Mit einer österreichisch-ungarischen Gedenkfeier wurde am Samstag an der Brücke von Andau an den Ungarischen Volksaufstand vor 70 Jahren erinnert. Im Mittelpunkt standen die Flucht tausender Menschen und die große Hilfsbereitschaft der Bevölkerung.
Christophorus 18: "Lebensrettung ist Teamarbeit"
Stützpunkt Frauenkirchen
Der neue Stützpunkt des Rettungshubschraubers Christophorus 18 in Frauenkirchen (Bezirk Neusiedl) wurde am Beginn des Vorjahres feierlich eröffnet. Der Basemanager Thomas Wagner gibt Auskunft, wie das erste Jahr lief.
Die Crew des C18 bei der Stützpunkteröffnung in Frauenkirchen mit Basemanager Thomas Wagner (1.v.l. vorne).
© Klaus Zwinger
BVZ: Herr Wagner, wie sind Sie zu Ihrer Position als Basemanager in Frauenkirchen gekommen?
Thomas Wagner: Ich kann auf über 20 Jahre Erfahrung in der prä- und innerklinischen Notfallmedizin zurückblicken. Über das mehrstufige Bewerbungsverfahren und Assessmentcenter bin ich dann zur ÖAMTC Flugrettung gekommen. Zu Beginn meiner Tätigkeit war ich mitverantwortlich für den Christophorus 33 in Wiener Neustadt in der Funktion des leitenden Flugretters. Ab Projektbeginn Christophorus 18 durfte ich die Planungs- und Bauphase sowie die operative Umsetzung und Inbetriebnahme begleiten.
Wie lange waren Sie zuvor in Wiener Neustadt?
Wagner: Ich habe 2016 am Flugrettungszentrum Wiener Neustadt begonnen, und bin 2025 Base Manager in Frauenkirchen geworden. Am 1. April 2024 starteten wir mit Christophorus 18 vom interimistischen Standort Wiener Neustadt, welcher umgehend das Einsatzgebiet Nord- und Mitt
Ursprünglich war der Standort ja nicht bei Frauenkirchen geplant, sondern in der Nähe des Friedrichshof bei Zurndorf. Was macht Frauenkirchen aus Ihrer Sicht zum besseren Standort?
Wagner: Wir können im Nordburgenland von verschiedenen Standorten die Region und die umliegende Region sehr gut versorgen. Wir sind jetzt sehr glücklich, zwischen Mönchhof und Frauenkirchen stationiert zu sein. Es gibt eine sehr gute regionale Anbindung. Die Lage zwischen Mönchhof und Frauenkirchen ist insofern sehr gut, weil der Stützpunkt außerhalb der Ortschaften liegt. An diesem Standort sind wir im Herzen unseres Einsatzgebietes und stören wir nicht. Außerdem gibt es in unmittelbarer Nähe keine Freileitungen, Hochspannungsleitungen oder Windräder, auch aus diesem Grund wurde der Standort so ausgesucht.
Jetzt gab es allein in den ersten neun Monaten schon über 1.000 Einsätze. War der Bedarf überraschend oder sah man das kommen?
Wagner: Ja, um die 1.000 Einsätze im Jahr ist in etwa die Kennzahl, die erwartet wurde. Natürlich wird eine Neustationierung eines Notarzthubschraubers von der bereits existierenden notfallmedizinschen Landschaft dann auch immer gut angenommen. Wir konnten mit der Neustationierung von Christophorus 18 die notfallmedizinische Versorgung in der Region verbessern.
Der Stützpunkt im Frauenkirchen ist als erster in Österreich mit einer sogenannten Hygieneschleuse ausgestattet worden. Was für einen Unterschied macht das für die Crew, ob es so eine gibt oder nicht?
