Vier Jahre Trainer: Franz Lederer ist der Rekordler in der Schleudersitz-Liga

Cheftrainer im Check

Fast 50 Prozent der Vereine der Burgenlandliga haben in der abgelaufenen Saison den Trainer zumindest einmal gewechselt, sieben von 16 Vereinen. Dabei waren die Coaches in den 30 Spielen von 0 (Siegendorf) bis 26 Spiele (Oberpullendorf) auf der Bank.

Von Günther Pavlovics

In der Burgenlandliga ist St. Margarethens Franz Lederer aktuell der längstdienendste Chefcoach.

In der Burgenlandliga ist St. Margarethens Franz Lederer aktuell der längstdienendste Chefcoach.

© Martin Ivansich

Langzeitcoach Franz Lederer geht in sein erst fünftes Jahr bei einem Klub in der Burgenlandliga und ist damit Rekordhalter. Andere Trainer wie Peter Herglotz bei Halbturn, Michael Horvath bei der SPG Edelserpentin und Özgür Nurlu bei Aufsteiger Rust sind schon länger als Lederer beim Klub, aber noch nicht so lange in der Burgenlandliga, weil sie aufgestiegen sind.

Herglotz und Horvath gehen in ihre vierte Saison und liegen auf Platz zwei der Burgenlandliga-Dinos - zusammen mit Mario Santner. „Und was fällt auf bei den Trainern? Sie sind durchaus ältere Semester und erfahren. Sie sind keine typischen Laptoptrainer, sondern Feldtrainer. Auch im Profibereich sind die älteren Trainer belächelt worden, da haben eine Zeit lang auch nur die Jungen gezählt", sagt Mario Santner.

Vier Jahre Trainer: Franz Lederer ist der Rekordler in der Schleudersitz-Liga

© Martin Ivansich

Der Leithaprodersdorfer Trainer wurde dieser Tage 46, Horvath ist eineinhalb Jahre jünger. Herglotz ist mit 64 der Senior der Liga, Lederer ist zwei Jahre jünger. „Vielleicht gehört es auch ein bisschen zum Zeitgeist, dass man nicht mehr so geduldig ist", sagt Franz Lederer. „Aber bei St. Margarethen wird viel Wert auf Kontinuität gelegt, das zeigen auch Spieler wie Igor Bosnjak oder Thomas Jusits, die schon lange dabei sind."

In St. Margarethen hält man nicht viel von Schnellschüssen, sogar wenn es nicht so gut läuft wie in diesem Frühjahr. Obmann Andreas Schuster sagt: „Wenn uns kurzfristig Spieler verlassen und andere sich verletzten, kann man von einem Trainer nicht erwarten, dass er die ursprünglichen Ziele erreichen muss."

Vier Jahre Trainer: Franz Lederer ist der Rekordler in der Schleudersitz-Liga

© Günther Pavlovics

Schuster ist zusammen mit Günter Welz und Johannes Braunöder seit vier Jahren Obmann. „Wenn man es so sehen will, dann gibt es in meiner Zeit als Obmann erst einen Trainer." Der heißt Franz Lederer und sagt über seinen Arbeitsplatz: „Hier suchen Vereinsverantwortliche, Trainer und Spieler einen gemeinsamen Weg, auch wenn es holprig wird." Denn auch die Spieler müssen mitgenommen werden, die Mannschaft richtig zusammengestellt werden, was auch Menschenkenntnis erfordert.

„Unser Trainer war ein bisschen überrascht, dass er nicht gehen musste“

Vier Jahre Trainer: Franz Lederer ist der Rekordler in der Schleudersitz-Liga

© Martin Ivansich

Auch beim SK Pama widersetzte man sich den angeblichen Gesetzen des Fußballs. Dort stand man in der Winterpause auf einem Abstiegsplatz. „Unser Trainer war ein bisschen überrascht, dass nicht er gehen musste", sagt Obmann Dieter Steiner. Bei Pama trennte man sich aus sportlichen und menschlichen Gründen von Spielern, nicht aber vom 57-jährigen Ungarn Zoltan Fekete, der in Zusammenarbeit mit arrivierten Spielern wie Daniel Toth und David Pototschnig sein System dann auch änderte und an den Kader anpasste. Fekete hatte Pama 2024 zum Aufstieg geführt, danach den Klub verlassen und war im Sommer 2025 wieder geholt worden. „Wenn die Spieler nicht mitziehen, hast du keine Chance. Ein Trainer kann nie die Gruppe schlagen", sagt Franz Lederer.

Einen Trainer zu wechseln ist nicht nur einfacher, als eine Mannschaft zu wechseln. Man kann es auch jeden Tag, man braucht auf kein Transferfenster zu warten wie bei den Spielern, das sich nur zwei Mal im Jahr auftut.

