Auf dem Weg zum Radland Nummer 1

Darüber spricht das Land

Radfahren im Burgenland ist populär - vor allem in der Freizeit. Beim Alltagsradeln gibt es noch Aufholbedarf. Mit dem Ausbau vorhandener Verbindungen und neuen Routen sowie mit einer Reihe von Aktion soll die Lust am Radeln verstärkt geweckt werden. Und: Radfahrende wünschen sich auch mehr Sicherheit.

Von Elisabeth Kirchmeir

Auf dem Weg zum Radland Nummer 1

© Burgenland Tourismus

160 Problemstellen in 25 burgenländischen Gemeinden und Städten wurden bereits auf einer Onlinekarte des Verkehrsclubs Österreich (VCÖ) eingetragen. Am häufigsten wurde bislang das Fehlen eines Radwegs beklagt. Mängel bei Radwegen, gefährliche Stellen und zu hohes Tempo des Autoverkehrs sind weitere häufig genannte Problembereiche.

Bis Ende April hat die Bevölkerung noch Gelegenheit, auf Sicherheitsmängel für Radfahrende hinzuweisen. „Dann übermitteln wir die Einträge an die zuständige Gemeinde bzw. Stadt“, informiert Christian Gratzer vom VCÖ.

Die Radlobby Eisenstadt fragte im September 2024 Passanten nach ihren Wünschen zum Radverkehr. 57 Interviews wurden ausgewertet. Radfahrende klagten über PKW-Lenker, die beim Vorbeifahren zu wenig Abstand einhalten, über fehlende Radabstellanlagen und über unsichere Situationen bei Radwegen an Engstellen oder Einbindungen in Kreuzungsbereiche.

In Oberwart war das Radfahren im März 2025 Thema einer ORF-Bürgeranwalt-Sendung. Ein 77-jähriger Alltagsradfahrer aus Oberschützen wies auf Schwachstellen hin, die vor Ort von einem Juristen des Kuratoriums für Verkehrssicherheit begutachtet wurden. Volksanwältin Elisabeth Schwetz sagte, als Radfahrer:in müsse man sich darauf verlassen können, im Straßenverkehr sicher unterwegs zu sein.

Auf dem Weg zum Radland Nummer 1

© Grafik: BVZ, Quelle: Statistik Austria, VCÖ

Sind wir am Weg zum „Radland Nummer 1“, wie vom Land Burgenland angekündigt? „Dafür sind neben der Bewusstseinsbildung bei der Bevölkerung auch der entsprechende Ausbau und die Erneuerung der Infrastruktur notwendig“, heißt es dazu aus dem Büro des zuständigen Landesrates Heinrich Dorner. Das Radfahren soll nicht nur als Freizeit- und Tourismusangebot, sondern auch als klimaschonende und gesundheitsfördernde Alltagsaktivität genützt werden.

Um die Rad-Infrastruktur auf den neuesten Stand zu bringen, investiert das Land in einem Fünf-Jahre-Programm seit 2022 25 Millionen Euro. Im Vorjahr wurden 16 Projekte mit einer Gesamtlänge von 25 Kilometern und Kosten von fünf Millionen Euro realisiert. Verbesserungen gab es etwa hier:

  • Radverbindung zwischen Lockenhaus und einer neuen Park&Ride-Anlage
  • Erster Teilabschnitt einer sicheren Verbindung von Marz in Richtung Sieggraben
  • Lückenschluss der Radwege zwischen Eisenstadt und Trausdorf
  • Errichtung der Fahrbahn vom Gewerbegebiet Pöttelsdorf nach Mattersburg
  • Neue Radbrücke in Rudersdorf
  • Sanierung des Radweges von Mörbisch zum Seebad
  • Radverbindung von Kobersdorf nach Weppersdorf
  • Fahrradstraßen zur Park&Ride-Anlage in Steinberg/Dörfl

Für heuer sind die Anbindung von Wiesen zum Bahnhof, neue Fahrradstraßen in Oberschützen, Großpetersdorf und Rechnitz und Belagssanierungen im gesamten Burgenland geplant.

