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Handgestrickt liegt ganz im Trend
Darüber spricht das Land
Handarbeiten ist, meint Strickdesignerin Debbie Bene aus Pinkafeld, entspannend wie Yoga und ein Statement gegen Fast Fashion. Was steckt hinter dem kreativen Trend und wie wird er im Burgenland praktiziert?
Bei Tamara Oswald in St. Georgen trifft sich regelmäßig eine begeisterte Handarbeitsgruppe.
© Tamara Oswald
Im Juni wird der Tag der Handarbeit und der Tag des Strickens gefeiert. Margarita Ulreich, seit 20 Jahren Betreiberin des Handarbeitsgeschäfts „Ritas Eck“ in Pinkafeld, lud am 17. Juni zum Tag der Handarbeit. Bei Kaffee und Kuchen konnte man sich über die aktuellen Trends informieren.
Stricken, Häkeln & Co. ist von Nord bis Süd ein Thema. Andrea Strauss betreibt in Neusiedl am See die „Strickwerkstatt“ und freut sich, dass nicht nur die ältere Generation gerne zu den Stricknadeln greift, sondern sich auch Junge inspirieren lassen. „Sie lernen es über YouTube, seit man diese Fertigkeiten leider in der Schule kaum noch vermittelt bekommt“, sagt sie.
Auch Männer kommen in ihr Geschäft: „Einige häkeln, einer kauft Wolle für Islandpullis.“ Und bei Margarita Ulreich in Pinkafeld war immer wieder ein Kunde im Geschäft, der leidenschaftlich im Kreuzstich stickte. „Er war viel auf Geschäftsreisen unterwegs und hat gerne im Hotelzimmer gestickt“, erzählt sie.
© privat
„Stricken und häkeln - das wurde immer gemacht und das wird hoffentlich immer so bleiben“, sagt Tamara Oswald, die ihren Shop „OTJ Kreativ“ im Eisenstädter Stadtteil St. Georgen betreibt. Was sich geändert hat, ist der Wunsch der Kundinnen nach hoher Wollqualität: „Es wird viel nach nachhaltigen, Bio- und recycelten Materialien gefragt“, erzählt Tamara Oswald. Neben Bio-Baumwolle gibt es auch bereits Fasern aus Braunalgen, Soja und sogar Ananas.
Alle zwei Wochen trifft sich bei ihr eine geschlossene Handarbeitsgruppe mit sieben bis neun Damen, alle „Ü-50“, wie Tamara Oswald berichtet. Derzeit seien man hauptsächlich am Stricken. Um Rat werde sie nahezu täglich gefragt. „Ich helfe weiter, wo ich kann“, sagt die Shopbetreiberin.
Beim Stricken sind vor allem Socken ein Ganzjahresthema. Debbie Bene strickt sie im Schachbrett-, Rippen- oder Zopfmuster. Beliebt seien auch die „RVO-Pullover“, die in einem Stück gestrickt werden, erzählt Andrea Strauss. Filethäkeleien und Vorhänge sind ebenso in Arbeit wie die lustigen „Amigurimi“-Häkeltiere.
„Ein Trend ist die Temperaturdecke“, berichtet die Betreiberin des Handarbeitsgeschäfts in Neusiedl am See. „Da wird jeden Tag die Temperatur gemessen und anhand einer Farbliste genau eine Reihe in der Farbe gestrickt, die der Temperatur entspricht.“ Nach 365 Tagen hat man eine Decke, die nicht nur bunt sondern auch ein Klimadokument ist.
„Im Sommer wird viel gehäkelt“, berichtet Margarita Ulreich. Bei der Jugend seien „Granny Squares“, die bunten Quadrate aus Häkelgarn, besonders beliebt. „Babysachen werden das ganze Jahr gestrickt“, informiert Tamara Oswald. „Im Winter geht es dann wieder mit Pullis, Tüchern, Schals und Hauben los“, weiß Margarita Ulreich, die sich im März 2026 bei der Handarbeitsmesse in Köln über die neuesten Trends informierte.
„Da zeigte sich, dass Nähen aktuell im Trend liegt“, berichtet sie. Viel dreht sich ums „Upcycling“: „Man kann ja aus alten Sachen etwas Neues machen“, sagt die Expertin. „Neue Knöpfe, Spitze oder Applikationen aufnähen und schon hat man ein Unikat.“
Das Aufpeppen alter Kleidung ist ebenso ein Gegentrend zur „Fast Fashion“, wie das Herstellen von Kleidungsstücken mit Strick- oder Häkelnadeln. Selbstgestricktes ist von langlebiger Qualität, betont auch Debbie Bene: „Pullover, die ich vor 20 Jahren gestrickt habe, faszinieren mich mit ihrem Muster heute noch.“
Sie selbst präsentiert ihre Strickmodelle bei Kunsthandwerkmärkten, etwa beim Bauern- und Handwerksmarkt in Pinkafeld oder beim Winterwunder bei der Seebühne Mörbisch. „Im Freilichtmuseum Stübing erkläre ich klassische Stricktechniken, etwa, wie man Fersen strickt“, erzählt sie.

