Der Bezirk Neusiedl am See bietet in den kommenden Tagen ein vielfältiges Veranstaltungsprogramm. Von Konzerten, Wandertagen über Ausstellungen bis hin zu Halloween-Events ist für jeden etwas dabei.
Konflikt um Kebap: Mit Teller gedroht?
Freispruch
Mit drei Autos fuhren am 2. September 2024 türkische Familien bei einem Kebap-Lokal im Bezirk Neusiedl vor. Im Lokal entbrannte plötzlich ein Konflikt. Worum es ging, hörte man bei einem Prozess wegen gefährlicher Drohung am 5. Mai 2025 am Landesgericht Eisenstadt.
Der 54-jährige Angeklagte behauptete, er selbst sei bedroht worden.
© BVZ/Kirchmeir
Angeklagt wurde ein 54-jähriger türkischer Staatsbürger, der mit seiner Familie in Bayern lebt. Am 2. September war die Familie mit Verwandten und Freunden auf der Rückreise aus dem Urlaub in der Türkei nach Deutschland.
Im Bezirk Neusiedl wollte man tanken und essen. Sieben Personen betraten ein Kebap-Lokal. Man bestellte und wartete auf die Speisen.
„Mein jüngerer Sohn stand auf, weil er dachte, dass wir dran sind“, sagte der Angeklagte, der seit 30 Jahren in Deutschland lebt, aber der deutschen Sprache nicht ausreichend mächtig ist, weshalb seine Aussage von einer Dolmetscherin übersetzt werden musste.
Zückte Kebap-Koch das Dönermesser?
Der Kebap-Koch habe sich „aufgeregt“ und mit dem Kebap-Messer gedroht. „Ich nahm den Teller, hielt ihn vor mich, um mich zu schützen“, so der Angeklagte. Vorgeworfen wurde ihm, den Teller bedrohlich erhoben zu haben, um seinen Sohn zu verteidigen.
„Ich bin das Opfer, ich verstehe die Anschuldigungen nicht“, sagte der Angeklagte.
Der Kebap-Koch, ebenfalls in der Türkei geboren, berichtete, der Sohn des Angeklagten habe auf die Theke „gehaut“ und geschimpft. „Ich sagte, er soll Anstand haben, vor allem mir gegenüber, weil er ja jünger ist als ich“, so der Kebap-Koch.
Koch beklagte sich: „Wurde als Ehrloser bezeichnet“
Der Angeklagte und seine beiden Söhne hätten daraufhin Teller genommen und „sie wollten sie auf mich werfen“, sagte der Kebap-Koch. Er sei als „Ehrloser“ bezeichnet worden. Ein Kollege habe ihn „in die Küche geschubst“, so der Kebap-Koch.
Mit einem Döner-Schneidemesser sei er nicht auf die Kunden losgegangen, so der Zeuge. Die Aussagen des Angeklagten und seiner Söhne bezeichnete er als „Lügen“.
„Eine der größten Sünden ist...“, begann der Angeklagte. Im Gerichtssaal entstand Unruhe. Die Staatsanwältin, die selbst über Türkischkenntnisse verfügt, erklärte: „Es gibt drei große Sünden in der Religion, eine ist das Lügen. Halten wir das draußen. Wir sind hier nicht in der Moschee, in der Kirche“, ermahnte sie die Anwesenden.
Ethnischer Konflikt im Hintergrund?
„Fragte Sie jemand aus der Familie des Angeklagten, woher Sie stammen?“, fragte die Staatsanwältin den Kebap-Koch. „Ich bin Kurde, er ist Türke“, sagte der Zeuge.
„Lassen wir das draußen, wir sind hier im Gerichtssaal“, wiederholte die Staatsanwältin.
Ein weiterer Mitarbeiter aus dem Kebap-Lokal schilderte das Verhalten des Sohnes des Angeklagten als aggressiv. Der Sohn habe zu schreien begonnen, es ging darum, wer wann an der Reihe gewesen sei, bedient zu werden. „Dann mischte sich der Vater ein“, so der Mitarbeiter. Er habe den Kollegen in die Küche gebracht und sich bei den Gästen, die in der Zwischenzeit das Lokal verlassen hatten, entschuldigt. Der Betrag für die bestellten Speisen sei zurückbezahlt worden.
Sohn des Angeklagten: „Wir haben bürgerliche Rechte“
Der ältere Sohn des Angeklagten rief damals die Polizei. „Wir haben bürgerliche Rechte. Wir wollen, dass die Demokratie in Deutschland und Österreich erhalten bleibt“, erklärte sein Bruder, ein 24-jähriger Student.
Der Angeklagte hatte bei Gericht beantragt, dass alle seine damals anwesenden Familienangehörigen als Zeugen befragt werden sollten.
„Nehmen Sie es mir nicht übel, es ist umgekehrt“, sagte der 31-jährige Sohn des Angeklagten. Der Kebap-Koch sei „explodiert“ und habe sie mit dem Dönermesser bedroht. „Das ist eine Machete“, sagte der 31-Jährige.
Da alle Zeugen die Version des Angeklagten bestätigten und überdies die Polizei von dessen Familie gerufen worden war, wurde der 54-Jährige vom Vorwurf der gefährlichen Drohung freigesprochen.