Ich habe am 9.8.24 die Olympischen Spiele gewonnen – 9+8+24 ergibt 41. Dann habe ich auch noch das Segelzeichen der Olympischen Spiele tätowiert. Ringe wollte ich keine machen, die hat eh jeder.“ Ein gewisser Hang zum Understatement ist erkennbar, und doch fällt Valentin Bontus auf – ganz so, wie mit seinem weißen Skianzug bei den Spielen.

Bontus im großen Interview: „Ich bin immer noch derselbe Vali“

© World Sailing / Lloyd Images, World Sailing / Lloyd Images

Der Olympiasieg in der Formula Kite war ganz speziell, der Trubel rund um Ihre Person danach auch. Gibt's ein „zu viel“?

Valentin Bontus: Generell selektieren wir die Termine so, dass es insgesamt gut passt. Auffallend ist, dass ich mich teilweise gar nicht an alles erinnere. Beispiel Sporthilfe-Gala (Anm.: Bontus wurde da als Österreichs Sportler des Jahres ausgezeichnet): Da prasseln so viele Eindrücke rein, dass eine Reizüberflutung entsteht und man gar nicht alles aufnehmen kann.

Haben Sie erwartet, so stark im Fokus der Sportöffentlichkeit zu stehen?

Bontus: Direkt nach dem Olympiasieg war volles Programm, das habe ich so nicht erwartet: Alleine der Empfang am Flughafen war komplett irre.

Sie haben mittlerweile mit Stephan Schwabl einen Medienberater für sämtliche Termine und Ihren öffentlichen Auftritt. Wie wichtig ist Planung?

Bontus: Wir haben beispielsweise rund um das Traunsee-Event Anfang September – meinem ersten sportlichen Auftritt nach den Olympischen Spielen – viele Termine gesetzt. Ich wusste, dass es anstrengend wird, und so war es dann auch. Es war aber genauso, wie ich es mir vorgestellt habe und wie ich es auch wollte - ein paar Tage extrem, dann wieder weniger.

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© Martin Ivansich

Sportler feiern große Erfolge, stehen im Rampenlicht, geraten aber dann vielleicht wieder in Vergessenheit. Ein emotionales Auf und Ab droht. Verändern solche Highlights?

Bontus: Wenn man der Typ dafür ist und sich im richtigen Zeitfenster etabliert, um eben nicht so schnell in Vergessenheit zu geraten, dann verändert sich das Leben auch – aber so, dass es gut ist. Dass sich generell wieder alles setzt und ruhiger wird, macht dennoch Sinn. So, wie es für mich die letzten Wochen war, wäre das auf Dauer nicht möglich – und das ist auch gut so, denn es kommen dann ja wieder andere Sportarten, bei denen man selbst wieder mitfiebert.

Wie bewerten Sie für sich dieses Zeitfenster, nun eben öffentlich bekannt zu sein?

Bontus: Ich bin mir ziemlich sicher, dank einem sehr guten Team hinter mir und meiner Person, dass wir es managen, um dieses Zeitfenster für etwas längere Zeit offen zu halten.

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© Martin Ivansich

Haben Sie mit dem Olympiasieg die bislang beste Zeit Ihres Lebens erlebt?

Bontus: Es war sicher die ereignisreichste und auch spannendste Zeit meines Lebens, weil ich nicht gewusst habe, was auf mich zukommt. Wir sind davon ausgegangen, dass wir bei den Spielen sportlich ein gutes Resultat erzielen können. Dass wir Gold holen können, haben wir davor nicht kommuniziert. Was dann alles gekommen ist, war extrem spannend, aufregend und daher sehr schön.

Sind Sie durch die Goldmedaille ein glücklicherer Mensch?

Bontus: Es ist mir nie um die Medaille oder den Preis gegangen, sondern immer um den Weg dahin. Dass der jetzt noch schöner geworden ist, braucht man nicht verneinen, aber der Weg ist mein eigentliches Hauptthema.

Bei dem besagten Weg sind Sie mittlerweile privilegiert, tatsächlich auch als Profi auftreten zu dürfen.

Bontus: Ganz sicher ist es ein Privileg, dass ich als Österreicher in einem Sport, mit dem ich begonnen habe, weil ich ihn liebe und nicht, weil ich damit Geld machen will, jetzt soweit bin, dass ich daraus meinen Job machen kann. Das ist das Beste, was mir je passieren konnte.

Wie schwer ist der Weg, der ja mit viel Aufwand verbunden ist? Schon alleine für die Zeit, in der man unterwegs ist, muss man der Typ sein.

Bontus: Man ist viel weg von zu Hause. In einer regulären Segelkampagne ist man nicht 50 Tage im Jahr unterwegs und fliegt immer dort hin, wo man will, sondern man ist 200 Tage unterwegs und das nicht immer nur an Orten, wo es sonnig und leiwand ist. Die gesamte Logistik dahinter ist auch mega. All das mache ich aber gerne, weil die schönen Momente in dem Sport und in diesem Job einfach überwiegen.

Haben Sie sich als Mensch verändert?

Bontus: Gar nicht, ich bin immer noch derselbe Vali wie vor den Spielen. Dass mich mehr Leute jetzt kennen, ist schön und gut, aber das tut nichts zur Sache. Ich gehe jetzt nicht irgendwohin und sage: 'Das bekomme ich nicht gratis? Ich bin ja der Olympiasieger!'

Wie sehr haben Sie mit dem Erfolg Ihrer Sportart geholfen?

Bontus: Bezüglich Formula Kite wird man erst sehen, was sich dadurch getan hat. Für den Kitesport generell war die mediale Präsenz und das Auftreten vor so einer Bühne cool. Dass ich da oben dann dabei sein und das quasi anführen darf, bedeutet mir selbst extrem viel, weil ich mit diesem Sport viele Emotionen verbinde. In Österreich hoffe ich, dass Kiten im ganzen Sportbild bekannter wird und die Leute nun damit auch etwas verbinden.

