Krebshilfe und Land rufen auf: „Nehmen Sie sich Zeit für die Vorsorge“

Früherkennung hilft

Anlässlich des Weltkrebstages am 4. Februar präsentierte die Krebshilfe Burgenland mit Landeshauptmann-Stellvertreterin Astrid Eisenkopf den kürzlich veröffentlichten Österreichischen Krebsreport sowie die Leistungsbilanz des vergangenen Jahres.

Von Wolfgang Millendorfer

Krebshilfe Burgenland im Gesundheitszentrum Bad Sauerbrunn (v.l.): Vizepräsident Marco Hassler, Landeshauptmann-Stellvertreterin Astrid Eisenkopf, Präsidentin Michaela Klein, Geschäftsführerin Andrea Konrath, psychoonkologin Anja Skarits-Haas, Bürgermeister Gerhard Hutter.

Krebshilfe Burgenland im Gesundheitszentrum Bad Sauerbrunn (v.l.): Vizepräsident Marco Hassler, Landeshauptmann-Stellvertreterin Astrid Eisenkopf, Präsidentin Michaela Klein, Geschäftsführerin Andrea Konrath, psychoonkologin Anja Skarits-Haas, Bürgermeister Gerhard Hutter.

© Landesmedienservice, Siess

Eine Höchstzahl an Betreuten brachte das vergangene Jahr für die Krebshilfe Burgenland: 2.150 Krebspatientinnen und -patienten wurden begleitet, aus dem Soforthilfefonds wurden 69.000 Euro ausbezahlt. „So viel wie noch nie“, bilanzierte Andrea Konrath, Geschäftsführerin der Krebshilfe Burgenland. Eine Summe, die ausschließlich aus Spenden lukriert wurde.

Das Team rund um Präsidentin Michaela Klein und Geschäftsführerin Konrath zog nicht nur Bilanz zum abgelaufenen Leistungsjahr, zusammen mit Landeshauptmann-Stellvertreterin Astrid Eisenkopf wurde auch auf den vor wenigen Tagen erschienenen Krebsreport eingegangen. Und es wurde vor allem zur Vorsorge aufgerufen.

„Dass erfreulicherweise die Überlebenschancen nach einer Krebsdiagnose weiter steigen, und Österreich diesbezüglich zu den Spitzenreitern in Europa zählt, belegen die aktuellen Zahlen aus dem Krebsreport“, sagte Eisenkopf bei der Präsentation der Studie im Gesundheitszentrum Bad Sauerbrunn.

Dort ist auch die Krebshilfe Burgenland vor Ort, deren unermüdliche Aufklärungsarbeit und Unterstützung ein „unverzichtbarer Beitrag im Kampf gegen Krebs“ sei. „Wir nehmen uns Zeit, hören zu und helfen“, lautet das Motto der Krenshilfe, „Sie sind nicht allein!“

Bausteine der Vorsorge

Aktuell leben in Österreich rund 400.000 Personen mit einer Krebsdiagnose. Die Hälfte aller Todesfälle wäre durch eine bessere Vorsorge vermeidbar gewesen, besagen die Zahlen. Früherkennungsuntersuchungen, aber auch Impfungen, die beispielsweise vor potentiell krebsauslösenden HPV-Viren schützen, sind neben gesunder Ernährung und regelmäßiger Bewegung ein wichtiger Baustein der Vorsorge.

Auf all diese Faktoren wiesen Krebshilfe-Burgenland-Geschäftsführerin Konrath, Präsidentin Klein, Vizepräsident Marco Hassler und Psychoonkologin Anja Skarits-Haas bei der Pressekonferenz im Gesundheitszentrum hin.

„Nehmen Sie sich Zeit für Vorsorge-Untersuchungen“, appellierten sie zusammen mit Landesvize Eisenkopf. „Je früher ein bösartiger Tumor entdeckt wird, umso größer ist die Chance auf Heilung!“ Zugleich merkte Konrath an, dass bei den Untersuchungen eine Stagnation zu bemerken sei. Das wird unter anderem auch auf aktuelle Krisen und die damit einhergehende Verunsicherung zurückgeführt.

Infos zur HPV­-Impfaktion

Fortgeführt wird 2024 die vom Land und der Krebshilfe Burgenland gemeinsam durchgeführte Impfaktion für alle Personen ab dem 21. Lebensjahr mit Hauptwohnsitz im Burgenland. Für sie gibt es den Impfstoff zum vergünstigten Preis von 154 Euro pro Packung – drei Impfungen sind nötig. Seit dem Vorjahr wird die HPV-Impfung im Rahmen des kostenfreien Impfprogramms des Bundes, der Bundesländer und der Sozialversicherungsträger bis zum vollendeten 21. Lebensjahr kostenlos zur Verfügung gestellt.

Details aus dem Krebsreport 2023

Die Bevölkerung in Österreich wird bis 2040 um rund 5 Prozent, die Altersgruppe der Über-64-Jährigen um 50 Prozent wachsen. Damit ist abzusehen, dass auch die Zahl der Krebspatientinnen und -patienten deutlich zunehmen wird. Da sich erfolgreiche Vorsorgeprogramme und neue Diagnostik und Therapien zudem lebensverlängernd auswirken, wird sich die Anzahl der zu versorgenden Patientinnen und Patienten bis zum Jahr 2040 verdoppeln.

Über-80-Jährige werden dann mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent bei Männern und 40 Prozent bei Frauen mit der Diagnose konfrontiert werden. Jedes Jahr erkranken etwa 45.000 Menschen in Österreich an Krebs

In der Forschung gibt es zugleich enorme Fortschritte: Allein in Österreich wurden im Vorjahr 16 neue onkologische Medikamente zugelassen. Auch die Therapien werden immer komplexer und wirksamer.

Der Krebsreport empfiehlt daher die Implementierung des Berufsbildes der „Cancer Nurse“ ins Gesundheitssystem, um eine qualitätsvolle Versorgung sicherzustellen. In vielen europäischen Ländern sind „Cancer Nurses“ schon fixer Bestandteil des Versorgungsnetzes.

Eine entscheidende Rolle in der Behandlung wird künftig die Genetik spielen, es werden Spezialisierungen in der Ausbildung notwendig sein. Auch die Künstliche Intelligenz kann hilfreich in der Behandlung sein.

Das seit 2014 in Österreich bestehende Brustkrebs-Früherkennungsprogramm für alle Frauen zwischen 45 und 69 Jahren wurde im Vorjahr auf die Altersgruppe von 70 bis 74 Jahren erweitert, um die Teilnahmerate zu erhöhen.

Das Darmkrebs-Screening wird nun bereits ab dem 45. Lebensjahr für Frauen und Männer empfohlen, wahlweise durch Koloskopie oder Blutstuhltest. 2024 sollen (wie in 20 EU-Mitgliedsstaaten (Stand 2020) auch in Österreich nationale Darmkrebsscreenings eingeführt werden.

„Erfolgsmodell Burgenland“: Noch im Jahr 2002 war die Zahl der Darmkrebserkrankungen im Burgenland, ebenso wie jene der Sterblichkeit, im Bundesländervergleich am höchsten, dank des Vorsorgemodells „Burgenland gegen Dickdarmkrebs“ ist sie heute am geringsten .