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Harald Serafin ist tot: Trauer um „Mister Wunderbar“ vom See
Er wurde 93 Jahre alt
Er war eine der prägenden Persönlichkeiten der Kulturszene und als Intendant der Seefestspiele Mörbisch 20 Jahre lang charmanter Gastgeber mit Witz. Bis zuletzt war Harald Serafin mit seiner Familie zu Gast am See, jetzt ist der Schauspieler und Sänger im Alter von 93 Jahren verstorben.
Harald Serafin, hier bei der Enthüllung seiner Büste bei der Seebühne Mörbisch im Jahr 2022, ist am Montag im Alter von 93 Jahren verstorben.
© BVZ/Wagentristl
Er war einer der Publikumslieblinge des Landes, für das Burgenland war er in der „Rolle“ des See-Intendanten zwei Jahrzehnte lang leidenschaftlicher Kulturbotschafter. Harald Serafin ist heute, Montag, in den frühen Morgenstunden in Wien verstorben. In Trauerbekundungen wird das Wirken Serafins für die Bühne und für das Burgenland gewürdigt.
BVZ-Redakteurin Nina Mayer hat Harald Serafin mit Gattin Ingeborg und Sohn Daniel erst im Juli für eine Porträt über die Künstler-Familie getroffen:
Der langjährige Intendant der Seefestspiele Mörbisch, geboren am 24. Dezember 1931, war als Sänger, Schauspieler und Entertainer über Jahrzehnte erfolgreich, erreichte ein Publikum im ORF wie auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Und noch im hohen Alter gewann er als milder „Dancing Stars“-Juror mit dem Ausruf „Wunderbar!“ die Herzen eines jüngeren Publikums.
Geboren wurde Harald Serafin in Litauen; seine Mutter stammte aus Salzburg, der Vater war Italiener. Die liebenswerte Art und das Temperament habe er von seinen Eltern, erinnerte Serafin gern. Diese flüchteten nach der Besetzung Litauens 1939 nach Ostpreußen, 1944 flüchteten sie abermals vor den Russen und ließen sich im deutschen Bamberg nieder.
Serafin, der auf Wunsch der Eltern Arzt werden sollte, schmiss sein Studium nach einigen Semestern hin. Stattdessen erfüllte er sich einen Traum und ging an die Hochschule für Musik in Berlin und an das Konservatorium in Nürnberg, wo er sich zum Opernsänger ausbilden ließ. Bald wurden die Bühnen und Stars auf ihn aufmerksam. Otto Schenks Inszenierung des Operettenklassikers „Fledermaus“ mit Serafin in der Rolle des Eisenstein markierte einen Wendepunkt in der künstlerischen Entwicklung, bald war er als „singender Bonvivant“ der Operette bekannt.
Bühnengeschichte schrieb Serafin mit seiner Darstellung des Danilo in der „Lustigen Witwe“, die er erstmals in der Inszenierung Schenks an der Frankfurter Oper gab. Über 1.700 Mal sollte er sie weltweit singen. Auftritte in zahlreichen Opernhäusern, Konzertreisen in die USA und nach Japan folgten ebenso wie Schallplattenaufnahmen und Auftritte in Fernsehsendungen.
1989 musste sich Serafin einer Stimmbandoperation unterziehen und gab das Singen für eine längere Zeit auf. 1992 übernahm er die Seebühne Mörbisch. Im Lauf seiner Intendanz machte er die Seefestspiele zum sprichwörtlichen „Mekka der Operette“. Pro Saison kamen bald bis zu 220.000 Besucher nach Mörbisch. Serafin stand oft auch selbst auf der Seebühne. In seinen berühmten Ansprachen vor Premieren ließ es sich der Entertainer nicht nehmen, launige Ansagen zu machen und auch Gäste aufs Korn zu nehmen.
Nachrufe aus dem Burgenland: „Eine unverwechselbare Galionsfigur“
Landeshauptmann Hans Peter Doskozil zeigt sich tief betroffen und würdigte Harald Serafin für seine Kulturarbeit im Burgenland: „Die einzigartige Erfolgsgeschichte der Seefestspiele Mörbisch ist bis heute untrennbar mit Harald Serafin verbunden. In den zwei Jahrzehnten seiner Intendanz hat er eine kulturelle Höchstleistung erbracht und die Seebühne Mörbisch weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt gemacht. Er hat mit Leidenschaft, Herzblut und unerschütterlichem Einsatz über Jahrzehnte hinweg Kulturgeschichte geschrieben.“
„Mit Harald Serafin verlieren wir nicht nur einen großartigen Künstler, sondern auch einen außergewöhnlichen Menschen und eine Galionsfigur für das Kulturland Burgenland“, so Doskozil weiter. „Er wird uns als grandioser Kammersänger, großartiger Entertainer, Liebling der Nation und `Mister Wunderbar` in Erinnerung bleiben.“ Mit einer Bronzebüste in Mörbisch hat sich das Land Burgenland vor zwei Jahren nochmals bei Harald Serafin für sein Wirken bedankt, das sei dem Landeshauptmann ein wichtiges Anliegen gewesen, um dem Jahrhundert-Intendanten ein bleibendes Denkmal zu schaffen.
