Blackout: Sind wir vorbereitet?

Darüber spricht das Land

Wie ein Alarmruf wirkte der großflächige Stromausfall auf der iberischen Halbinsel Ende April 2025. Was tun, wenn im Burgenland das Licht ausgeht?

Von elisabeth kirchmeir

Was tun, wenn der Strom für längere Zeit und großflächig ausfällt? Die richtige Vorbereitung zählt.

Was tun, wenn der Strom für längere Zeit und großflächig ausfällt? Die richtige Vorbereitung zählt.

© Shutterstock, Kampan, Kampan

„In vielen Gesprächen bei Vorträgen und Veranstaltungen zeigt sich, dass zwar ein gewisses Bewusstsein da ist, aber die Vorsorge noch nicht umgesetzt wurde“, schildert Herbert Wagner, Präsident des Zivilschutzverbandes Burgenland, die Situation. Oft sei die Frage zu hören: „Wie gehe ich es richtig an?“

Zum Blackout in Spanien und Portugal heißt es von Burgenland Energie und Netz Burgenland, dass dieser keine Auswirkung auf das Burgenland hatte: „Das burgenländische Stromnetz konnte zu jedem Zeitpunkt sicher und zuverlässig weiterbetrieben werden.“ Der Vorfall habe gezeigt, „dass es wichtig ist, den eingeschlagenen Weg in Richtung Energiesicherheit durch den Ausbau der Energieinfrastruktur konsequent fortzusetzen“, so Burgenland Energie CEO Stephan Sharma, der außerdem darauf verwies, dass das burgenländische Stromnetz im europäischen Vergleich eine hohe Versorgungssicherheit aufweise.

Jeder Einzelne ist auf sich gestellt

Steht das Land während eines Stromausfalls still, so ist jeder Einzelne weitgehend auf sich selbst gestellt. „Wir sind es gewohnt, dass wir uns auf Behörden, Verwaltung und Einsatzorganisationen verlassen können“, sagt Herbert Wagner. Das Problem im Blackoutfall sei, dass diese Stellenn nicht wie sonst üblich helfen können.

„Es wird überall gleichzeitig Unterstützung benötigt und diese Kapazitäten kann ein Staat nicht bereitstellen. Manche Organisationen werden selbst massiv damit zu kämpfen haben, handlungsfähig zu bleiben“, erklärt der Experte und ruft zur Eigeninitiative auf: „Am besten wird es im Blackoutfall funktionieren, wenn die Menschen möglichst wenig Hilfe von außen benötigen.“

Seitens des Landes wird auf flächendeckende Planungen zwischen Land, Bezirksen und Gemeinden verwiesen, die immer wieder angepasst werden. Die Bevölkerung werde im Katastrophenfall mittels AT-Alert gewarnt.

Notstromaggregate für die Feuerwehrabschnitte

Um die Notstromversorgung im Land sicherzustellen, wurden 45 Notstromaggregate für die 44 Feuerwehrabschnitte bestellt oder bereits angeschafft. „Zudem wurden 35 mobile 440-Liter-Dieseltankstellen angeschafft, um die Treibstoffversorgung sicherzustellen“, heißt es seitens des Landes.

Hohe Relevanz kommt im Blackoutfall der Polizei zu. „Die wichtigen Standorte der Polizei sollen als resiliente Standorte ihre Kernaufgaben auch bei einem Blackout wahrnehmen können“, lautet die Vorgabe des Innenministeriums. Es gebe Vorkehrungen für die Bereitstellung des Schlüsselpersonals, für die Betriebsmittel, die Kommunikationswege und Abläufe.

Die Treibstoffversorgung der Einsatzfahrzeuge der Polizei werde unter anderem durch notstromversorgte Tankstellen und Bevorratungskonzepte sichergestellt. Die Kommunikationsinfrastruktur, wie etwa der Digitalfunk, sei gegen Stromausfälle abgesichert, sodass im Blackoutfall weiter kommuniziert werden könne.

Schutz von Leib und Leben hat bei Exekutive oberste Priorität

Oberste Priorität komme im Katastrophenfall dem Schutz von Leib und Leben zu, heißt es seitens der Polizei. Dabei werde eng mit den Einsatzleitungen der Katastrophenschutzbehörden auf Gemeindeebene zusammengearbeitet und die Außenpräsenz verstärkt.

Die Justizanstalt Eisenstadt ist mit einem Notstromaggregat ausgestattet, sodass bei einem Blackout die Stromversorgung aufrechterhalten werden kann. „Lebensmittel und Wasservorräte sind ausreichend vorhanden“, informiert die stellvertretende Anstaltsleiterin Klaudia Osztovics. Die Hafträume werden mechanisch verschlossen, sodass für Sicherheit gesorgt ist.

