Silvia Fruhmann wurde Botschafterin für Biodiversität

Einzige Burgenländerin

Silvia Fruhmann soll Wissen zu Biodiversität und Nachhaltigkeit vermitteln.

Von Elisabeth Tritremmel

Silvia Fruhmann, Carmen Petutschnig-Erschen (Kärnten) , Michael Halbfurter (Osttirol), Alois Kiegerl (Weststeiermark) und Irene Lüdemann (Niederösterreich) wurden zu den diesjährigen Biodiversitäts-Botschafter:innen gekürt. Foto: Jolanda Tomaschek

Silvia Fruhmann, Carmen Petutschnig-Erschen (Kärnten) , Michael Halbfurter (Osttirol), Alois Kiegerl (Weststeiermark) und Irene Lüdemann (Niederösterreich) wurden zu den diesjährigen Biodiversitäts-Botschafter:innen gekürt. Foto: Jolanda Tomaschek

© Jolanda Tomaschek

KARL Fünf Bäuerinnen und Bauern wurden vor Kurzem zu Österreichischen Biodiversitäts-Botschaftern gekürt. Sie wurden von einer Fachjury gewählt. Aus dem Burgenland mit dabei ist Silvia Fruhmann aus Karl. „Ich freue mich sehr über diese Auszeichnung, weil damit meine bisherigen Erfolge für die Biodiversität gewürdigt werden“, meint sie.

Als Botschafterin soll sie nun ein Jahr lang Wissen zu mehr Biodiversität und nachhaltigem Wirtschaften am Bauernhof vermitteln. Silvia Fruhmann plant hier etwa ein Feuchtbiotop auf dem Betrieb zu etablieren. „Ich habe bereits Vögelnisthilfen montiert und auch für meine Kunden zur Verfügung gestellt. Auch zusätzliche Fledermausnistkästen werde ich anbringen. Besonders wichtig sind die Vielfalts-Programme bei Schule am Bauernhof, wie zum Beispiel ,Fliegende Freunde, gemma auf die Wiese schauen'“, erklärt die Karlerin. Für sie ist Biodiversität die Grundlage für eine enkeltaugliche Landwirtschaft und auch Basis für einen resilienten, vielfältigen Lebensraum.

Die Wahl der Biodiversitäts-Botschafter fand dieses Jahr bereits zum fünften Mal statt. Seit Projektstart wurden in Österreich aus einem Pool von 140 Teilnehmenden 25 Bäuerinnen und Bauern gewählt. Kriterien für die Auswahl der Biodiversitäts-Botschafter sind insbesondere, dass die Betriebe ökologisch wie ökonomisch nachhaltige Landwirtschaft betreiben, sie einen wesentlichen Beitrag für den Erhalt und die Förderung der Biodiversität auf ihrem Betrieb leisten und bereit sind, ihr Wissen zu teilen. „Die extreme Trockenheit diesen Frühling zeigt, dass die österreichische Landwirtschaft stark vom Klimawandel betroffen ist und wir landwirtschaftliche Praktiken neu denken müssen. Genau das tun unsere Biodiversitäts-Botschafter und sie sind somit Vorreiter einer nachhaltigen Landwirtschaft. Sie zeigen auch, dass eine erfolgreiche Klimawandel-Anpassung Hand in Hand mit dem Schutz von Biodiversität geht“, sagt Projektkoordinatorin Johanna Frangež.

„Biodiversität war zu allen Zeiten wichtig. Gott sei Dank ist sie ist aber in den vergangenen Jahren wieder mehr in den öffentlichen Diskurs gekommen, leider auch deshalb, weil dort, wo sie fehlt, die negativen Auswirkungen unübersehbar sind. Miteinander und füreinander müssen wir vielfältige Lebensräume, Trittsteine und Vernetzungsmöglichkeiten schaffen oder einfach nur zulassen“, ist Silvia Fruhmann überzeugt. Dazu gehöre etwa auch, keine Angst vor dem „wilden Eck“ mit Brennnessel zu haben, wo Schmetterlinge wie Tagpfauenauge, kleiner Fuchs, Admiral ihren Lebensraum haben. „Käfer brauchen Totholz, abgestorbene Äste dürfen in der Streuobstanlage liegen bleiben, stehendes Totholz wird vom Hirschkäfer, Eremiten, Bockkäfer, usw. benötigt. Deren Entwicklungszyklus dauert mehrere Jahre und die Zeitspanne als Käfer ist erstaunlich kurz“, führt sie aus.

Silvia Fruhmann hat 2009 mit ihrem Mann den Betrieb in Karl von seinen Eltern übernommen und zunächst im Nebenerwerb biologisch bewirtschaftet. „Mittlerweile liegt der Erwerbsschwerpunkt in der vielfältigen Gemüseproduktion für die Direktvermarktung. Ich bin jetzt im fünften Jahr hauptberuflich in der Landwirtschaft tätig. Mit zunehmendem Interesse am Bodenleben kam auch die Motivation, sich mit dem Leben oberhalb der Erde zu beschäftigen. Beides kann nur gemeinsam verstanden werden. Biodiversität und Nachhaltigkeit ist in der biologischen Landwirtschaft allgegenwärtig und kein Werbeslogan zum Selbstzweck. Wir brauchen die Artenvielfalt, um weiterhin gut wirtschaften zu können. Vielfaltige, ressourcenschonende Anbauweisen sichern mein Einkommen in Zeiten der Klimaveränderung und sind die Grundlage für den Ertrag zukünftiger Generationen“, so Fruhmann.