Ein Drittel unseres Baulandes liegt brach

Darüber spricht das Land

Das Burgenland sitzt nach wie vor auf großen Baulandreserven, im Bundesländer-Vergleich überdurchschnittlich viel. Eine Million Euro bringt die Baulandmobilisierungsabgabe aktuell. 300 Parzellen wurden bislang „mobilisiert“.

Von Eelisabeth Kirchmeir

Der Traum vom Eigenheim. Mit der Mobilisierung des vorhandenen Baulands soll es erschwinglicher werden.

Der Traum vom Eigenheim. Mit der Mobilisierung des vorhandenen Baulands soll es erschwinglicher werden.

© Shutterstock, Nickiii97

Im Herbst 2025 veröffentlichte die Statistik Burgenland Zahlen zur „Baulandbilanz“. Erhoben wurde, wie groß die Baulandreserven im Burgenland sind. Ein Drittel des gewidmeten Baulandes im Burgenland liegt demnach brach. Das ist ein Spitzenwert in Österreich. Zum Vergleich: Im Bundesschnitt beträgt die Baulandreserve zirka ein Fünftel.

Wie auch die BVZ-Grafik unten zeigt, ist der Anteil der nicht bebauten Baugrundstücke im Bezirk Güssing mit 43,2 Prozent besonders hoch. Über dem Burgenland-Durchschnitt liegen auch die Bezirke Jennersdorf und Oberwart. In der Stadt Eisenstadt sind 22,9 Prozent der Baugrundstücke ungenützt, das ist immer noch mehr als im Österreich-Durchschnitt (21,1 Prozent). Darunter liegt die Freistadt Rust, wo „nur“ 17,3 Prozent der Baugrundstücke leerstehen.

Ein Drittel unseres Baulandes liegt brach

Die 2019 beschlossene und 2022 in Kraft getretene Baulandmobilisierungsabgabe sollte im Burgenland der spekulativen Baulandhortung entgegenwirken. Wer länger als fünf Jahre sein Baugrundstück unbebaut liegen lässt, wird mit einer Abgabe belastet. Soweit die Theorie.

Die lange Geschichte der Baulandmobilisierung

In der Praxis befreien knapp 20 Ausnahmeregelungen von der Baulandmobilisierungsabgabe, etwa wenn der Eigentümer unter 45 Jahre alt ist, die Baulandgrundstücke für Kinder oder Enkelkinder reserviert sind oder bei sozialen Härtefällen.

Erstmals eingehoben wird die Baulandmobilisierungsabgabe nun für das Jahr 2024. Die entsprechenden Bescheide werden, heißt es aus dem Büro des zuständigen Landesrates Heinrich Dorner, bezirksweise ausgeschickt, der Versand soll im Laufe des ersten Halbjahres 2026 abgeschlossen sein. Knapp eine Million Euro erwartet man sich an Einnahmen. Zunächst war geplant gewesen, die Baulandmobilisierungsabgabe bereits für das Jahr 2022 vorzuschreiben, doch dazu kam es nicht.

Grundstücke sollen den Gemeinden Geld bringen

Die Hälfte der Einnahmen aus der Baulandmobilisierungsabgabe soll laut Raumplanungsgesetz den jeweiligen Gemeinden zugutekommen. Bis dato wurde aber noch nichts ausbeahlt. „Gemäß § 24a Abs 1 Bgld. Raumplanungsgesetz (RPG) hat das Land den Gemeinden die Ertragsanteile bis 15. April des Folgejahres zu überweisen“, heißt es aus dem Büro von Landesrat Dorner.

Hat die Baulandmobilisierungsabgabe die gewünschte Wirkung erzielt? Laut Landesrat Dorner wurden bislang 300 Baulandmobilisierungsvereinbarungen abgeschlossen - und das bei 23.000 potenziell Abgabepflichtigen.

Mobilisiert wurde Bauland zum Beispiel in der Gemeinde Neutal, wo Bürgermeister Erich Trummer, Präsident des sozialdemokratischen Gemeindevertreter-Verbandes im Burgenland, ein grundsätzlich positives Resümee zieht. Drei Gemeindebauplätze seien durch die Neuregelung auf den Markt gekommen, zwei davon habe die Gemeinde verkauft.

