Die „Lange Nacht der Urologie“ findet am 9. November wieder österreichweit statt. Im Burgenland nehmen die Kliniken Oberwart und Kittsee an der Aktion der Österreichischen Krebshilfe teil
Kinder- und Jugendpsychiatrie: Wege aus der Krise
Darüber spricht das Land
20 bis 25 Prozent der Kinder und Jugendlichen sind psychisch belastet. Wie sieht es mit den Therapieangeboten für sie im Burgenland aus? Die BVZ hat bei den zuständigen Stellen recherchiert.
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Pandemiefolgen, Klimakrise, Kriege. Dazu hohe Anforderungen in der Schule und Konflikte in der Familie. Die Situation vieler Kinder und Jugendlicher ist angespannt. „20 bis 25 Prozent von ihnen haben psychische Probleme“, sagt Kinder- und Jugendanwalt Christian Reumann.
Depressive Episoden, Angststörungen, emotionale Störungen, Störungen des Sozialverhaltens und Reaktionen auf schwere Belastungen zählen zu den häufigsten Verdachtsdiagnosen, die im Rahmen des Projekts „Gesund aus der Krise“ gestellt wurden.
15 Beratungs- und Behandlungsstunden werden durch „Gesund aus der Krise“ vom Gesundheitsministerium für Kinder und Jugendliche bis 21 Jahre finanziert. Das 2022 gestartete Projekt wurde nun bis 2025 verlängert.
219 Kinder und Jugendliche erhielten gratis Therapiestunden
Bis Juni 2023 kamen im Burgenland 219 Kinder und Jugendliche im Rahmen des Projekts in den Genuss von kostenlosen Therapiestunden, das sind 0,37 Prozent der Altersgruppe der Zielgruppe.
Österreichweit befinden sich rund 1,26 Prozent der Bevölkerung in voll kassenfinanzierter Psychotherapie. Für das Jahr 2024 beträgt der Stundenpool 35.308 Leistungseinheiten, davon stehen 4.836 Leistungseinheiten für Kinder und Jugendliche zur Verfügung, heißt es seitens der Österreichischen Gesundheitskasse ÖGK.
Bis zu 30 kassenfinanzierte Sitzungen können in Anspruch genommen werden. „Ab der 31. Sitzung ist eine Bewilligung durch den Chef(Kontroll)arzt erforderlich“, gibt die ÖGK bekannt. Wer nicht in den Genuss einer kassenfinanzierten Therapie kommt, kann bei seinem Sozialversicherungsträger um einen Zuschuss ansuchen.
Der Bedarf für Psychotherapie liegt in der Bevölkerung insgesamt bei bis zu sieben Prozent. Alexander Mladenow, Vorstandsvorsitzender des Burgenländischen Landesverbandes für Psychotherapie.
Österreichweit befinden sich rund 1,26 Prozent der Bevölkerung in voll kassenfinanzierter Psychotherapie. Zirka 35.300 Psychotherapiestunden werden im Jahr für die burgenländische Bevölkerung zur Gänze bezahlt. Wer nicht in den Genuss einer kassenfinanzierten Therapie kommt, kann bei seinem Sozialversicherungsträger um einen Zuschuss ansuchen.
„Der Burgenländische Landesverband für Psychotherapie hat 210 Mitglieder. 90 von ihnen haben heuer einen Kassenvertrag angenommen“, berichtet Psychotherapeut Mladenow. Er ist auch Vorsitzender des Instituts Psychotherapie im ländlichen Raum (IPR), eine gemeinnützige Einrichtung, die der burgenländischen Bevölkerung den Zugang zu Psychotherapie als kassenfinanzierte Sachleistung ermöglicht.

