„Der Fasching soll nicht sterben“: Ein Rundblick durch das Burgenland

Darüber spricht das Land

Der Fasching hat noch ein paar Tage lang Hochsaison. Gefeiert wird gerne, es wird aber immer schwieriger, Bälle, Umzüge, Faschingssitzungen und Co. zu organisieren, wie ein Blick ins Land zeigt.

Von Elisabeth Kirchmeir

Gute Laune im Saal und auf der Bühne. Das Faschingskabarett Güssing ist ein Klassiker der „närrischen Zeit“ im Burgenland.

Gute Laune im Saal und auf der Bühne. Das Faschingskabarett Güssing ist ein Klassiker der „närrischen Zeit“ im Burgenland.

© Lexi, Jens Krauss

„Wir sind sehr bemüht, das Brauchtum Fasching nicht sterben zu lassen“, sagt Brigitte Kreminger, Präsidentin der Faschingsgilde Loretto, des Landesverbandes der Faschings- gilden im Burgenland und in Wien und seit vorigem Jahr Präsidentin des Bundes österreichischer Faschingsgilden.

Neben der Faschingsgilde Loretto gehören dem Landesverband auch Die Krebsler in Oberpullendorf an und die Faschingsgilde Steinbrunn, die sich in Faschingsgilde Eisenstadt umbenannt hat. „Es gab Probleme, im Ort Steinbrunn Säle zu bekommen, weil sich die Veranstaltungstermine überlappten“, spricht Brigitte Kreminger gleich ein wichtiges Thema an: Wo können Faschings-Events überhaupt noch durchgeführt werden?

„Es gibt nur mehr wenige Dorfwirtshäuser im Burgenland, die die Möglichkeit haben, Bälle oder Faschingsveranstaltungen anzubieten“, erklärt Matthias Mirth, Obmann der Fachgruppe Gastronomie in der Wirtschaftskammer. Da die Faschingsveranstaltungen meistens samstags stattfinden, würde den Wirten aufgrund der vorgeschriebenen Ruhezeiten das notwendige Personal am umsatzstarken Sonntag fehlen, so Mirth.

„Für viele Gastronomen ist es einfach nicht mehr attraktiv, Veranstaltungen wie ein Gschnas abzuhalten, da ohnehin Vereine dazu ins Vereinshaus einladen. Die Situation ist für die Gastronomie schwierig, die Frequenz grundsätzlich stark rückläufig“, sagt der Gastronom. Zehn Prozent trägt laut Mirth die Faschingssaison zum Jahresumsatz der Gastronomen im Burgenland bei. Durch Faschings-Events in Gemeindesälen ohne Beteiligung der örtlichen Gastronomie gehe 50 Prozent des Geschäfts verloren.

„Der Fasching soll nicht sterben“: Ein Rundblick durch das Burgenland

© Michaela Grabner

„Die große Konkurrenz für Gasthäuser sind zum Beispiel Maskenbälle, die in Feuerwehrhäusern oder anderswo stattfinden“, sagt Matthias Mirth. Gemeinnützige Vereine hätten gegenüber der Gastronomie Vorteile, weil sie keine Abgaben zahlen müssten, so der Wirte-Vertreter.

Manche Faschingsgilden kämpfen mit Nachwuchsproblemen - bei der Faschingsgilde Loretto ist das aber jedenfalls nicht der Fall: „Unsere 42 Gardemädchen kommen aus der ganzen Umgebung, dazu haben wir über 100 zahlende Mitglieder“, informiert Präsidentin Brigitte Kreminger.

Kapplsitzungen und Faschingsumzüge

In der Oberpullendorfer Faschingsgilde Die Krebsler sind 20 Mitglieder aktiv, die bei den „Kapplsitzungen“ auftreten. Die Gilde organisierte weiters erstmals den Krebsler Ball, der am 22. Februar im Rathaus Oberpullendorf stattgefunden hat, und den Faschingsumzug, der am 4. März für Gaudi auf den Straßen der Bezirkshauptstadt sorgen wird. Das ausgelassene Treiben steht unter dem Motto „800 Jahre Oberpullendorf - 50 Jahre Stadt“.

