Markus Kuster und seine sportliche Rückkehr zur alten Liebe

Fußball international

Der Tormann aus Pama hat ein Angebot des FC Winterthur angenommen und wird zu dem so speziellen Schweizer Fußballclub zurückkehren, bei dem er bereits zweieinhalb Jahre unter Vertrag gestanden ist. „Es hat mich gereizt - und Winterthur ist einzigartig.“

Von Von Bernhard Fenz

Im Trikot des FC Winterthur erlebte Markus Kuster schöne Zeiten. Nun gibt es ein Comeback.

Im Trikot des FC Winterthur erlebte Markus Kuster schöne Zeiten. Nun gibt es ein Comeback.

© Simon Walser

Es ist nicht so, dass Markus Kuster in seiner Zeit von Jänner 2023 bis Juli 2025 permanent als Einsergoalie beim FC Winterthur im Einsatz war. Dennoch genießt der Burgenländer bei dem Verein in der Schweiz ganz offensichtlich einen hervorragenden Ruf. Wann immer er zwischen den Pfosten zum Zug kam, hat der 1,95-Meter-Mann meist geliefert. Gleichzeitig musste er auch Geduld an den Tag legen, etwa als ihm nach einem ganz starken ersten halben Jahr beim FCW der damalige Schweizer U21-Teamgoalie Marvon Keller kurzfristig als Konkurrent vor die Nase gesetzt wurde - und Kuster deshalb auf der Bank Platz nehmen musste.

Insgesamt erlebte der langjährige Einser-Tormann des SV Mattersburg (der im Juli 2020 nach Karlsruhe ging) aber eine sehr gute Zeit beim Schweizer Super League-Verein, den Kuster aufgrund der Fans und der politisch-sozialen Herangehensweise auch gerne als das „St. Pauli der Schweiz“ bezeichnet.

Verein abgestiegen, neue Herausforderung wartet

Analog zum FC St. Pauli in der Deutschen Bundesliga erwischte es in sportlicher Hinsicht diesmal aber auch den FC Winterthur. Am Ende der Saison stand der Abstieg aus der obersten Liga fest, weshalb sich der FCW in der neuen Saison 26/27 in der Challenge League behaupten muss. Hier kommt Markus Kuster ins Spiel. Der 32-jährige Routinier soll das Tormannteam künftig verstärken und seine ganze Erfahrung mit einbringen. „Der Verein ist auf mich zugekommen und hat sich sehr um mich bemüht. Es ist eine Kombination aus dem sportlichen Reiz und der Wertschätzung mir gegenüber, die den Ausschlag gegeben hat.“ Verhandelt wurde noch vor dem Abstieg aus der Super League - der Deal hätte auch für die oberste Liga in der Schweiz gegolten.

So oder so hat der Nordburgenländer nun einen Zweijahresvertrag unterschrieben und wagt ein weiteres Mal den Gang ins Ausland. Ein großes Wagnis ist das freilich nicht mehr, eher schon Routine. Seit knapp sechs Jahren ist das Legionärs-Dasein Kusters ständiger Wegbegleiter. Zur Erinnerung: Nach dem Ende des Engagements in Winterthur wechselte er nach Zypern zu Paralimniou. Nach einem halben Jahr war dieses Kapitel aber zu Ende. Seitdem hielt sich Kuster in Österreich auf und sondierte die Lage.

Dabei gab es mehrere Varianten, wie der berufliche Weg des Profis künftig aussehen könnte. Fakt ist, dass sich Markus Kuster in diesem Zusammenhang bereits intensiv mit der Zeit nach seiner aktiven Karriere auseinandergesetzt hat. „Es ist nicht leicht, die optimale Herausforderung zu finden. Ideen gibt es einige, aber im Herzen war und bin ich nach wie vor Tormann.“ Folgerichtig stellte die Anfrage aus Winterthur nun eine spezielle neue Herausforderung dar.

Markus Kuster und seine sportliche Rückkehr zur alten Liebe

© Bernhard Fenz

Beim Traditionsklub soll Kuster junge Goalies wie Noah Brogli (18) oder Antonio Spagnoli (er wird am 31. Mai 21) aktiv begleiten, als eine Art Mentor ihnen den Weg ebnen. „Der Verein setzt auf die jungen Spieler und will sie einbauen. Die sportliche Leitung wollte aber unbedingt einen erfahrenen Mann dazuhaben. Ich sehe es als große Wertschätzung, dass sie hier auf mich zugekommen sind. Ich freue mich auf die Aufgabe.“ Spannender Zusatz: In weiterer Folge will der Verein den Rückkehrer aus Pama gleich als Tormanntrainer halten.

Der sportliche Anspruch ist aber nach wie vor, dass er spielen will. Dennoch kann er die Lage einschätzen: „Egal wie die jungen Goalies eingesetzt werden. Ich kann sagen, dass ich stets zur Stelle bin, wenn ich gebraucht werde.“

Mitte Juni wird Kuster sein Comeback in Winterthur antreten. „Ich bin schon gespannt, wie das Zurückkommen sein wird. Ich freue mich schon sehr, weil ich mich dort stets sehr wohlgefühlt habe. Das Umfeld, die Fans, der Verein, alles ist ganz besonders.“

Spannende Zwischenaufgabe in der Fußballakademie Burgenland

Davor gilt es aber noch eine andere Tätigkeit zu finalisieren. Um den Fokus für die Zeit danach zu schärfen und sich parallel fit zu halten, war der Schlussmann aus Pama im Frühjahr in der Fußballakademie Burgenland im Team der Tormanntrainer aktiv dabei. „Das war auch eine super Zeit und eine Art Nach-Hause-Kommen, als ich das erste Mal wieder hier war“, erinnert sich „Kusti“ an die erste Einheit an der alten Wirkungsstätte zurück. Immerhin durchlief er in der Akademie seine Ausbildung als junger Tormann im Spitzennachwuchs, später dann war hier mit dem SV Mattersburg seine Trainingsstätte.

An der Seite von Oberwart-Goalie Martin Kraus, der sich um die Talente kümmert, lernte Markus Kuster hier unter Walter Franta (dem Head of Goalkeeping der AKA Burgenland) bereits erste Schritte für das Tormanntrainer-Dasein - das ist eine mögliche Zukunftsoption. „Ich habe sehr viel mitgenommen und werde bis Mitte Juni noch aktiv sein.“

Dann geht es aber Schlag auf Schlag. Erst steht die Hochzeit mit seiner Verlobten Carina als privates Highlight am Programm, dann folgt eben mit dem Engagement in Winterthur ein neues, überraschendes sportliches Kapitel. „Ich habe lange abgewogen, welcher Schritt richtig ist. Letztlich war das Paket sehr reizvoll und stimmig, deshalb habe ich zugesagt.“ Um beim FCW nach den zwei Jahren vielleicht sogar als Tormanntrainer zu starten. „Die Option gibt es tatsächlich und ich habe auch das OK, die Trainerausbildung zu absolvieren, aber primär bin ich jetzt als aktiver Tormann zurück. Dieser Aufgabe gilt jetzt meine volle Konzentration.“

Markus Kuster und seine sportliche Rückkehr zur alten Liebe

© Bernhard Fenz