Verwirrspiel um 48.600 Flaschen Prosecco und Spritzer

Geliefert, nicht bezahlt

Fast 50.000 Euro fordert ein Händler mit Sitz in Polen vom Angeklagten. Dieser wurde aber jetzt vom Betrugsvorwurf freigesprochen.

Von Elisabeth Kirchmeir

Der Angeklagte behauptete, er habe für die Zehntausenden Flaschen nur einen Lagerplatz organisiert.

Der Angeklagte behauptete, er habe für die Zehntausenden Flaschen nur einen Lagerplatz organisiert.

© BVZ/Kirchmeir

Im November 2022 stand ein mit Prosecco vollgeladener LKW an einer Firmenadresse im Bezirk Neusiedl. Doch hier konnten die Paletten nicht abgeladen werden. Deshalb organisierte der heute 42-jährige Ex-Geschäftsführer der Firma im Bezirk Neusiedl einen Lagerplatz in Wien. Viel mehr habe er mit der Lieferung von insgesamt 48.600 Flaschen Prosecco und Spritzer - der in einem zweiten LKW ankam - nicht zu tun.

Über jenen mündlichen Kaufvertrag, mit dem der Handel vereinbart worden sein soll, könne er nichts sagen, so der Angeklagte am 3. Juni 2025 am Landesgericht Eisenstadt.

Rechnung von knapp 50.000 Euro blieb offen

Die Rechnungen wurden auf jene Firma im Bezirk Neusiedl ausgestellt, bei der der Angeklagte früher Geschäftsführer war. Diese Firma bezahlte zwar die Transportkosten von zweimal 1.000 Euro, aber nicht die knapp 50.000 Euro für Prosecco und Spritzer.

Dieses Geld will der Flaschen-Lieferant jetzt vom 42-jährigen Angeklagten.

Richterin:. „Es fehlt in der Geschichte“

„Es ist dubios: Etwas fehlt in der Geschichte“, stellte die Richterin fest. „Wer hat die Flaschen bestellt?“

Lachend antwortete der Angeklagte: „Ich weiß es nicht.“

„Warum mischten Sie sich ein?“, fragte die Richterin.

„Weil ich deppert bin“, gab der Angeklagte zu. „Sie sind kein seriöser Kaufmann“, hielt ihm die Richterin vor.

Im Februar 2023 wies ihn der Betreiber der Lagerhalle in Wien darauf hin, dass die Flaschen entfernt werden müssten. Er lagerte die Lieferung in einen Sattelaufleger aus und stellte diesen auf einem Parkplatz ab.

Angeklagter: Das ist wie, „wenn es einen Toten gibt und keine Leiche“

„Und da steht die Lieferung heute noch?“, erkundigte sich die Richterin. Dies ließ sich während des Prozesses nicht klären. „Das ist das Gleiche, wenn es einen Toten gibt und es ist keine Leiche da“, zog der Angeklagte einen makaberen Vergleich.

Als Zeuge wurde der Betreiber der Handelsfirma mit Sitz in Polen befragt, die sich mittlerweile in Liquidation befindet. Von dem Angeklagten habe er gewusst, so der Zeuge, dass dieser eine Getränkefirma habe und „Weinhändler“ sei. „Ich fragte ihn, ob er Proesecco und Spritzer haben will, ich habe ihn günstig gekauft.“ Der Angeklagte habe „ja, passt“ gesagt. Bei dem Deal seien auch noch zwei weitere Männer anwesend gewesen.

Es sei um „einen LKW voll mit Prosecco, einen LKW voll mit Spritzer“ gegangen. Die rund 50.000 Euro, die er dafür wollte - 60 Cent pro Flasche Spritzer, 3,30 Euro pro Flasche Prosecco - , habe er aber nicht bekommen, so der Getränkehändler. „War es ein Team von Käufern?“, fragte die Richterin. Dazu konnte der Zeuge nichts sagen.

Richterin: „Ihre Firmenführung ist total unseriös“

„Ihre Firmenführung ist total unseriös“, hielt ihm die Richterin vor. „Ja. Ich habe gesehen, wo das hinführt“, gab der Zeuge zu.

Für einen Schuldspruch wegen schweren Betrugs und Untreue reichte es schließlich nicht: Die Richterin sprach den Angeklagten von den gegen ihn erhobenen Vorwürfen frei.