14 Gruppen sind laut Natalie Prokopetz, Kassierstellvertreterin bei der Faschingsgilde Oberpullendorf, bereits angemeldet. Dank der langjährigen Erfahrung kann man bei der Organisation auf einen gut funktionierenden Ablaufplan vertrauen. „Die einzige jährliche Herausforderung ist, ob wir genug Personen zum Mithelfen finden“, sagt Natalie Prokopetz. Die Faschingsgilde Eisenstadt wird beim Umzug am Faschingsdienstag in der Landeshauptstadt mit einer kleinen Bühne vertreten sein.

„Der Fasching soll nicht sterben“: Ein Rundblick durch das Burgenland

© Janisch

„Es wird schwieriger, etwas auf die Beine zu stellen“, meint die Gilden-Präsidentin. „Man braucht die Unterstützung durch die Gemeinde und wenn der Wirt sein Gasthaus zumacht, fallen Räume weg.“ Größere Säle anzumieten, sei kostspielig, das müsse der zuständige Verein auch irgendwie finanzieren können.

In Güssing stand der Faschingsumzug heuer auf der Kippe, nun findet das Spektakel am Faschingsdienstag doch statt. „Die Vereine stellen das nötige Personal für die Ordnerdienste zur Verfügung“, freut sich Johannes Hofbauer, seit 2019 Obmann der Güssinger Faschingsgilde. Generell sei es schwierig, junge Leute für die Mitarbeit in der Faschingsgilde zu finden. „Das ist nicht der Renner für die Jugend“, sagt Johannes Hofbauer. Und die früher aktiven Mitglieder seien in die Jahre gekommen und nicht mehr so belastbar.

Dass der Umzug durchgeführt wird, ist auch dem Engagement der örtlichen Gastronomie zu verdanken. Die Betriebe schlossen sich zusammen und stimmten sich zum kulinarischen Angebot ab. „Für die Gastronomie ist es einer der umsatzstärksten Tage“, berichtet der Gildenobmann. 22 Wagen und Fußgruppen haben sich angemeldet, das sind sogar etwas mehr als im Vorjahr. Bei schönem Wetter werden bis zu 2.000 Zuschauer erwartet.

Liegt es bei den Umzügen am Personal, so sind bei den Bällen die Säle der entscheidende Faktor. Die Gasthäuser mit großen Festsälen sind rar geworden, Gemeindesäle gibt es nicht überall und Alternativen sind teuer. Die Feuerwehr Lackenbach veranstaltete daher heuer erstmals statt dem Ball ein Gulaschessen, die Feuerwehr Oberloisdorf einen Umzug.

Es wurden auch Bälle abgesagt ...

Anderswo wurden die Ballveranstaltungen wegen Besuchermangels eingestellt, so etwa in Piringsdorf, wo es sogar noch ein Wirtshaus gibt. In Deutschkreutz wurde der Ball der Wirtschaft abgesagt, weil man keine Polonaise-Tänzer fand. In Pamhagen im Seewinkel wiederum fand das SPÖ-Kränzchen im Jänner nicht statt, weil die Influenza umging.

In Stadt und Bezirk Eisenstadt geht es im Fasching ballmäßig rund, die Bälle sind gut besucht - auch von der Jugend. Der beliebte Garnisonsball in der Martinkaserne Eisenstadt kam 2025 leider wieder nicht zustande. 2019 hatte es nach fünf Jahren Pause eine Neuauflage des Kasernen-Balls gegeben, auch 2020 fand die Tanzveranstaltung noch statt, bevor das öffentliche Leben wegen Corona zum Erliegen kam. Ob nächstes Jahr in der Kaserne wieder das Tanzbein geschwungen wird, sollte im März entschieden werden.

„Der Fasching soll nicht sterben“: Ein Rundblick durch das Burgenland

© Foto WKB

Für die Gastronomie endet der Fasching mit einem Umsatzbringer: Beim Heringschmaus sei nach Jahren des Rückgangs die Nachfrage wieder sehr gut. „Es ist ein Aufwärtstrend erkennbar“, sagt Gastro-Sprecher Matthias Mirth.