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Fastenzeit: 40 Tage lang leichter leben
Darüber spricht das Land
Fasten liegt im Trend - jede und jeder Zweite hat sich für heuer bewussten Verzicht oder Kuren vorgenommen, wie die jährliche Umfrage des Kurhauses Marienkron zeigt. Die Fastenzeit hat aber vor allem auch spirituelle Bedeutung. Die BVZ fragte bei Expertinnen und Experten nach und erkundigte sich bei Promis nach ihren guten Vorsätzen.
Genuss und gesunde Ernährung - ganz bestimmt kein Widerspruch!
© Shutterstock, goffkein.pro
Von Aschermittwoch bis Karsamstag, der heuer auf den 19. April fällt, dauert die Fastenzeit. Das sind mehr als die bekannten „40 Fastentage“ bis Ostern, was daran liegt, dass die Sonntage traditionell nicht in die Fastenzeit eingerechnet werden.
Viele Menschen nutzen die Zeit vor Ostern, um sich bewusst im Verzicht zu üben. Sie streichen Fleisch vom Speiseplan, lassen die Süßigkeiten weg oder den Alkohol. Laut der aktuellen Marienkroner Fastenumfrage des vor 55 Jahren in Mönchhof gegründeten Kurhauses Marienkron hat im Vorjahr jeder Dritte gefastet und plant dies heuer jeder Zweite zu tun.
Für ein erfolgreiches Fastenerlebnis sind laut der Umfrage vor allem zwei Faktoren sehr wichtig: Die Speisen sollten gut schmecken, und man sollte sich für den Verzicht bewusst Zeit nehmen. Das Fasten beschert Körper und Geist ein Gefühl der Reinigung und erfüllt - wenn man es richtig macht - den Wunsch nach einer Gewichtsabnahme. Mehr als ein Drittel (37,5 Prozent) jener Österreicherinnen und Österreicher, die 2024 gefastet haben, nannte bei der Marienkroner Umfrage das Abnehmen als Motiv.
Dazu sagt Expertin Ulrike Göschl, ärztliche Leiterin im Kurhaus Marienkron: „Natürlich verliert man bei mehrtägigem Fasten auch Gewicht, aber der wichtigste Benefit liegt in der Autophagie, dem durch starke Kalorienreduktion angestoßenen Reinigungsprozess in den Zellen und Sensibilisierung diverser stoffwechselaktiver Rezeptoren.“
© Quelle: Marienkroner Fastenumfrage, Grafik: BVZ
Intervallfasten, auch bekannt als intermittierendes Fasten oder 16:8-Methode, bleibt laut Marienkroner Umfrage die mit Abstand bekannteste und beliebteste Art des Fastens – vor Heil- und Suppenfasten sowie Saftfasten. „Das Intervallfasten ist ohne viel Verzicht leicht in den Lebensalltag zu integrieren und kommt vielen Menschen in ihrer Neigung, das Frühstück weg zu lassen oder früh Abend zu essen, entgegen“, so Ulrike Göschl.
Besonders beliebt unter jenen Menschen, die bereits versucht haben, mit einer Diät abzunehmen, sind laut der Marienkroner Fastenumfrage die Diätformen „Iss die Hälfte“ (40%), „Low Carb“ (30,4%) sowie die Krautsuppendiät (15,1%) und Trennkost (14,3%).
Dabei zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Generationen: Während die Generation X , das sind die zwischen 1965 und 1979 Geborenen, und die Babyboomer, das sind die zwischen 1946 und 1964 zur Welt Gekommenen, deutlich öfter „Iss die Hälfte“, Krautsuppendiät und Trennkost ausprobieren, ist die „Low Carb Diät“ bei Gen Z und Millennials die mit Abstand beliebteste Diät.
Laut Marienkroner Fastenumfrage haben viele nach Abschluss der Diät jedoch mit einem unbeliebten Phänomen Bekanntschaft gemacht: Sechs von zehn Menschen, die bereits diäterprobt sind, haben den JoJo-Effekt selbst erlebt (62,9 Prozent).

