Warum ist Valentina Mädl nicht teamfähig?
Frauenfussball
Österreichs Frauen-Nationalteam verlor am Dienstag in Nürnberg 1:5 und spielt am Samstag gegen Deutschland in Ried. Warum Valentina Mädl nicht dabei ist.
Valentina Mädl hat Erfahrung auf der großen Fußballbühne, wurde in St. Pölten gefeiert für ihr Tor in der Champions League gegen Barcelona.
© Wolfgang Wallner
Ein paar Tage in Mönchhof waren für Valentina Mädl schon ein emotionaler Luxus, seit sie im Sommer nach Deutschland übersiedelt ist. Die 20-Jährige war auf Osterurlaub in der Heimat bei der Familie. Jetzt ist sie wieder in Leverkusen an ihrem Arbeitsplatz. Der Liga-Stress macht derzeit Länderspiel-Pause. „Bei uns trainieren einige Spielerinnen aus der zweiten Mannschaft mit“, sagt Mädl. Sieben Mitspielerinnen sind bei diversen Nationalteams. Nicht aber Valentina Mädl, sie wurde nicht einberufen.
Österreichs Frauen bestreiten das Doppel gegen Deutschland, spielten am Dienstag in Nürnberg in der WM-Qualifikation und verloren klar. Am Samstag folgt das Rückspiel in Ried. Valentina Mädl hingegen trägt schon am Freitag das Trikot von Leverkusen, das in der Länderspielpause einen Test gegen AZ Alkmaar bestreitet. Die Burgenländerin verpasst das, was Österreichs Teamspielerinnen als Klassentreffen bezeichneten. Das Duell mit Deutschland, der achte und neunte Anlauf, endlich einmal gegen die große Schwester zu gewinnen. 13 Spielerinnen des aktuellen Kaders spielen in Deutschland. Dazu kommen mit Sarah Zadrazil, Katharina Naschenweng und Lilli Purtscheller noch drei verletzte Deutschland-Legionärinnen (auch Liverpools Marie-Therese Höbinger fehlt). Und dennoch ist Mädl nicht dabei.
Was hat der Teamchef gegen eine 20-jährige Stürmerin, die beim Fünften der ersten deutschen Bundesliga spielt? „Nichts“, behauptet Alexander Schriebl. Der 47-jährige Salzburger sagt: „Wir sind mit Valentina immer wieder im persönlichen Austausch und sie ist nach wie vor auf unserem Radar.“ Schriebl begründet das Fehlen von Mädl so: „Für diesen Lehrgang und die beiden Deutschland-Duelle war die Entscheidung nicht gegen Valentina, sondern für Spielerinnen, die bereits Einsätze zu Buche stehen haben und mit unserer Spielidee schon vertrauter sind.“
„Sie ist nach wie vor auf unserem Radar“
Schriebl ist seit Anfang 2025 im Amt und berief Mädl nur zu einem Trainingslager ein - das war Ende des Jahres 2025 in Spanien. Aber in den Testspielen gegen Finnland und die Ukraine setzte er sie nicht einmal eine Minute ein. Wie soll sie also Einsätze bekommen und die Spielidee kennenlernen? Für die ersten zwei Länderspiele des Jahres (gegen Norwegen und Slowenien setzte es in der WM-Qualifikation Niederlagen) nominierte Schriebl Nicole Billa, die in der 2. deutschen Bundesliga spielt. Weil Eileen Campbell absagen musste, holte er nicht Valentina Mädl von der Abrufliste, sondern Carina Brunhold, die in der österreichischen Liga bei St. Pölten spielt.
Valentina Mädl war bis Sommer ebenfalls in St. Pölten unter Vertrag, fehlte aber im gesamten Frühjahr wegen einer Verletzung. Trotzdem wurde sie vom deutschen Topklub Leverkusen geholt. „Ich habe gewusst, dass ich nicht jedes Match von Beginn an spiele. Ich bin froh, dass ich fast in jeder Partie Minuten sammeln durfte.“ Denn sie wurde in 22 von 23 Bewerbsspielen eingesetzt, erzielte dabei zwei Tore. Einmal fehlte sie krank. Dieses Jahr stand sie zwei Mal in der Startelf. Zum Thema Nationalteam sagt Mädl: „Ich werde weiterhin probieren, meine beste Leistung zu bringen, so gut wie möglich zu performen und in der Liga alles geben.“ Das genügte schon damals bei St. Pölten aber nicht. Schriebls Vorgängerin Irene Fuhrmann vertraute sehr lange ihren EM-Heldinnen von 2017 und baute erst spät Talente ein, aber auch nur wenige. Damals durfte Valentina Mädl auch nur einmal in einem Trainingslager Teamluft schnuppern, wurde aber auch von Fuhrmann nicht eingesetzt.
Leverkusen hat noch den Europacup im Visier
So kann sich Mädl auch unter Schriebl voll auf ihren Klub konzentrieren. Denn dort gibt es noch ein großes Ziel - einen Platz in einem internationalen Bewerb, den die ersten drei Vereine bekommen. Vier Runden sind noch zu spielen, Leverkusen liegt auf Platz fünf. Fünf Punkte fehlen auf Platz drei. Nach zwei Niederlagen hat Leverkusen wieder in die Spur gefunden und zwei Siege gefeiert. Erst am 26. April geht es daheim gegen Freiburg weiter. Nach den Partien in Essen und Leipzig ist am 17. Mai mit dem Heimspiel gegen Bremen Schluss mit der ersten Saison der Mönchhoferin in der deutschen Bundesliga. „Wir müssen unseren Job machen und alles gewinnen“, sagt sie. „Wenn uns dann noch andere Klubs helfen, dann ist Platz drei drinnen. Aber an erster Stelle müssen wir unseren Job machen.“

© Foto: ÖFB/Adina Hamidovic