Alexander Petschnig geht in seine dritte Periode als FPÖ-Landesparteiobmann: Beim teils turbulenten Parteitag in Jennersdorf setzte er sich in der Kampfabstimmung gegen Landtagsabgeordneten Mario Jaksch durch. Begonnen hatte die blaue Konferenz mit Verspätung: Das linke Bündnis „Widersetzen Wien“ hatte bei der Zufahrt zur Blockaden eingerichtet.
Wenn Tanken weh tut
Darüber spricht das Land
Mehr als zwei Euro zahlte man kürzlich für einen Liter Diesel. Auch wenn der Preis zuletzt wieder sank, klagen viele Pendler über die hohen Belastungen. Die BVZ hatte an der Tankstelle ein offenes Ohr für ihre Sorgen.
Knapp 89 Euro zahlte Simone Braunstein für ihre Tankfüllung.
© Wolfgang Millendorfer
„Man muss“, sagt Konrad Prawitsch aus Schützen am Gebirge mit dem Zapfhahn in der Hand, „schauen, wo man am günstigsten tankt.“ Ein paar Cent Unterschied machen schon etwas aus, vor allem bei einer Strecke von 100 Kilometern, die der Pendler täglich zurücklegt.
Die hohen Spritpreise sind bei den Autofahrern im Burgenland ein Thema, zumal viele aus Berufsgründen aufs Auto angewiesen sind. Wie die Arbeiterkammer erhoben hat, arbeiten von den knapp 140.000 berufstätigen Burgenländern nur knapp 35.000 in ihrer Wohnsitzgemeinde. 29.000 pendeln innerhalb ihres Bezirks, 22.700 haben ihren Arbeitsplatz in einem anderen burgenländischen Bezirk und 53.000 müssen das Burgenland zum Arbeiten verlassen.
„Mit einer durchschnittlichen Arbeitsweglänge von 27 Kilometern pro Richtung weisen Burgenländer die längsten Pendelstrecken Österreichs auf“, informiert Kevin Friedl, Obmann des Pendlerforums Burgenland.
An der Partnertankstelle des Landes in Eisenstadt kostete Diesel am Montag, 27. April 2025, 1,859 Euro. „Das ist die einzige Tankstelle, wo wir gerne herfahren“, sagt eine in Mattersburg lebende Studentin.
Um als „Partnertankstelle“ werben zu dürfen, verpflichten sich die privaten Betreiber, den Treibstoff mit einem Aufschlag von maximal vier Cent pro Liter auf den Bruttopreis abzugeben. „Dem Land entstehen hierbei keine Kosten“, informiert das Büro des zuständigen Landesrates Heinrich Dorner.
„Wir waren bei 70 Euro pro Tankfüllung, jetzt kostet das Volltanken 90 Euro“, berichtet eine Rusterin. Sie vergleicht wie viele andere die Spritpreise und tankt, wo es am günstigsten ist.
„Man muss sich jede Fahrt gut überlegen“, sagt Silvia Lehner aus Großhöflein. Das „Familientaxi“ fährt jetzt nicht mehr so oft: „Ich sagte meinen Kindern, Abholen von der Schule ist Luxus, das wurde akzeptiert.“ 130 Euro kostet sie ein Volltank für ihren Kombi.
„Ich habe eine Runde durch die Stadt gemacht und die Preise verglichen“, sagt Daniela Lefcu. Sie pendelt von Draßburg nach Eisenstadt. „Ohne Auto geht es nicht, wenn man am Land lebt“, sagt sie.
„Ich habe auf die ÖAMTC-App geschaut, wo es am billigsten ist“, verrät Simone Braunstein aus Donnerskirchen, während der Diesel in ihr Auto fließt. Als der Spritpreis vor kurzem bei über zwei Euro pro Liter lag, habe sie um 40 Euro mehr für einen Volltank bezahlt als vor dem Krieg im Nahen Osten. „Wir überlegen uns, ein E-Auto zuzulegen“, sagt die Autolenkerin.
„Vor zwei, drei Wochen war ich auch da“, berichtet Christoph Schaller aus Mattersburg, „da musste ich eine halbe Stunde lang warten, weil jemand Kanister vollgefüllt hat.“ Sein Tipp: An Montagen tankt man billiger. „Die Preisumstellung zu Mittag ist eine 50:50-Chance. Es kann sein, dass der Sprit am Nachmittag um zehn Cent teurer ist.“
Patrick Spah aus Oggau pendelt jeden Tag zum Flughafen in Schwechat. 120 Euro zahlt er jetzt für einen Volltank. „Ich vergleiche die Spritpreise mit der App, diese zeigt mir die günstigste Tankstelle an“, sagt er.