Im Tennis mobilisierten Erfolge wie jene von Thomas Muster in den 90er-Jahren oder zuletzt von Dominic Thiem. Im Segeln gab es nun zweimal Gold, einmal durch Lara Vadlau/Lukas Mähr im 470er und eben Sie in der Formula Kite. Eine Chance?

Bontus: Extrem wichtig ist für mich, dass unser Sport der Jugend nähergebracht wird. Das normale Kiten kann jeder lernen – das gilt generell für die foil-bezogenen Sportarten und ist natürlich auch ein Teil des Erfolgs. Es gilt so dem Ganzen etwas mehr Präsenz geben.

Die Präsenz Ihrer Sportart hat sich jedenfalls gesteigert, das ist deutlich spürbar.

Bontus: Was ich verrückt finde: Die Sportler, denen ich in den letzten Jahren zugeschaut habe und bei denen ich Nerven verloren habe – etwa Manuel Feller, Dominic Thiem, David Alaba – mit denen kommt man nun in Kontakt, und zwar auf einer ganz anderen Ebene. Die kommen dann bei einer Gala auf mich zu und gratulieren. Da denkt man schon, krass, die haben das auch registriert und gesehen. Man merkt einfach, was dieser ganze Olympiaspaß für Ausmaße hat.

Athleten anderer Sportarten registrieren Kiten mittlerweile. Wie interessiert sind Sie eigentlich an der Sportwelt?

Bontus: Ich schau jede Sportart gerne an und bin da generell sehr begeistert – Beispiel Formel 1, Radsport, Eishockey und Fußball, beides habe ich früher selbst gespielt, auch Tennis verfolge ich extrem gerne.

Wäre aus Ihnen ohne dem Kiten ein anderer Profi geworden?

Bontus: Ich wüsste nicht, welche Sportart ich professionell begonnen hätte. Als kleines Kind habe ich Fußball gespielt, so wie alle in der Schule, später ein bisschen Tennis und Eishockey. Bald habe ich aber gemerkt, dass ich nicht der typische Teamsportler bin, weil ich mich nicht gerne auf andere verlasse.

Kiten war also dann der logische Schritt?

Bontus: Ich habe erst viel Tennis gespielt, hatte aber nie den Biss, Profi zu werden. Kiten ist immer daneben gelaufen – und als ich gemerkt habe, dass ich da Talent und ein gutes Gefühl habe, habe ich das einfach lieber gemacht.

Dabei kommt dann wohl Podersdorf ins Spiel, wo Ihre Familie auch eine Kabane hatte?

Bontus: Mein Vater hat am Neusiedler See Kiten gelernt, dann waren wir viel in Podersdorf und hatten hier eine große Community. Ich selbst habe das Kiten aus Sicherheitsgründen nicht dort gelernt, sondern erst im Ausland: Ägypten, Italien, Spanien, Griechenland, wo auch immer. Als ich es konnte, habe ich auch deshalb richtig viel Zeit im Burgenland verbracht.

Sie fahren ja offiziell für den Yachtclub Podersdorf.

Bontus: Wenn man ein Segler wird, muss man bei einem Yachtclub Mitglied sein. Da ich schon davor in Podersdorf war, bin ich dann auch weiter für Podersdorf gefahren. Ich fühle mich dorthin einfach verbunden und habe deshalb auch nie daran gedacht, irgendwo anders hin zu wechseln.

Die Verbundenheit ins Burgenland ist also groß?

Bontus: Ich habe wirklich viel Zeit in Podersdorf verbracht. Seit ich 17 war, als ich den Führerschein gemacht habe, bin ich ständig zum Neusiedler See gefahren – natürlich zum Kiten, aber dann auch zum Feiern im Martinskeller. Das war schon für mich immer ein bisschen wie in den Urlaub fahren, aber es hat mir auch gleichzeitig ein Heimatgefühl gegeben – es war immer eine Art heimkommen.

Was wünschen Sie sich sportlich für die Zukunft?

Bontus: Ich würde gerne alles gleich machen, wie ich es bis jetzt gemacht habe. Der Rest des heurigen Jahres wird noch eher gemütlich. Klar wird trainiert, aber nicht mit der Intensität. Nächstes Jahr steht dann hoffentlich wieder ein erfolgreiches Jahr an.

Die Olympia-Kampagne für Los Angeles 2028 läuft also?

Bontus: Ja, die ist mehr oder weniger schon losgegangen. Es gibt neues Material, wieder wird es ein bisschen schneller. Aber irgendwann reicht es dann, denn dann wird es wirklich hart, wenn du ins Wasser fällst.

Wie sieht es diesbezüglich mit der Sicherheit aus?

Bontus: Ich trage Neopren, darüber eine Prallweste, einen Helm und mein Trapez. Die Prallweste muss für 50 Newton Aufschlagskraft getestet sein, damit man sich im Fall des Sturzes nicht alle Rippen zerreisst. Generell ist in der Formula Kite bislang zum Glück noch nichts Gravierendes passiert. Wir fahren ja, wenn man so will, mit Messern unter Wasser.

Haben Sie dennoch Erfahrungen mit schweren Unfällen?

Bontus: Zum Glück noch nicht. Einzig in Mexiko bin ich im Vorjahr so gestürzt, dass ich drei Tage lang nur liegen und außer Physio nichts machen konnte. Als ich wieder am Wasser war, hab' ich mich die erste halbe Stunde herangetastet, wie es geht. Irgendwann drehst du aber dann das Hirn wieder ab.