Wenn „Totti“ was zu sagen hat: Routinier im Gespräch

Daniel Toth bei Pama

Daniel Toth ist 37 Jahre jung und noch immer nicht müde. Der in Weiden lebende Neusiedler hat eine lange Karriere als Profi in der Bundesliga hinter sich und wird im Frühjahr in der Burgenlandliga beim SK Pama spielen. Ein Gespräch über Fußball, Familie und seine plötzliche Gesundung. Daniel Toth über...

Von Von Günther Pavlovics

Daniel Toth wird im Frühjahr 2025 für den SK Pama auflaufen. Bis zum Herbst war der gebürtige Neusiedler bei seinem Stammklub. Nun folgt ein neues sportliches Kapitel. Davor plauderte der 37-jährige noch ausführlich aus dem Nähkästchen.

Daniel Toth wird im Frühjahr 2025 für den SK Pama auflaufen. Bis zum Herbst war der gebürtige Neusiedler bei seinem Stammklub. Nun folgt ein neues sportliches Kapitel. Davor plauderte der 37-jährige noch ausführlich aus dem Nähkästchen.

© Martin Ivansich

… seinen besten Gegenspieler: Da gibt es nicht nur einen. Salzburg mit seinen Stars wird mir immer in Erinnerung bleiben. Wir haben Stefan Zwierschitz immer alles Gute gewünscht, wenn er gegen Sadio Mane spielen musste. Ich habe es oft mit Naby Keita zu tun bekommen, der später ja nicht umsonst nach Liverpool gekommen ist. Gegen Patrick Jezek hätte ich nicht spielen wollen, der war mein Mitspieler und ist mir im Training immer auf die Nerven gegangen, rein fußballerisch.

… seine Mittel gegen die Topspieler:Alle Tricks, die ich mir abgeschaut habe oder die mir beigebracht worden sind, unter anderen von Winnertypen wie Didi Kühbauer. Da war dann schon das ein oder andere Mittel an der Grenze des Erlaubten dabei.

... sein Image als ruhiger Zeitgenosse:Das bin ich ja auch privat. Aber Fußball war mein Beruf, zu dem absoluter Siegeswille dazugehört. Und ich habe meinen Beruf immer sehr ernst genommen.

… Ja-Sager: Das war ich nie. Toni Polster hatte die Idee, mich als eher weniger sprintstarken Spieler auf der linken Außenbahn aufzustellen. Ich hab ihm gesagt, dass ich das nicht einmal im Nachwuchs gespielt habe und dort auch nicht spielen werde. Dann hat er bei der Mannschaftsbesprechung gesagt: „Wenn ein Spieler etwas nicht spielen will oder kann, dann spielt er gar nicht. Gell Totti“. Ich muss aber dazu sagen, dass ich den Toni sehr schätze und extrem respektiere. Aus heutiger Sicht hatte er es damals einfach gut gemeint und die Idee, mich unbedingt spielen lassen zu wollen, da uns Linksverteidiger fehlten. Wir umarmen uns heute, wenn wir uns begegnen. Er ist da nicht nachtragend, einfach ein leiwander Typ.

… über den besten Mitspieler: Da hat es natürlich viele gegeben, wie Patrick Jezek. Aber auch Morten Hjulmand war so einer. Der war erst 19, als er bei uns war, eine richtige Maschine, der 13 Kilometer und mehr heruntergespult hat. Er ist jetzt erst 25, war aber schon in Italien Kapitän und jetzt bei Sporting Lissabon.

… über die besten österreichischen Mitspieler: Herwig Drechsel, Oliver Glasner, Andreas Ulmer, Stefan Schwab, Philipp Hosiner. Stefan Posch, Sasa Kalajdzic, Emanuel Aiwu, Marcel Sabitzer, und und und. Da waren schon einige dabei, die auch international eine tolle Karriere gemacht haben. Marcel Sabitzer war ja noch ganz jung, hat aber rotzfrech gespielt und sich nichts gepfiffen.

… über Mitspieler Oliver Glasner:Der hat mir als junger Spieler geholfen, als ich damals bei Ried unter Paul Gludovatz meine schwerste Zeit unter einem Trainer hatte. Oliver hat gemeint, dass ich mich nicht unterkriegen lassen soll, dass mich das nur härter macht. Dass er als Trainer so erfolgreich ist, freut mich sehr. Ich habe ihm zum Sieg in der Europa League gratuliert und ihn im Winter zufällig beim Skifahren getroffen.