© Steve Haider
Angebote rund ums Fasten gibt es im Burgenland nicht nur im darauf spezialisierten Hotel Marienkron. Die Breitenbrunner Fastentrainerin Karin Hartmann marschiert mit 14 Teilnehmern und Teilnehmerinnen von 26. April bis 2. Mai in sieben Tagen 120 Kilometer rund um den Neusiedlersee. Bei ihrer zweiten Fastenwanderung im Herbst sind noch Plätze frei. Erstmals bietet Karin Hartmann auch eine Fastenradwanderung rund um den Neusiedlersee an, die in der dritten Maiwoche statt findet. Und in der Karwoche wird unter ihrer Anleitung im Seehotel Rust gefastet.
„Hunger nach dem Fasten“
Wenn Karin Hartmann als diplomierte, ärztliche geprüfte Fastentrainerin vom Fasten spricht, meint sie damit den kompletten Verzicht auf feste Nahrung. „Gesunde Menschen können das durchaus für einen begrenzten Zeitraum von fünf Tagen auch alleine praktizieren“, sagt sie. Sie empfiehlt, zunächst bei einer geführten Gruppe Erfahrungen zusammeln: „Das gibt Sicherheit, und man bekommt das gesamte Wissen vermittelt, das man braucht, um Fastenfehler zu vermeiden. Oder aber man besorgt sich ein geeignetes Buch und folgt der Anleitung“, meint die Fastenexpertin. Hilfreich sei zum Beispiel Dr. Hellmut Lützners Ratgeber „Wie neugeboren durch Fasten“.
Habe man erst einmal den Entschluss gefasst, Fasten als effektive Form der Gesundheitsvorsorge zu praktizieren, so habe dies, meint Karin Hartmann, nichts mehr mit Verzicht, sondern tatsächlich mit Genuss zu tun. „Hungrig sein nach Fasten“, habe es eine Teilnehmerin kürzlich ausgedrückt. Fasten habe auch nichts mit „Hungern“ zu tun. Beim Fasten, wenn man es richtig macht, verspüre man nämlich keinen Hunger.
Nach fünf Tagen Verzicht auf feste Nahrung müssen die Verdauungssäfte wieder sanft zum Fließen gebracht werden. Am besten mit einem frischen Apfel, empfiehlt Karin Hartmann. „Das ist dann der beste Apfel der Welt“, weiß sie aus Erfahrung.
Die religiöse Bedeutung
Weit über den Verzicht hinaus geht die tiefe religiöse Bedeutung der Fastenzeit. Darauf weist Diözesanbischof Ägidius Zsifkovics hin (siehe auch Zitate unten). Er selbst versuche , „in der Zerstreuung und in der Aufgeriebenheit des täglichen Lebens, diesen Gott Jesu Christi wieder mehr in die Mitte meines Lebens zu rücken“. Im größeren Zusammenhang geht es um gelebte Solidarität.
Rituell gefastet wird in vielen Religionen. Von 1. bis 30. März dauert heuer der Ramadan, der Fastenmonat der Muslime. Zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang verzichten die Gläubigen auf Speisen und Getränke. Im Burgenland leben rund 6.400 Muslime.
„Die Fastenzeit ist für Muslime eine besondere Zeit, es ist die Zeit für die Vertiefung der Spiritualität, Reinigung des Körpers und der Seele und Solidarität“, sagt Arefe Yildiz, Vorsitzende der Religionsgemeinschaft im Land. Sie schätzt, dass zirka ein Drittel der Muslime fasten, da Kranke, Ältere, Reisende und Kinder ausgenommen sind.
Prominente und die Fastenzeit
Diözesanbischof Ägidius J. Zsifkovics: „Die Fastenzeit ist für mich eine Zeit der Besinnung, des Gebetes und der Umkehr, eine Zeit, in der ich mich auf das kommende Osterfest vorbereite. Ich möchte versuchen, in der Zerstreuung und in der Aufgeriebenheit des täglichen Lebens, diesen Gott Jesu Christi wieder mehr in die Mitte meines Lebens zu rücken.
Und so vertraue ich, dass ich mithelfen kann, im Blick auf Gott die Menschen wieder mehr ins Blickfeld gelebter Solidarität zu rücken und vieles von dem, was uns als Individualismus, Egoismus, Gleichgültigkeit und Abkapselung einholt, zu überwinden. Zudem tut mir auch der Verzicht auf Manches, das sich in mein Leben eingeschlichen hat, gut.“

© Rupprecht, kathbild.at
Landeshauptmann Hans Peter Doskozil: „Für mich ist die Fastenzeit nicht nur eine Zeit des Verzichts, sondern auch eine Chance, bewusster zu leben und mit mehr Achtsamkeit durch die Welt zu gehen. Besonders in einer schnelllebigen Zeit wie dieser ist es wichtig, auch innezuhalten.“

© Landesmedienservice, Manfred Weis
Moderatorin und TV-Talkerin Barbara Karlich: „Natürlich faste ich, wie die meisten Burgenländerinnen und Burgenländer! Weder trinke ich Alkohol, noch nasche ich Süßes. Fleisch esse ich sowieso nicht. Außerdem versuche ich, abends nichts zu essen. Kann ich empfehlen: Man schläft viel besser!“

© ORF, Ali Schafler
Generalintendant Alfons Haider: „Ich achte ja das ganze Jahr über auf eine bewusste Ernährung und auf meine Fitness, das beinhaltet auch das Fasten. Daher faste ich zurzeit nicht speziell – was ich aber in diesen Wochen wieder ganz bewusst weglasse, das ist der Alkohol.“

© Nina Mayer, Nina Mayer