„Die Pendler ärgern sich maßlos, die Treibstoffpreise sind eine finanzielle Belastung“, sagt ARBÖ Landesdirektor Martin Heissenberger. Bei einem 50-Liter-Tank zahle man aktuell für Diesel gut 20 Euro und für Eurosuper zehn Euro mehr als vor dem Krieg in Nahen Osten.
„Wichtig ist der Zeitpunkt, zu dem man tankt“, informiert der ARBÖ-Experte. „Vor zwölf Uhr ist es günstiger als am Nachmittag.“ Spritsparen kann man mit „Tricks, wie den Reifendruck erhöhen, das Autos leichter machen oder eine Umstellung der Fahrweise: Tempo reduzieren, abrupte Bremsmanöver vermeiden, auf Beschleunigungsorgien verzichten wie auch im Verkehr mitsegeln“, sagt Heissenberger.
Ein Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel sei für viele Pendler nicht möglich, erwähnt Dominik Graf, ÖAMTC-Experte für Verkehrswirtschaft - er stammt selbst aus dem Burgenland. Das Auto sei im Burgenland oft alternativlos, zumal häufig mehrere Wege miteinander verbunden werden müssen, etwa, wenn man Kinder zur Schule bringt, den Einkauf erledigt und mit dem Auto zur Arbeit fährt. Sinnvoll sei es, so Graf, Fahrgemeinschaften zu bilden.
Sein Tipp: Teure Tankstellen, etwa an der Autobahn, meiden. „Dadurch ist bei einer Tankfüllung eine erhebliche Ersparnis von zig Euro möglich.“
Ines Lukic-Zjajo von der Arbeiterkammer Burgenland empfiehlt den Spritpreis-Rechner der E-Control, online unter www.spritpreisrechner.at erreichbar. Mit mehr Homeoffice, flexiblen Arbeitszeiten oder betrieblichen Fahrgemeinschaften könnten Arbeitgeber beim Spritsparen unterstützen. „Auch ein Jobticket kann eine Lösung sein“, schlägt die Expertin vor.
Wegen der teuren Spritpreise entstehen für betroffene Haushalte Mehrkosten von durchschnittlich 1,2 Prozent des monatlichen Nettoeinkommens, sagt Ines Lukic-Zjajo. Weitere Mehrkosten von 0,3 Prozent des Haushaltseinkommens würden durch die Spritpreisbremse verhindert.
„Jeder Cent mehr beim Sprit trifft die Menschen direkt“, warnt Landtagsabgeordneter Sandro Waldmann, Verkehrssprecher der FPÖ. „Bei einem täglichen Arbeitsweg von 60, 80 oder 100 Kilometern summiert sich das schnell auf einen dreistelligen Betrag pro Monat.“ Das treffe besonders Familien mit mittlerem Einkommen, die auf ihr Auto angewiesen sind.
Einen Spritpreisdeckel von 1,50 Euro pro Liter Treibstoff fordert der ARBÖ, der ebenso wie das Pendlerforum Burgenland für eine Reform des Pendlerpauschales auf einen kilometerbezogenen Absetzbetrag eintritt. Eine einkommensunabhängige und kilometergenaue Pendlerpauschale fordert auch der ÖAMTC. Und die Arbeiterkammer verlangt, dass die aktuellen Preisentwicklungen an den Tankstellen laufend überprüft werden. Sinkende Rohölpreise müssten korrekt an der Zapfsäule weitergegeben werden.
Die Bundesregierung habe mit der Spritpreisbremse eine Entlastung von zehn Cent pro Liter angekündigt, „in der Praxis wird dieser Effekt aber oft schnell von neuen Preissteigerungen aufgezehrt“, stellt FPÖ-Politiker Waldmann fest. Er befürchtet, dass die Situation angespannt bleibt.
„Die aktuelle weltpolitische Lage zeigt deutlich: Abhängigkeit ist ein Risiko“, meint Kevin Friedl vom Pendlerforum. Gerade im Energiebereich brauche es daher mehr Unabhängigkeit.