Wagner: Wir haben unsere Lehren aus der Pandemiezeit gezogen. Wir sind gerüstet für hoffentlich nicht kommende andere Herausforderungen in diese Richtung und deswegen haben unsere neuen Stützpunkte alle Hygieneschleusen. Das ermöglicht der Crew eine rasche Dekontamination der Kleidung und natürlich von einem selber. Das heißt, der Stützpunkt wird dann hygienisch betreten. Die ÖAMTC Christophorus Flugrettung arbeitet nach einem Hygienemanual, das genau vorgibt, welche Hygienemaßnahmen bei welcher Erkrankung oder eben Infektionen anzuwenden sind. Und dazu braucht es eben unter anderem auch so eine Hygieneschleuse.
Das heißt, wenn wir zum Vergleich zum Beispiel Wiener Neustadt heranziehen, ist auf alle Fälle zumindest eine Zeitersparnis, wenn das Gleiche erledigt werden muss?
Wagner: Genau, wobei Wiener Neustadt keine Hygieneschleuse baulich hat, aber die Hygienemaßnahmen werden dann im Außenbereich vorgenommen. Das ist jetzt nicht besser oder schlechter, aber wenn wir schon die neueste Infrastruktur in Österreich haben als neuesten Standort, dann ist es natürlich baulich wichtig, dass man eine Hygieneschleuse vorsieht.
Es gibt in Frauenkirchen beim Stützpunkt auch einen eigens aufgeschütteten Hügel, wo Trainingsmanöver geübt werden können. Wie regelmäßig ist denn das Training für die Besatzung, beziehungsweise was wird dort konkret geübt?
Wagner: Unsere Crew hat je nach Berufsgruppe unterschiedliche regelmäßige Checks und Trainings zu absolvieren. Wenn wir jetzt kurz auf diesen Hügel eingehen, wird dieser für das Standard Operating Procedure Anstützen genutzt. Das wäre ein Verfahren, wo der Hubschrauber mit einer Kufe im steilen oder unwegsamen Gelände sich sozusagen mit der einen Kufe ans Gelände anstützt und dadurch die Crew schneller zum Notfallort gebracht werden kann und so erfolgt dann auch wieder die Aufnahme. Wir haben einerseits Trainings und Checks, die wir am Stützpunkt absolvieren, aber einsatztaktische Intensivtrainings finden stützpunktübergreifend in unseren Trainingsgeländen statt, beziehungsweise geht es dann soweit eben bis hin zur Cockpitassistenz, welche am Flugsimulator trainiert werden.
Wo liegen diese Trainingsgelände?
Wagner: Also einerseits trainieren wir im Übungsgelände Hochfilzen in Tirol, andererseits trainieren wir in der Region Wiener Neustadt. Dort stehen uns auch unterschiedliche Außenflächen zur Verfügung, wo wir dann reale Einsatzszenarien trainieren und ausbilden können.
Wieviele Piloten, Flugretter und Notärzte sind denn regelmäßig in Frauenkirchen stationiert, beziehungsweise wie wie organisiert man da den Bereitschaftsdienst, damit man da quasi rund um die Uhr einsatzfähig ist?
Wagner: Also wir haben zwei bis vier Piloten am Standort. Dann haben wir acht Flugretter, darunter ist auch die zweite weibliche Flugretterin in ganz Österreich, was uns besonders freut und darüber hinaus haben wir 14 FlugrettungsärzteInnen. Die haben alle einen separaten Dienstplan, der schon Monate im Vorhinein geplant wird. Christophorus 18 steht in der Dienstzeit von 7 bis 20 Uhr oder eben im Sommer bis zur Finsternis zur Verfügung. Die übrigen Nachtstunden übernehmen dann andere Maschinen wie zum Beispiel der Christophorus 2 aus Krems oder die steirischen Hubschrauber Christophorus 14 und 17.
Der Standort des Stützpunkts ist rund 1,5 Kilometer vom nächsten Wohngebiet in Frauenkirchen entfernt. Wie sieht da die Zusammenarbeit mit der Stadtgemeinde aus, beziehungsweise wie ist das Verhältnis zu den Anrainern - gibt es da Beschwerden, gibt es Berührungspunkte mit der Gemeinde, die gepflegt werden?