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„90% der kassenfinanzierten Therapieleistungen werden über den IPR abgewickelt“, sagt Mladenow. Die restlichen 10% verteilen sich auf Institute, Spitäler oder Ärzte, die Psychotherapie anbieten. 1.748 Klientinnen und Klienten wurden 2022 vom IPR betreut, 2023 waren es 1.875.
Bis zu vier Monate Wartezeit auf Therapieplatz
„Im Raum Oberwart, wo ich tätig bin, führen wir eine Warteliste für Kinder und Jugendliche, die einen vollfinanzierten Kassenplatz benötigen“, schildert Alexander Mladenow die aktuelle Situation. „Vier Monate beträgt derzeit die längste Wartezeit.“ Kinder und Jugendliche werden jedenfalls bei der Zuteilung von Kassenplätzen vorgezogen, meist beträgt die Wartezeit auf die erste Therapiestunde ein bis drei Monate.
„Oft wird die Therapie über das Projekt Gesund aus der Krise begonnen“, berichtet Mladenow. Im Vergleich mit anderen Bundesländern stehe das Burgenland bei den Wartezeiten relativ gut da, in Oberösterreich beispielsweise betrage die Wartezeit bis zu 2,5 Jahre.

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„Wir tun unser Bestes“, sagt Mladenow. Die burgenländischen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten seien interessiert daran, dass ihre Klienten gut verwaltet werden. „Wir haben ein gutes Netz“, stellt der Vorsitzende des Psychotherapie-Verbandes fest.
Das Land Burgenland hat 2022 und 2023 kassenfinanzierte Therapiestunden mit einem Zuschuss gefördert. Ob dieses Pilotprojekt verlängert wird, steht noch nicht fest.
Der Wert einer Psychotherapiestunde liegt üblicherweise bei 118 Euro, im Burgenland liegen wir ohnehin schon darunter. Die Kassenleistung beträgt aber nur 80 Euro minus 3 Prozent. Alexander Mladenow, Vorstandsvorsitzender des Burgenländischen Landesverbandes für Psychotherapie.
Mit dem Anteil von 3 Prozent werden die Verwaltungsleistungen beim IPR finanziert. Das Land gewährte in den beiden vergangenen Jahren eine Aufzahlung von 10 Euro pro Psychotherapiestunde.
„Insgesamt wurden 42.026,5 Therapieeinheiten gefördert und 420.265 Euro an Fördermitteln ausgeschüttet“, heißt es seitens des Landes. 2023 nahmen 32 Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten diese Förderung in Anspruch.
Die SPÖ Burgenland schlug kürzlich Alarm und forderte „100 Kassenstellen für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Österreich“ sowie einen nationalen Aktionsplan für die psychische Gesundheit der Kinder und Jugendlichen.

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„Das ist auch eine Frage des Nachwuchses“, bemerkt Alexander Mladenow. „Im Burgenland brauchen wir mehr Säuglings-Kinder-Jugend-Therapeuten, wir haben aber nur wenige, die diese Ausbildung machen wollen, zumal diese von den Therapeuten selbst zu bezahlen ist.“
Neues Psychotherapiegesetz soll Verbessungen bringen
Eine Verbesserung könnte das am 17. April 2024 beschlossene neue Psychotherapiegesetz bringen: Ab 2026 wird es erstmals möglich sein, sich an Universitäten und Fachhochschulen zum Psychotherapeuten oder zur Psychotherapeutin ausbilden zu lassen.
Wenn öffentliche Finanzierungen ausbleiben, müssen andere Lösungen gesucht werden: Der Burgenländische Landesverband für Psychotherapie hatte im Herbst 2023 eine Benefizaktion für das Projekt „fit4SCHOOL“ gestartet. Dank privater Spender kann jetzt für die Volksschule und die Mittelschule in Deutschkreutz für ein halbes Jahr eine psychotherapeutische Betreuung finanziert werden.
„Es gibt positive Rückmeldungen seitens der Direktorinnen, dass diese Unterstützung den Kindern gut hilft“, freut sich der Vorsitzende des Landesverbandes. 16.000 Euro kostet das Projekt pro Schule. 176 Landesschulen gibt es im Burgenland. Elternvereine oder sonstige Initiativen müssten aktiv werden, um Kinder und Jugendliche in weiteren Schulen in den Genuss psychotherapeutischer Hilfestellungen kommen zu lassen.