© Privat
Wolle in besonderer Qualität sei für sie ein wichtiges Thema. Sie vertreibt die Wolle von Manos del Uruguay, einem zertifizierten Fair Trade Projekt, das Frauen vor Ort ein Einkommen sichert. „Das ist nicht gerade die billigste Wolle, aber hochwertig und fein.“ Auch aus Südafrika und England bietet sie spezielle Strickwolle an, wie auch Sonderqualitäten mit Bambus- oder Soja-Viskose oder aus Nesselfasern.
Handarbeit wird auch in Vereinen und privaten Runden gepflegt. So laden die Naturfreunde einmal im Monat zum Kreativtreffen ins Vereinshaus in der Industriestraße in Eisenstadt ein. „20 bis 30 Leute kommen da regelmäßig“, freut sich Ingrid Wallner von den Naturfreunden. Bis nach Wien hat es sich herumgesprochen, dass man sich da bei Kaffee und Kuchen über die neuesten Strickmuster austauschen kann.

© Naturfreunde Eisenstadt
„Einige sind da, die sagen, sie haben wieder zum Stricken und Häkeln angefangen“, erzählt Ingrid Wallner. „Es ist ein Trend, meditativ und zugleich gut fürs Gehirn.“
„In Kooperation mit Barbara Tansil von der Wollwerkstatt Myrahof in Niederösterreich haben wir auch schon Wolle auf Spinnrädern gesponnen und gewebt“, berichtet sie weiter. Auf der Kinderhochschule in Eisenstadt wird das Thema Filzen und Spinnen den Jüngsten nähergebracht.
Seit Jänner wird im Vereinshaus der Naturfreunde auch genäht. „Da bringen die Damen ihre Nähmaschinen und Schnitte mit und arbeiten unter fachkundiger Anleitung“, so Ingrid Wallner.
In Steinbrunn trifft sich die Štrikarija, eine Gruppe von sieben Frauen, ein- bis zweimal pro Monat. Im November 2025 veranstaltete die Gruppe einen Charity-Basar in der Sportlerkantine, wo die selbst angefertigten Strickmodelle verkauft wurden.

© Nina Mayer, Nina Mayer
Zu sehen war da auch bereits eine kleine Version des „Granny Square“-Weihnachtsbaumes. Ein 2,2 Meter hohes Exemplar dieses farbenfrohen Hinguckers kaufte die Gemeinde Steinbrunn an und stellte ihn im Rathaus aus.
„Das war ein schönes Gemeinschaftsprojekt“, blickt Irene Schleischitz, aktives Mitglied der Štrikarija, gerne zurück. Bis zu 600 Quadrate waren gehäkelt worden, der Riesenbaum stand den ganzen Sommer lang in ihrem Wohnzimmer und wurde nach und nach rundum behängt.
Selbstverständlich strickt die Runde auch für Familie, Freunde und Bekannte. Sie selbst strickt gerade an Tüchern, eine Freundin umhäkelt Gläser und Vasen. Und für Nachwuchs ist gersorgt: „Auch meine Tochter und meine Enkelin stricken mit großer Leidenschaft“, freut sich Irene Schleischitz.