Ex-Geliebte angeklagt: Arzt fühlt sich um Wohnung betrogen

Bezirk Neusiedl

Er sei die große Liebe ihres Lebens geweisen, sagte die 65-jährige Angeklagte über jenen Arzt, der sie wegen schweren Betrugs anzeigte.

Von Elisabeth Kirchmeir

Die 65-jährige Rezeptionistin bekannte sich zum Betrugsvorwurf nicht schuldig.

Die 65-jährige Rezeptionistin bekannte sich zum Betrugsvorwurf nicht schuldig.

© BVZ/Kirchmeir

120.000 Euro hatte der wohlhabende ungarische Arzt 2020 von einem Konto bei einer Bank im Bezirk Neusiedl auf das Konto der 65-jährigen Rezeptionistin überwiesen. Sie habe ihm versprochen, so der Arzt, um das Geld eine Wohnung zu kaufen. Diese werde sie verwalten und vermieten, sie würden sich den Mieterlös teilen.

Doch dazu kam es nicht. Die Frau verkaufte die Wohnung wieder und steckte das Geld in eine eigene Wohnung. Jetzt muss sie sich wegen schweren Betrugs vor Gericht verantworten. Der Prozess findet am Landesgericht Eisenstadt statt, weil die Überweisungen für den Wohnungskauf im Burgenland stattgefunden hatten.

Der Prozess begann am 23. April 2024 mit der zweieinhalbstündigen Einvernahme der Angeklagten. Sie ist ungarische Staatsbürgerin und arbeitet in einem Hotel in Kärnten.

„Sie hatte nie die Absicht, das Investment mit dem Arzt durchzuführen“, hielt die Staatsanwältin ihr vor.

Verteidigerin sprach von „netflixartigen“ Geschehnissen

Von einer „fast netflixartigen Geschehnisreihe“ sprach die Verteidigerin. Ihre Mandantin habe gerade ihren Sohn verloren, er sei an einer Tumorerkrankung verstorben, als sie 2018 an einem Klassentreffen teilnahm.

Bei diesem Klassentreffen anlässlich der 40 Jahre zurückliegenden Matura traf die Frau „die Liebe ihres Lebens“ wieder. „Es hat total gefunkt und sie waren zusammen“, berichtete die Verteidigerin.

Dass der Arzt verheiratet war, wusste die Angeklagte. Der Kontakt sei auch während der 40 Jahre nach der gemeinsamen Schulzeit nie abgebrochen. Es folgten gemeinsame Reisen nach Dubai, Portugal, in die Türkei, nach Athen und nach Thailand. Gegenüber seiner Frau soll der Arzt behauptet haben, er besuche Ärztekongresse. „Sie hatte die schönste Zeit ihres Lebens, sie waren glücklich zusammen“, schilderte die Verteidigerin die Stimmung.

Arzt hatte in den Vereinigten Arabischen Emiraten gut verdient

Der Arzt habe ihrer Mandantin versprochen, er werde sich scheiden lassen und sie heiraten. In den Vereinigten Arabischen Emiraten soll der Arzt gut verdient haben. „Er hatte genug Vermögen, um spendabel zu sein“, so die Verteidigerin.

Die Wohnung, sagte sie weiter, sei eine Schenkung an ihre Mandantin gewesen. „Es ist die Wahrheit, die Sie spüren“, wandte sie sich an die Schöffinnen. „Das Geld wurde ihr geschenkt, um eine Immobilie zu kaufen, die sie vielleicht gemeinsam bewohnen würden.“

Doch dann drehte sich der Wind: „Wir sind ungefähr bei Episode sechs dieser Netflixserie“, sprach die Verteidigerin weiter. „Sie machten eine Reise nach Barcelona und sie merkte, er wird sich nicht scheiden lassen.“ Wieder zurück in Kärnten, erreichte ein Anruf des Arztes die Rezeptionistin: „Die Scheidung wird nicht möglich sein.“ Die Frau des Arztes habe damit gedroht, „sich vor den Zug zu schmeißen und ihn wirtschaftlich fertigzumachen“.

Exekutor und Privatdetektiv sollen der Ex-Geliebten aufgelauert sein

Der Arzt habe dann einen Exekutor und Privatdetektiv beauftragt, der vor der Tür der Angeklagten gelauert sei und sie aufgefordert habe, „Zettel zu unterschreiben“.

Sie sei „nicht schuldig“, sagte dann die Angeklagte. Sie kenne den Arzt aus der gemeinsamen Schulzeit, bei dem Klassentreffen im Mai 2018 habe es „wieder gefunkt“. Sie berichtete von den gemeinsamen Reisen und den als Alibis vorgetäuschten Ärztekongressen.

Der Wohnungskauf im August 2020 „kann nur seine Idee gwesen sein“, meinte sie. Der Arzt habe sie gebeten, eine Wohnung zu suchen, „wo wir dann wohnen können, wenn er sich scheiden lässt“, sagte die Angeklagte. Sie fand eine Zweizimmer-Wohnung in Kärnten, vier oder fünf Kilometer von ihrem Arbeitsplatz entfernt. „Es war seine Idee, dass er mir aus Liebe eine Wohnung schenkt.“ Der Arzt habe sie damit „glücklich machen“ wollen.

Angeklagte behauptete: „Er hat mir die Wohnung geschenkt“

Es sei nicht geplant gewesen, durch Vermietung der Wohnung irgendeinen Nutzen zu ziehen, behauptete die Angeklagte.

Im August 2022 sei sie mit dem Arzt in Barcelona gewesen. „Es war alles sehr schön, ich merkte aber, er war nicht mehr die gleiche Person“, erzählte die Angeklagte. Als sie wieder in Kärnten war, habe der Arzt sie angerufen. Sein Sohn habe „einen Blödsinn“ gemacht, er brauche Geld, sie solle ihm die 120.000 Euro überweisen. „Er sagte, wenn ich nicht überweise, ist das das Ende unserer Beziehung und wir werden uns vor Gericht sehen“, berichtete die Angeklagte.

Das war Anfang September 2022. „Seit diesem Zeitpunkt habe ich nicht mehr mit ihm geredet“, sagte die 65-Jährige. Im April 2023 habe sich eine „Eintreibungsfirma“ bei ihr gemeldet, sie habe sich aber geweigert, seine Forderungen zu unterschreiben.

Der als Zeuge befragte Arzt blieb vor Gericht bei seiner Darstellung: Die Geliebte habe ihm das Immobilienprojekt als lukrative Investition präsentiert. Er wolle den gesamten Betrag von 120.000 Euro zurückhaben.

Der Prozess wurde vertagt, weil sowohl die Verteidigung als auch die Staatsanwältin zusätzliche Zeugen beantragten.