Dienstverpflichtung für Mitarbeitende im Krankenhaus

Im Krankenhaus der barmherzigen Brüder Eisenstadt tritt im Falle eines Blackouts ein Krisenstab zusammen, der die Situation evaluiert und über Maßnahmen entscheidet. „Dazu zählt auch eine Dienstplanverpflichtung für Mitarbeitende“, informiert die Medienstelle des Spitals.

Jeder Mitarbeitende müsse laut Dienstplan arbeiten, sofern dies möglich ist. Bei Schulungen zum Thema Blackout werde auch für die private Vorsorge sensibilisiert, beispielsweise hinsichtlich der Betreuungs- und Versorgungsplichten. „Denn nur wer privat vorgesorgt hat, hat den Kopf für die Arbeit frei“, heißt es seitens des Spitals.

Die Gemeinden im Burgenland sind durch das Katastrophenhilfegesetz verpflichtet, Informationen zu möglichen Krisensituationen in einen Katastrophenschutzplan einzutragen. Maßnahmen vor, während und nach dem Ereignis müssen geplant werden.

Pinkafeld hat vorbildlich vorgesorgt

Auf ihre vorbildliche Blackout-Vorsorge darf die Stadtgemeinde Pinkafeld stolz sein. Einsatzleiter im Katastrophenfall ist Bürgermeister Kurt Maczek, Sitz des Krisenstabs das Feuerwehrhaus, das über eine Notstromversorgung und Kommunikationsmöglichkeiten verfügt. Im Gemeindegebiet sind sieben Meldestellen vorgesehen, die rund um die Uhr besetzt sind und als Anlaufstellen dienen.

„Wir haben das Thema frühzeitig aufgegriffen und dass wir bei den Vorreitern dabei sind, gefällt uns sehr“, sagt Vizebürgermeister Adrian Kubat. Im März besuchten gut 100 Bürger einen Vortrag zum Thema Blackout, auch ein „Notfallkochen“ hat bereits stattgefunden, ein zweiter Termin ist in Vorbereitung.

„Das Thema ist aktuell, so etwas kann passieren. Wichtig ist, dass die Leute mitbekommen: Die Gemeinde lässt uns nicht im Stich“, sagt Adrian Kubat.

Treibende Kraft ist der Feuerwehrkommandant

Treibende Kraft hinter der Blackout-Vorsorge in Pinkafeld ist Feuerwehrkommandant Kurt Tripamer. „Die Pandemie hat uns kalt erwischt, das soll uns nicht noch einmal passieren“, erklärt er, warum man sich seit rund drei Jahren mit dem Krisenthema auseinandersetzt.

Kurt Tripamer eignete sich Fachwissen an, ist mit dem Bevölkerungschutz Burgenland, dem Zivilschutz und dem Land Burgenland im Austausch. Die Katastrophenschutzpläne wurden auf den neuesten Stand gebracht, alle zuständigen Personen an einen Tisch gebracht. „Jetzt laufen Planspiele und Übungen“, berichtet der Feuerwehrhauptmann. „Wir müssen die Bevölkerung wachrütteln und vermitteln, dass es bei einem Blackout auf die individuelle Vorsorge ankommt“, betont er.

Blackout-Broschüre für alle Haushalte

Eine Blackout-Broschüre, die im Vorjahr an alle Pinkafelder Haushalte verteilt wurde, informiert über wichtige Aspekte der Vorbereitung und zum Verhalten im Krisenfall. So erfährt man, dass bei einem Blackout am ersten Krisentag alle Geschäfte geschlossen bleiben, damit notwendige Vorkehrungen getroffen werden können.

Am zweiten Tag werden in den Märkten der Lebensmittelketten von 10 bis 15 Uhr Sackerln mit gemischten Frischeprodukten ausgegeben, ab dem dritten Tag sind aus Gründen der Lebensmittelsicherheit nur mehr Produkte aus dem Trockensortiment verfügbar. Die Ausgabe werde vor den Geschäften stattfinden, ein Betreten der Geschäfte sei nicht möglich.

Gemeinsam mit den praktischen Ärzten wurde für Pinkafeld ein Plan erstellt, um während eines Blackouts für Notfälle gerüstet zu sein. Mit den Teams von Kindergarten, Volksschule und Mittelschule wird in Pinkafeld im Krisenfall eine Betreuung für Kinder angeboten werden, deren Eltern in systemrelevanten Berufen arbeiten. Die Mittelschule wurde „blackoutsicher“ gemacht.

Blackout: Sind wir vorbereitet?

© zVg

Eine Schlüsselfunktion kommt dem notstromversorgten örtlichen Bauhof zu, der die Wasserversorgung überwacht, die Müllentsorgung sicherstellt, Informationen an die Bevölkerung weiterleitet, als Meldestelle dient und Botendienste übernimmt.

Apropos Müllabfuhr: Laut Blackout-Broschüre der Gemeinde Pinkafeld plant der Umweltdienst Burgenland, die Hausabfuhr für Restmüll und Biomüll für eine Woche aufrecht zu erhalten. Danach wäre geplant, an öffentlichen Plätzen Abfallcontainer aufzustellen.