Vier Jahre Trainer: Franz Lederer ist der Rekordler in der Schleudersitz-Liga

© Strodl

Aber bringt ein Trainerwechsel auch etwas? Es gibt etliche Untersuchungen zum Trainereffekt. Die meisten Ergebnisse zeigen, dass es den Effekt kurzfristig gibt, er aber bald wieder verpufft. Nicht so leicht, wenn die fußballerische Qualität im Kader vorhanden ist. Deshalb sind auch die Trainerwechsel bei Deutschkreutz und Bad Sauerbrunn erfolgreich gewesen. Dort war die Gruppe stärker als die Trainer.

Attila Dunavecki verließ Absteiger Siegendorf noch vor dem ersten Spiel, weshalb im Herbst der (mittlerweile verstorbene) Sportliche Leiter Karl Terdy auch Trainer war und im Winter Dominik Wydra als seinen Nachfolger holte. Dennoch konnte der Abstieg nicht abgewendet werden.

Bei Jennersdorf ging vor Beginn der Saison Patrick Mikovits, der den Aufsteiger in der Liga gehalten hatte. Nachfolger Johannes Posch holte in neun Spielen nur zwei Punkte, danach übernahm der verdiente Betreuer Helmut Puntigam. In der Winterpause kam Sandor Preisinger samt etlichen neuen Spieler. Dennoch stieg man ab.

Horitschon: Sechs Trainer in 18 Monaten

Vier Jahre Trainer: Franz Lederer ist der Rekordler in der Schleudersitz-Liga

© Strodl

Auch bei Horitschon brachten die Trainerwechsel keine Erfolge. Erst musste im September Dominik Schiefer gehen, dann wechselte Christoph Tischler in der Winterpause nach nur acht Spielen zu Neudorf. Nach Ende der Saison trennte man sich auch vom 32-jährigen Luca Wirtitsch. Er und Dominik Wydra waren die jüngsten Trainer der abgelaufenen Saison, die beiden in den Abstiegskampf gestoßen worden sind.

Horitschon war im November 2024 der letzte Verein, der seinen Trainer in eine höhere Liga verloren hat. Edi Stössl wurde von Ostligist Gloggnitz verpflichtet. In den 18 Monaten danach waren sechs Cheftrainer am Werk.

Im Süden wechselte mit Jennersdorf nur ein Klub den Trainer, im Oberpullendorfer Bezirk waren es gleich alle drei Vereine, die neue Coaches holten. Nimmt man die Gruppe Mitte her, gab es bei vier von fünf Vereinen (außer Aufsteiger und Meister Mattersburg) Trainerwechsel.

Im Norden waren es zwei von sieben Klubs, die einen neuen Betreuer holten. Zwei Aufsteiger trennten sich von ihren Trainern. Bei Neudorf folgte Christoph Tischler auf Wolfgang Fischer. Knapp vor Saisonende trennte sich Oberpullendorf von Christian Staffler, erst für die neue Saison kommt Florian Hotwagner als neuer Coach. Drei Trainer (Herglotz, Horvath und Christoph Herics bei Eberau) sind noch immer nach dem Aufstieg in die Burgenlandliga bei ihren Mannschaften, mit den drei neuen Klubs aus dem Sommer sind es sechs. Dazu kommt noch Heimkehrer Fekete.

Vier Jahre Trainer: Franz Lederer ist der Rekordler in der Schleudersitz-Liga

© Schneeweiß

Die Burgenlandliga-Coaches 2026/2027

Özgür Nurlu (40 Jahre, seit 09/2018 bei Rust) in der Landesliga seit 2026

Peter Herglotz (64 Jahre, seit 09/2020 bei Halbturn) in der Landesliga seit 2023

Michael Horvath (44 Jahre, seit 01/2022 bei Edelserpentin) in der Landesliga seit 2023

Franz Lederer (62 Jahre, seit 07/2022 bei St. Margarethen)

Mario Santner (46 Jahre, seit 07/2023 bei Leithaprodersdorf)

Helmut Plank (43 Jahre, seit 09/2024 bei Kohfidisch)

Thomas Klemenschitz (35 Jahre, seit 10/2024 bei Klingenbach)

Christoph Herics (41 Jahre, seit 07/2024 bei Eberau) in der Landesliga seit 2025

Robert Serdar (56 Jahre, seit 07/2025 bei Lackenbach) in der Landesliga seit 2026

Zoltan Fekete (57 Jahre, seit 07/2025 bei SK Pama)

Benjamin Posch (36 Jahre, seit 09/2025 bei Pinkafeld) in der Landesliga seit 2026

Michael Hartl (36 Jahre, seit 12/2025 bei Deutschkreutz)

Christoph Tischler (48 Jahre, seit 12/2025 bei Neudorf)

Christoph Stifter (41 Jahre, seit 03/2026 bei Bad Sauerbrunn)

Florian Hotwagner (36 Jahre, seit 06/2026 bei Oberpullendorf)

Günther Wally (56 Jahre, seit 06/2026 bei Neusiedl)