Mehr Hochzeiten, aber weniger Kinder im Burgenland

Darüber spricht das Land

Sorgenvoll blickt der Landesstatistiker auf die Geburtenrate. Geheiratet wird hingegen gerne und in vielen Varianten. Zur aktuellen Statistik gibt es auch einige Expertenmeinungen. Die BVZ hat nachgefragt.

Von Elisabeth Kirchmeir

Geheiratet werden darf an vielen Orten, in privaten Gärten jedoch nicht in allen Gemeinden.

Geheiratet werden darf an vielen Orten, in privaten Gärten jedoch nicht in allen Gemeinden.

© Shutterstock/Ground Picture

„Dramatisch“ sei der Einbruch bei den Geburten, meint Manfred Dreiszker, der Leiter des Referats Statistik im Land Burgenland. „Ich bin seit 35 Jahren in der Landesstatistik, so etwas habe ich noch nicht erlebt.“ Jahrelang lag die Zahl der jährlichen Geburten im Burgenland bei rund 2.200, seit drei Jahren aber durchgehend unter 2.000. „Anfangs dachte ich an eine Ausnahme wegen Corona, jetzt gab es aber das dritte Jahr in Folge einen extremen Rückgang“, wundert sich der Zahlenexperte.

Die Geburten sinken österreichweit, im Burgenland war der Rückgang 2025 aber am stärksten: Um 5,4 Prozent ging die Geburtenrate zurück, insgesamt erblickten nur 1.769 Kinder das Licht der Welt, wie in der vorläufigen Erhebung von Statistik Austria vermerkt ist. Die endgültigen Zahlen werden erst im Mai 2026 feststehen.

Ist das Burgenland bei den Geburten das Schlusslicht, so nimmt es bei den Eheschließungen eine strahlende Spitzenposition ein: Bei österreichweit sinkenden Hochzeitszahlen verzeichnete das Burgenland im Vorjahr bei den Eheschließungen ein Plus von 5,9 Prozent.

1.313 Mal gaben sich Paare im Vorjahr das Ja-Wort, davon handelte es sich 23 Mal um gleichgeschlechtliche Paare. 13 Mal heirateten zwei Männer, 10 Mal zwei Frauen. 48 verschiedengeschlechtliche Paare ließen im Vorjahr eine Partnerschaft eintragen. Bei dieser Variante der Verpartnerung gab es im Burgenland einen Rückgang von 17,2 Prozent.

Geheiratet wird auf ganz unterschiedliche Weise - in der Minimumvariante ebenso wie im großen Stil.„Vom Gesetz her reicht der Teil mit dem Ja-Wort“, sagt Ingrid Schwarz, Leiterin des Standesamtsverbandes Eisenstadt. Das dauert nur wenige Minuten und braucht nur die beiden Hauptakteure. Die früher üblichen Trauzeugen sind seit 1. November 2013 nicht mehr erforderlich.

„Andere Paare wollen das ganz große Programm und für solche Traumhochzeiten gibt es gerade in Eisenstadt viele Möglichkeiten“, sagt Ingrid Schwarz und verweist auf beliebte Wedding-Locations wie Schloss Esterhazy, Orangerie, Leopoldinen-Tempel oder die „Alm“ in Eisenstadt. „Und daneben gibt es auch noch die gute alte Dorfhochzeit mit Bräuchen wie dem Marsch zur Kirche, dem Abholen der Braut und Gulaschessen“, verweist die Standesbeamtin auf gelebte Traditionen.

Welche Orte für eine Trauung gewählt werden dürfen, liege im Ermessen der zuständigen Behörde. Locations mit religiösem Bezug seien für die standesamtliche Trauung verboten. Während in anderen Gemeinden auch Trauungen in privaten Gärten durchgeführt werden, ist dies in Eisenstadt nicht möglich. „Wir berufen uns auf die Wiederholbarkeit“, sagt Ingrid Schwarz, die auch Präsidentin des österreichischen Fachverbandes ist. „Alle Paare sollen die gleichen Möglichkeiten haben.“

Beliebte Tage fürs Ja-Wort sind heuer im Burgenland der 6. und der 20. Juni - jeweils Samstag - und der 26. Juni, ein Freitag. „Da fingen die Paare schon lange vorher zu reservieren an, jetzt hat man da keine Chance mehr“, lässt die Standesbeamtin wissen.

Den 1.313 Eheschließungen standen im Vorjahr 501 Scheidungen gegenüber. Auch hier verzeichnete das Burgenland einen statistischen Ausreißer: Gingen österreichweit die Scheidungen um 0,5% zurück, so nahmen sie im Burgenland um 8,2 Prozent zu.

„Die Zunahme der Scheidungen hat sich auch in unserer Kanzlei bemerkbar gemacht“, bestätigt die Eisenstädter Scheidungsanwältin Petra Rosenich. Der Trend des Vorjahres setze sich auch heuer fort, allein im Februar 2026 seien die Anfragen in der Rechtsanwaltskanzlei Hajek erheblich gestiegen.

Ein häufiger Scheidungsgrund sei, so die Juristin, „dass man als Paar nicht mehr funktioniere“. Daneben führen auch klassische Scheidungsgründe wie Seitensprünge oder das fehlende Interesse am Eheleben zur Trennung. „Erfahrungsgemäß bilden diese Gründe dann aber meist nur den „Auslöser“, während im Verfahren hervorkommt, dass die Probleme bereits weit in die Vergangenheit zurückreichen“, berichtet Petra Rosenich. Scheiden lassen sich die meisten Paare entweder schon bald nach der Eheschließung oder mit 55-plus. „Das Mittelfeld war in den letzten Jahren wenig vertreten“, sagt die Scheidungsanwältin.

Noch mal zurück zu den Geburten: Im Standesamtverband Eisenstadt wurden 2025 898 Geburten verzeichnet, davon 478 Buben und 420 Mädchen, das sind um 46 Neugeborene mehr als 2024. Bei den Mädchennamen lagen Emilia und Anna an der Spitze, bei den Buben führten Paul und Maximilian das Ranking an.

Petra Rosenich, Scheidungsanwältin: „Die meisten Differenzen bestehen bei der Vermögensaufteilung, gleich dahinter folgt erfahrungsgemäß das Kontaktrecht. Dieses ist oft deshalb konfliktgeladen, weil sich der Kindesunterhalt daran orientieren kann. Je mehr Kontaktrecht ein Elternteil ausübt, desto eher kann sich der Anspruch auf Geldunterhalt reduzieren.“

Ingrid Schwarz, Leiterin Standesamtverband Eisenstadt:„Auf der einen Seite werden die Hochzeiten größer und aufwendiger, da es weniger kirchliche Trauungen gibt, auf der anderen Seite kommen sehr viele Paare alleine und wollen wirklich nur eine Eheschließung in der kürzest möglichen Form. Von den Paaren wird die komplette Bandbreite der Möglichkeiten einer Eheschließung ausgenützt. So kann jedes Paar nach seiner Fasson heiraten, das finde ich gut.“

Manfred Dreiszker, Leiter Referat Statistik im Land Burgenland:„Während es seit drei Jahren einen extremen Rückgang bei den Geburten gibt, ist die Zahl der Sterbefälle schon lange mit 3.500 pro Jahr relativ stabil. Eigentlich müsste die Bevölkerungszahl jedes Jahr um rund 1.000 abnehmen, aufgrund der Zuwanderung steigt diese aber jährlich um zirka 1.000. Das heißt, die Zuwanderung liegt pro Jahr bei zirka 2.000 Personen, die Hälfte kommt aus anderen Bundesländern, die Hälfte aus dem Ausland.“