Ein Drittel unseres Baulandes liegt brach

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„Das Gesetz brachte positive Entwicklungen“, sagt Trummer. „Ich höre von den Bürgermeisterkolleginnen und -kollegen, dass es sich eingespielt hat und die Menschen verstanden haben, wie es funktioniert.“

In früheren Jahren habe man oft nur durch Neuwidmungen am Ortsrand Gemeindebauplätze schaffen können, während im Ortsszentrum Bauland brachlag. „Da sind sicher in den letzten Jahrzehnten Fehler passiert“, hält der Kommunalpolitiker fest. „Mit der Baulandmobilisierung kann man diese Fehler Schritt für Schritt korrigieren.“

Nicht umgesetzt wurde übrigens eine Regelung, die Landeshauptmann Hans Peter Doskozil 2020 angekündigt hatte: „Bürger, die ihren Hauptwohnsitz bereits seit drei Jahren gemeldet haben, haben einen Anspruch auf ein Gemeindegrundstück zu dem vom Land festgelegten Maximalkaufpreis“, hatte Doskozil in einer Aussendung des Landes bekanntgegeben. Anhand eines Beispiels wurde damals der „leistbare Baulandpreis“ erläutert: Bei einem Quadratmeterpreis von 200 Euro liege der neue Grundstücksmaximalpreis bei 80 Euro.

„Diesen Rechtsanspruch gibt es so nicht im Gesetz“, stellte Erich Trummer nun klar. Die Neuregelung im Burgenländischen Raumplanungsgesetz sei mehrfach novelliert worden, um verschiedenen Bedürfnissen gerecht zu werden.

Wie funktioniert die Baulandmobilisierung

Laut Burgenländischem Raumplanungsgesetz müssen Eigentümer von unbebauten Baulandgrundstücken jährlich eine Abgabebezahlen. Diese liegt je nach Grundstücksgrößezwischen 0,5 und 2,5 Prozent des Grundstückswertes.

Wer ein 1.000 Quadratmeter großes Grundstück besitzt, zahlt bei einem Quadratmeterpreis von 50 Euro jährlich eine Abgabe von 500 Euro ans Land. Durch Abschluss einer Baulandmobilisierungs-Vereinbarungkönnen sich Zahlungspflichtige von der Abgabe befreien lassen.

Eine solche vertragliche Vereinbarung wird mit der Gemeinde abgeschlossen. Die Eigentümer verpflichten sich dadurch, ihr Grundstück innerhalb einer bestimmten Frist zu bebauen. Auch eine entschädigungsfreie Rückwidmung des Grundstückes ist möglich, um der Abgabe zu entgehen. 300 Baulandmobilisierungs-Vereinbarungenwurden bislang abgeschlossen.

Eine Preisregelungfür Gemeindegrundstücke sollte dafür sorgen, dass der Bevölkerung leistbares Bauland zur Verfügung gestellt wird. Der vom Land festgelegte Preisdeckel sieht Höchstpreise vor, die im Nordburgenland weit unter den marktüblichen Quadratmeterpreisen liegen.

Tatsache ist jedoch, dass den Gemeinden kaum Bauland zur Verfügung steht, das sie an bauwillige Bürger verkaufen könnten. Steuernd eingreifen könne eine Gemeinde hier zum Beispiel durch Baulandbefristigungen, heißt es aus dem Büro von Landesrat Heinrich Dorner. Auch Neuwidmungen von Bauland seien möglich.

Nach wie vor im Laufen ist der Prozess der Erfassung von Ausnahmeanträgen zur Baulandmobilisierungsabgabe. Die Rückmeldungen erfolgten bislang schleppend, von vielen der 23.000 potenziell Abgabepflichtigen bekam das Land keine oder ungültige Einmeldungen.

Die Einnahmen aus der Baulandmobilisierungsabgabewurde vom Land jetzt mit einer Million Euro beziffert. In früheren Jahren war von erwarteten Einnahmen von 2,5 Millionen Euro die Rede gewesen. Erstmals eingehoben wird die Abgabe für das Jahr 2024.