Auf dem Weg zum Radland Nummer 1

© Burgenland Tourismus

Mit Events soll im Burgenland die Bevölkerung zum Radfahren motiviert werden. An den Terminen zum Los- oder Anradeln haben heuer 30 Gemeinden teilgenommen. Das Land Burgenland fördert 30 Radfahrkurse in Kooperation mit dem ASKÖ. Für die Aktion „Burgenland radelt“ sind bereits 1.300 Personen angemeldet, bis September will man auf 3.500 Teilnehmende kommen.

Die Mobilitätszentrale Burgenland bietet Schulen Programme zum Thema Radfahren an und ruft zur Teilnahme an der Mitmachaktion „Burgenland radelt zur Schule“ auf, die noch bis Mitte Juni läuft. Daneben laden „Burgenland radelt zur Arbeit“, die „Bürgermeister:innen-Challenge“ und das Sommerradeln zur klimafreundlichen Fortbewegung ein. Das Motto lautet: „Jede Radfahrt zählt“.

Man will der Bevölkerung mehr Lust aufs Radfahren machen, zumal das Potenzial für mehr Radverkehr im Burgenland besonders groß ist. Der VCÖ macht darauf aufmerksam, dass vier von zehn Autofahrten kürzer als fünf Kilometer sind. Das sei eine ideale Radfahrdistanz.

Auf dem Weg zum Radland Nummer 1

© Grafik: BVZ, Quelle: Statistik Austria, VCÖ

Das Burgenland gilt hinsichtlich der Unfallstatistik als relativ sicheres Bundesland. Jedoch war im Radverkehr 2023 und 2024 je ein Todesopfer zu beklagen, nachdem 2021 und 2022 keine tödlichen Radunfälle zu verzeichnen gewesen waren. Im Zeitraum von 2021 bis 2023 wurden 183 Radfahrer:innen im Burgenland bei Unfällen schwer verletzt, vier von fünf dieser Unfälle ereigneten sich auf der allgemeinen Straße.

Durch geeignete Verkehrsplanung kann das Radfahren sicherer und leichter gemacht werden, appelliert der VCÖ an die Verantwortlichen. Stößt dieser Appell auf offene Ohren, so ist das Burgenland auf einem guten Weg zum „Radland Nummer 1“.

Radeln mit der BVZ

Bald startet die BVZ wieder ihre Reihe zu den spannendsten Radrouten im Burgenland: Jede Woche wird eine andere Strecke in den Regionen vorgestellt - von der familienfreundlichen Route bis zum Mountainbike-Trail. Mehr dazu demnächst auf BVZ.at

Tipps: Gebote und Verbote zum Thema Radfahren

Auf Gehsteigen und Gehwegen ist das Radfahren verboten. Schieben ist erlaubt.
Fahrräder sind so abzustellen, dass sie nicht umfallen oder den Verkehr behindern können.
Wer ein Kind am Fahrrad mitnimmt, muss mindestens 16 Jahre alt sein. Für Kinder bis acht Jahre muss ein Kindersitz vorhanden sein.
An Kreuzungen darf man als Radfahrer:in an wartenden Fahrzeugen vorbeifahren, um sich weiter vorne aufzustellen.

Das Nebeneinanderfahren ist auf Radwegen, Fahrradstraßen, Wohnstraßen, in Begegnungszonen und in Fußgängerzonen, die fürs Radfahren freigegeben wurden, erlaubt. Auch bei Trainingsfahrten mit Rennfahrrädern ist das Nebeneinanderfahren gestattet.

Kinder ab 12 Jahren dürfen mit dem Fahrrad auf öffentlichen Verkehrsflächen unterwegs sein. Bereits ab 10 Jahren ist das mit behördlicher Bewilligung (Fahrradausweis) möglich.
Kinderfahrräder dürfen auf Gehwegen benützt werden, wenn eine mindestens 16-jährige Aufsichtsperson dabei ist.

Beim Radfahren ist verboten:Freihändig zu fahren oder die Füße während der Fahrt von den Pedalen zu entfernen; sich mit dem Fahrrad an ein anderes Fahrzeug anzuhängen, um sich ziehen zu lassen; während des Radfahrens mit dem Handy in der Hand zu telefonieren; potenziell gefährliche Gegenstände mitzuführenm wie zum Beispiel ungeschützte Sägen oder geöffnete Regenschirme