… über Mitspieler Andreas Schicker:Er spielte in meiner Anfangszeit bei der Admira eine entscheidende Rolle, sodass ich mich sofort einleben konnte. Wir sind ja ungefähr gleich alt, unternahmen auch außerhalb des Platzes viel miteinander. Er hat sich schon damals mit Fußball außerhalb des Trainings befasst. Deswegen freut mich auch sein Wechsel als Manager zu Hoffenheim ganz besonders.

... über Freunde im Fußball:Da gibt es viele. Früher in der Sommerpause haben mein Bruder Marcel und ich jährlich anlässlich unseres Geburtstages im Garten meiner Eltern gegrillt und gekickt. Da waren immer viele unserer Spielerkollegen dabei wie Hosiner, Sabitzer, Schwab. Wir waren mit vollem Ernst dabei, haben den Rasen aufgespritzt, damit man besser rutschen kann. Jetzt wird nur noch mit den Kindern im Garten gekickt. Aber am Samstag vor Weihnachten spielen wir jährlich in der Halle der Neusiedler Hauptschule. Dann stellen wir eine Box auf und spenden für einen guten Zweck.

... über Familie und Fußball:Meine Söhne sind sieben und fünf. Meine Frau und ich wollen sie nicht aufs Fußballgleis drängen. Aber der Große ist begeisterter Kicker und hat den Kleinen auch schon angesteckt. Die aktive Karriere meines Vaters kenne ich nur aus Erzählungen. Unter ihm als Trainer habe ich nur kurz im Neusiedler Nachwuchs gespielt. Als BNZ U15-Trainer hat er mich damals nicht ins Team einberufen. Ich war ihm körperlich noch nicht reif, also war ich nur auf Abruf. Wie auch ein gewisser Christopher Trimmel. Das hat mich damals auch geprägt und mir gezeigt, dass er mich nie bevorzugt hat und er die Dinge ehrlich bewertet hat. Er hat mir immer mitgegeben, dass man sich im Leben alles hart erarbeiten muss und einem nichts geschenkt wird.

… über einen Gegenspieler als Trainer:Kein Problem. Als Didi Kühbauer bei der Admira zum Profitrainer aufgestiegen ist, war ich ja nicht der Einzige, der gegen ihn gespielt hat. Er hat vor dem ersten Training gesagt, dass alles, was auf dem Platz war, in eine Lade kommt, die zugemacht wird. Da waren einige spannende Duelle dabei, vor allem sein unbedingter Siegeswille hat mir imponiert. Da konnte man als junger Spieler nur aufsaugen und lernen.

… über gute Trainer: Es gibt einige, deren Persönlichkeit und deren Weg zum Erfolg mich beeindruckt haben. Da war Didi Kühbauer dabei, aber auch Oliver Lederer und Damir Buric. Buric zum Beispiel war ein Sir und ein Arbeiter, der extrem intensiv trainieren ließ. Eines hatten sie alle gemeinsam, sie haben sich immer vor die Mannschaft gestellt und uns Spielern den Rücken freigehalten. Für solche Trainer läufst du automatisch und gehst für sie durchs Feuer.

… über schlechte Trainer: Da will ich nicht viel sagen. Paul Gludovatz zum Beispiel wollte mich nicht und ist dazu auch gestanden. Das war okay. Olli Glasner hat gemeint, ich soll es positiv sehen, dass der Trainer vor der Mannschaft zugegeben hat, dass er mit mir offensichtlich ein Problem hat.

… über Lerneffekte durch Trainer: Wenn du gehen musst oder ein Trainer gehen muss, hilft es nicht zu trauern oder sofort einen Vorteil daraus zu sehen. Da sollte man sich als Spieler hinterfragen und selbstkritisch genug sein, was man gut gemacht hat oder nicht so gut gemacht hat. Viele Spieler sehen immer in anderen die Schuld. Das sehe ich allgemein auch als generelles Problem in der heutigen Gesellschaft. Es rennt nicht immer alles, so wie du willst. Du musst aber weiter hart arbeiten, dranbleiben und alles dafür tun.

… über einen Auslandstransfer: Da hat sich nie etwas Interessantes ergeben. Bevor ich zur Admira wechselte, wollte mich Ried in die 2. Bundesliga nach Deutschland verkaufen. Manager Max Hagmayr hat mich dann mal während der Admira-Zeit angerufen, er hätte für mich einen Klub in Italien, in der Serie B. Aber das hat mich nicht interessiert.

