Gedenken an Opfer des Holocaust: Neusiedl hält Erinnerung wach

Erinnerungskultur

In Neusiedl am See stand auch heuer das Gedenken an jene Menschen aus der Stadt im Mittelpunkt, die Opfer des Holocaust wurden. Rund um den 27. Jänner, den Internationalen Holocaust-Gedenktag, fand erneut eine Gedenkfeier statt. Seit der Errichtung einer Gedenktafel im Jahr 2021 ist dieses Erinnern ein fixer Bestandteil des lokalen Gedenkjahres.

Von Von Birgit Böhm-Ritter

Historiker Michael Hess, Eva Mannsberger (Obmannstellvertreterin Verein Neusiedler Stadtarchiv) Bürgermeisterin Elisabeth Böhm, Ferry Janoska, Johanna Ensbacher, Stadtpfarrer Gabriel Kozuch, Inge Berger (Verein Neusiedler Stadtarchiv) und Martin Pieber (Obmann Verein Neusiedler Stadtarchiv)

Historiker Michael Hess, Eva Mannsberger (Obmannstellvertreterin Verein Neusiedler Stadtarchiv) Bürgermeisterin Elisabeth Böhm, Ferry Janoska, Johanna Ensbacher, Stadtpfarrer Gabriel Kozuch, Inge Berger (Verein Neusiedler Stadtarchiv) und Martin Pieber (Obmann Verein Neusiedler Stadtarchiv)

© Stadtgemeinde Neusiedl am See

Am 25. Jänner versammelten sich Besucherinnen und Besucher in der Stadtpfarrkirche Neusiedl am See zu einer Gedenkfeier anlässlich der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau. Das Datum wird dabei jedes Jahr bewusst in zeitlicher Nähe zum 27. Jänner gewählt, dem Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust.

Inhaltlich richtet sich der Blick jedoch vor allem auf die lokale Geschichte. Im Mittelpunkt standen 42 Menschen aus Neusiedl am See, die während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, deportiert und ermordet wurden. Ihre Namen wurden verlesen - Historiker, Geistliche und Zeitzeugen erinnerten in ihren Beiträgen an individuelle Lebenswege und machten deutlich, dass die nationalsozialistischen Verbrechen auch die Stadt unmittelbar betrafen.

Organisiert wurde die Gedenkfeier vom Verein Neusiedler Stadtarchiv in Zusammenarbeit mit der Stadtpfarre Neusiedl am See. Die musikalische Gestaltung übernahmen die Männerschola Neusiedl am See, Musikschuldirektorin Johanna Ensbacher sowie der Musiker und Komponist Ferry Janoska.

Untrennbar mit der jährlichen Gedenkfeier verbunden ist die Holocaust-Gedenkstätte im Kirchenpark von Neusiedl am See. Der Verein Neusiedler Stadtarchiv initiierte die Errichtung der Gedenktafel im Jahr 2021 bewusst im Zentrum der Stadt.

Die gläserne, beleuchtete Tafel befindet sich in einer Nische an der Mauer zum Pfarrgarten. Sie erinnert an 42 namentlich bekannte Opfer aus Neusiedl am See: 24 Jüdinnen und Juden, 13 Euthanasieopfer sowie vier Roma. Der Historiker Martin Pieber recherchierte ihre Lebensgeschichten. Drei Symbole – Judenstern, Roma-Rad und die Chiffre „T 4“ für die Opfer der nationalsozialistischen Euthanasie – stehen für die verfolgten Gruppen. Ein QR-Code ermöglicht den Zugang zu weiterführenden Informationen.

Mit der Einweihung der Gedenktafel war von Beginn an der Anspruch verbunden, das Erinnern dauerhaft zu verankern. „So wie es zu Allerheiligen regelmäßig Gedenkfeiern für die Gefallenen bei den Kriegerdenkmälern gibt, so sollte man auch den Holocaust-Opfern regelmäßig in Neusiedl gedenken“, das sagte Initiator Martin Pieber anlässlich der Einweihung der Tafel vor fünf Jahren.

Dieser Gedanke prägt die Gedenkfeiern bis heute. Jedes Jahr rund um den 27. Jänner lädt der Verein Neusiedler Stadtarchiv seither zum Gedenken ein. Bürgermeisterin und Landtagsabgeordnete Elisabeth Böhm würdigte dieses Engagement: „Die jährliche Gedenkfeier des Vereins Stadtarchiv leistet einen wichtigen Beitrag gegen das Vergessen und hält die Erinnerung an die Opfer wach. Mein Dank gilt allen, die dazu beitragen, die Erinnerung an diese Zeit lebendig zu halten.“