Wagner: Wir sind mit der regionalen Politik regelmäßig in Abstimmung, ebenso auch mit der lokalen Bevölkerung. Demnächst haben wir auch einen Tag der offenen Tür in Frauenkirchen geplant. (Termin 30.05.2026, 10-16h). So etwas zu veranstalten ist gar nicht so einfach, weil wir natürlich ein Flugplatz und kritische Infrastruktur sind. Wir wollen gerne der burgenländischen Bevölkerung unseren neusten Standort zeigen. Lärmbeschwerden gab es nur sehr wenige am Anfang, aber die konnten mit veränderten Anflugrouten und Flughöhen geklärt werden
Der Christophorus 18 wird ja neben Primäreinsätzen auch für dringende Verlegungen zwischen Krankenhäusern eingesetzt. In welchem der beiden Einsatzbereiche fanden bislang mehr Flüge statt?
Wagner: Also der Hauptteil der Einsätze sind Primäreinsätze. Das sind einerseits Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems bis hin zum Schlaganfall, schwere Verkehrsunfälle, Unfälle im Sport und Freizeitbereich. Wir führen auch Sekundärteinsätze durch, d.h. wir bringen Patienten unter vollständiger Therapie und Überwachung aus „kleineren“ Krankhäusern in Schwerpunktzentren. Die Überwindung hoher Transportdistanzen in rascher Geschwindigkeit ist hier mit dem See in der Mitte ja auch ein Thema.
Bezüglich der Zukunft des Stützpunkts - gibt es Bereiche, in denen technische Weiterentwicklungen noch möglich wären, beziehungsweise gibt es zusätzliche Ressourcen, die helfen könnten, dass die Versorgung im Nordburgenland weiter verbessert wird?
Wagner: Lebensrettung ist Teamarbeit, das heißt entscheidend ist die Zusammenarbeit mit unseren starken Partnern (Land Burgenland, Landessicherheitszentrale Burgenland, Rettungsdienste, Krankenhäuser, Ärzte im niedergelassenen Bereich, extramurale Dienste). Wir ziehen alle an einem Strang um die optimale Versorgung für unsere Patienten zu erzielen. Selbstverständlich wünsche ich mir, dass alle unsere Crews wieder gut und Heil von den Einsätzen zurückkommen. Bei nicht flugfähigem Wetter soll es zukünftig auch ein eigenes Notarzteinsatzfahrzeug am Standort geben.
Und wenn man noch weiter in die Technik schaut und in die Zukunft, dann sind es Maschinen mit Vier-Achsen-Autopiloten beziehungsweise auch mit Point-In-Space-Verfahren. Also das wäre dann das Themenfeld Instrumentenflug. Also das Fliegen bei keiner oder schlechter Außensicht nach einem gewissen Verfahren. Die ÖAMTC Flugrettung beschäftigt sich sehr stark mit diesem Entwicklungsfeld, das wäre also ein Blick in die Zukunft. An anderen Standorten wird bereits schon z.B. das Nebeldurchstoßverfahren angewandt. Damit könnte man eine Nebeldecke durchstoßen und oben drüber zum Notfallort beziehungsweise zum Krankenhaus und wieder zurück zum Standort fliegen.
Zum Abschluss: Wie haben Sie das erste Jahr hier am neuen Stützpunkt hier in Frauenkirchen mit Ihrer Crew erlebt?
Wagner: Wir sind von Anfang an mit dem neuen Standort Christophorus 18 in Frauenkirchen herzlich willkommen geheißen worden, das freut uns sehr.
Außerdem ist die Zusammenarbeit mit dem Land Burgenland, mit der Landessicherheitszentrale, mit den Partnern, Krankenhäusern und Rettungsdiensten ausgezeichnet. Lebensrettung ist Teamarbeit, und nur wenn wir alle zusammenarbeiten, kann das gut funktionieren. Wir selbst sind ein wichtiger Teil in der Kette, aber eben nur ein Teil. Und diese beginnt schon bei der Bevölkerung, wenn jemand einen Notfall bemerkt, einen Notruf absetzt und Erste Hilfe leistet.