… über einen Manager:Ich war zu meiner Profizeit fast der einzige Spieler, der keinen Manager hatte. Mehrere Agenturen hatten mich damals kontaktiert, als ich meine ersten Profijahre absolvierte. Meine Vertragsverhandlungen habe ich immer selbst geführt, das war nicht immer einfach. Wenn etwa ein Manager für einen Spieler verhandelte und unterschiedliche finanzielle Vorstellungen hatte, war der Verein im Verhandlungszeitraum auf den Manager sauer und nicht auf den Spieler. Wenn man aber selbst, so wie ich als Spieler, die Verhandlungen geführt hat und man noch keine Einigung erzielt hatte, musste man sich in der Zeit selbst verantworten und somit wurde auf den Spieler Druck ausgeübt. Das musste ich dann im Spiel aus dem Kopf bekommen, damit ich meine Leistung bringen konnte.

...über das Bankkonto nach einer Karriere in der österreichischen Bundesliga. Ich denke, dass kaum ein Spieler, der ausschließlich in Österreichs höchster Spielklasse gespielt hat, ausgesorgt hat und sich für den Rest seines Lebens zurücklehnen kann und nicht mehr arbeiten muss.

… über Mattersburg und Klubchef Martin Pucher: Als ich in Neusiedl in der Ostliga gespielt habe, wollten sie mich für die Zweier-Mannschaft in der Landesliga. Da hatte ich aber das Angebot vom Bundesligaklub Ried, für das ich mich auch entschieden habe. Später gab es dann mal loses Interesse. Vielleicht wollte Pucher aber keinen Toth. Mehr getroffen hat ihn wohl, dass mein Bruder Marcel ein Angebot für die Mattersburger Profis hatte, sich aber für Rapid entschieden hat.

... über die Burgenländer bei Mattersburg: Das war schon ein guter Ansatz, der besonders am Anfang viele Fans ins Pappelstadion gebracht hat. Jetzt sind ja bei Sturm und Salzburg sogar Österreicher eine Minderheit, nicht nur Salzburger und Steirer. Ich kann das nicht nachvollziehen. Ich würde als Klub schauen, so viele Spieler aus der Umgebung zu holen wie möglich. Die Fans wollen sich mit den Spielern identifizieren.

… über Verlust an Identität, sogar im Amateurfußball: Leider. Als ich 2007 Neusiedl verlassen habe, waren wir eine Truppe größtenteils aus Neusiedl und Umgebung. Als ich zurückgekommen bin, hat sich viel geändert. Nicht nur im Kader. Auch bei den Fans habe ich viele Gesichter vermisst, die früher Stammgäste waren. Heutzutage ist es für die Vereine schwieriger geworden, dies umzusetzen.

... über seine Gesundheit:Mein Blutbild war nicht in Ordnung, und es war schon von Knochenmarkbiopsie die Rede. In Wahrheit bin ich pumperlgsund. Das hat sich bei einer Untersuchung in einem Labor herausgestellt. Bei den sieben Blutbildern davor wurde durch den Transport der Hämoglobinwert nach unten gedrückt. Ein Jahr Aufregung und zig Arztbesuche waren umsonst.

Infos zu Daniel Toth

Die Familie

Daniel Toth wurde am 10. Juni 1987 geboren. Er lebt in Weiden am See, ist verheiratet und hat zwei Söhne (7 und 5 Jahre alt). Vater Harald Toth ist 61 und spielte mit Neusiedl/See von 1982 bis 1984 in der Bundesliga, zog sich aber eine schwere Knieverletzung zu und konzentrierte sich aufs Trainerwesen. Daniel ist der älteste Sohn. Bruder Marcel ist zwei Jahre jünger, spielte bei Rapid II, Vienna und Horn. Er kehrte 2023 zu Neusiedl zurück und beendete ein Jahr später seine Karriere. Nesthäkchen Sebastian (21 Jahre jung) hat bei Neusiedl in der Ostliga gespielt und kickt aktuell in der Landesliga bei SK Pama.

Der Fußball

Der 1,73 Meter große Mittelfeldspieler spielte von 2005 bis 2007 in Neusiedl/See, wechselte dann nach Ried. Nach eineinhalb Jahren ging er zur Admira, wo er bis 2020 blieb. Nach einem Jahr bei Stripfing kehrte er nach Neusiedl zurück. Dort löste er im Herbst 2024 seinen Vertrag. Er spielte mehr als 220 Mal in der höchsten österreichischen Spielklasse.