„Wir verlieren nicht nur einen herausragenden Künstler, sondern auch eine Persönlichkeit, die über Jahrzehnte die kulturelle Landschaft des Burgenlandes geprägt hat“, sagte Grünen-Klubobmann Wolfgang Spitzmüller zum Ableben der Bühnenlegende. „Ein Mann der Kultur, der Seitenblicke, aber auch des Burgenlandes ist nach einem mehr als erfolgreichen Leben von uns gegangen. Wir drücken den Hinterbliebenen unser herzliches Beileid aus.“
Für ÖVP-Landesparteiobmann Christoph Zarits war Harald Serafin ein „Botschafter der Freude und der kulturellen Identität des Burgenlandes“, wie er in seinem Nachruf schreibt: „Besucherrekorde, kreative Inszenierungen und eine spürbare Leidenschaft für das Genre Operette zeichneten ihn ebenso aus wie seine Bühnenpräsenz, sein Humor, seine Liebe zur Musik und sein stets menschlicher Zugang. All das wird unvergessen bleiben.“
„Nach seiner Übernahme der künstlerischen Leitung im Jahr 1992 gelang Harald Serafin eine bemerkenswerte Transformation“, erinnert sich FPÖ-Kultursprecher Christian Ries an die Erfolge Serafins: „Von damals etwa 50.000 Besuchern jährlich entwickelte er die Seefestspiele zu einer kulturellen Institution, die in Qualität, Ambiente und Publikumsbindung neue Maßstäbe setzte. Unter seiner Intendanz wurden Bühne, Zuschauertribüne und Infrastruktur modernisiert und erweitert, die Zuschauerzahl wuchs beständig. Mörbisch wurde so zum Synonym für Operettenkunst auf höchstem Niveau im Burgenland.“
Weitere Stimmen in memoriam Harald Serafin
Bundeskanzler Christian Stocker: „Mit Harald Serafin hat heute ein ganz großer Österreicher die Bühne für immer verlassen. Wie kaum ein anderer hat er den Aufschwung der österreichischen Kulturszene in der Nachkriegszeit beflügelt und den Menschen die heimische Kultur auf unzähligen Ebenen näher gebracht.“
Kulturminister Andreas Babler: „Harald Serafin war eine prägende Persönlichkeit der österreichischen Nachkriegskultur. Er war nicht nur ein begnadeter Sänger und Kulturmanager, sondern ein wahrer 'Entertainer des Lebens', der mit unvergleichlicher Eleganz Lebensfreude, Stil und Humor verkörperte. Damit berührte und begeisterte er viele Generationen.“
Wiens Bürgermeister Michael Ludwig: „Harald Serafin hat nicht nur - quasi aus dem Nichts - die Seefestspiele Mörbisch zum Zentrum der Operette gemacht, sondern auch die Wiener Theaterlandschaft immens aufgewertet.“
Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler: „Harald Serafin hat mit Charme, Freude und Überzeugungskraft sein Publikum zu begeistern gewusst. Eine Ausnahmepersönlichkeit, die auf faszinierende Weise die Kunst der Unterhaltung beherrschte.“
Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner: „Die Gespräche mit Harald Serafin waren immer 'wunderbar'. Er hat Zeit seines Lebens Lebensfreude vermittelt und diese Lebensfreude auf der Bühne wie im persönlichen Miteinander spürbar gemacht. Wir verneigen uns vor einem großen Künstler und sagen Danke für unzählige unvergessliche Momente.“
Karl Mahrer, Kultursprecher der Wiener Volkspartei: „Mit Harald Serafin verliert Österreich nicht nur einen herausragenden Künstler, sondern auch eine unverwechselbare Stimme der Kultur. Als Sänger, Schauspieler, Entertainer und langjähriger Intendant der Seefestspiele Mörbisch hat er Generationen begeistert und die heimische Kulturlandschaft entscheidend geprägt.“
Grüner Kultursprecher Werner Kogler: „Mit großer Betroffenheit habe ich vom Tod Harald Serafins erfahren. Er hat Operette gelebt, geprägt und erklärt - als Künstler, als Brückenbauer zwischen Publikum und Kultur und als unverwechselbare Persönlichkeit von Strahlkraft.“
Wiens FPÖ-Chef Dominik Nepp: „Er hat es geschafft, der Operette neues Leben einzuhauchen und damit Generationen für diese Kunstform zu begeistern. Sein Engagement für die österreichische Kulturlandschaft war einzigartig und hat bleibende Spuren hinterlassen.“