Jetzt ist es fix: Post verlagert Zustellbasis Jennersdorf

Gerücht wird wahr

Was zuletzt noch dementiert wurde, ist nun Realität: Die Post optimiert laut Aussendung hr Logistiknetz im Südburgenland. Die Mitarbeiter:innen werden auf andere Standorte aufgeteilt.

Von Bertie Unger

Landtagsabgeordneter Fabio Halb, Bürgermeister Reinhard Deutsch und Bundesrat Mario Trinkl sprachen schon vor Monaten von einer Schließung.

Landtagsabgeordneter Fabio Halb, Bürgermeister Reinhard Deutsch und Bundesrat Mario Trinkl sprachen schon vor Monaten von einer Schließung.

© SPÖ Jennersdorf

Was vor knapp zwei Wochen noch als „offen“ bezeichnet wurde, ist nun bestätigt: Die Post verlagert ihre Zustellstruktur im Südburgenland und damit auch die Zustellbasis Jennersdorf. In einer aktuellen Stellungnahme spricht der Konzern von einer „Optimierung des Logistik-Netzwerks“ und kündigt an, die Zustellbasen in Fürstenfeld, Bairisch Kölldorf und Feldbach zu verstärken.

Zur Begründung heißt es seitens der Post, dass sich die Anforderungen in der Region deutlich verändert hätten: „Da immer mehr Menschen in der Region online bestellen und sich Pakete nach Hause schicken lassen, muss die Post auf diese Veränderung reagieren: Die alte Zustellbasis in Jennersdorf war ursprünglich auf die Zustellung von Briefen ausgelegt und niemals für stark steigende Paketmengen.“

Auch bauliche Gründe werden genannt. Das Gebäude entspreche nicht mehr den heutigen Standards und biete keine Möglichkeit zur Erweiterung. Deshalb sollen die rund 20 Mitarbeiter:innen zwischen März und Mai schrittweise auf die Standorte Fürstenfeld, Bairisch Kölldorf und Feldbach verteilt werden. Dort stünden „zeitgemäße Arbeitsplätze, ausreichend Platz für Pakete und eine Ladeinfrastruktur für die Zustellung mit E-Fahrzeugen“ zur Verfügung.

„Die Zusteller:innen erhalten zusätzlich die Möglichkeit, mit den Post-Fahrzeugen nach Hause zu fahren, was Kilometer spart und die individuelle Anfahrt erleichtert“, betont die Post.

Für die Empfänger:innen ändert sich nichts: „Die Post wird weiterhin von Montag bis Freitag an allen Adressen in der Region zustellen“, heißt es in der Aussendung.

Damit bestätigt sich aber nun, was die SPÖ und mehrere Bürgermeister bereits seit Monaten befürchtet hatten. Noch vor zwei Wochen hatte die Post auf BVZ-Anfrage erklärt, dass sie den Standort analysiere und erst an einer Bewertung arbeite.

„Die Post ist ein Unternehmen mit öffentlichem Auftrag. Wer Standorte im ländlichen Raum zusperrt, stellt diesen Auftrag infrage“, warnt Bundesrat Mario Trinkl schon seit Monaten.

„Eine Bezirksstadt darf nicht weiter an Infrastruktur verlieren – sonst gefährden wir langfristig Lebensqualität, Versorgungssicherheit und regionale Stabilität“, spricht Jennersdorfs Bürgermeister Reinhard Deutsch von einer Entscheidung mit weitreichenden Folgen.

„Diese Entscheidung ist für die Region ein Schlag ins Gesicht und ein weiterer Beweis dafür, wie rücksichtslos mit dem ländlichen Raum umgegangen wird“, kritisiert Landtagsabgeordneter Fabio Halb scharf.
„Unsere Warnungen wurden lange ignoriert, unsere Bedenken klein geredet. Jetzt ist das eingetreten, wovor wir von Anfang an gewarnt haben – und das macht die Sache umso bitterer“, so Halb.
„Arbeitsplätze werden aus der Region abgezogen, Beschäftigte müssen längere Wege in Kauf nehmen und die Daseinsvorsorge wird weiter ausgedünnt. Für eine Bezirksstadt wie Jennersdorf ist das schlicht nicht akzeptabel“, betont der SPÖ-Bezirkschef. „Gerade von einem mehrheitlich staatlichen Unternehmen erwarte ich mir, dass es Verantwortung für die Regionen zeigt – und nicht funktionierende Standorte im ländlichen Raum zusperrt“, betont Halb.

Auf Initiative der SPÖ wird heute Donnerstag im Burgenländischen Landtag ein Dringlichkeitsantrag zur Schließung der Postzustellbasis Jennersdorf behandelt, „um ein klares politisches Zeichen für die Region, für die Gemeinden und für die Beschäftigten zu setzen“, so der SPÖ-Abgeordnete abschließend.

„Der Rückzug öffentlicher Infrastruktur schwächt den ländlichen Raum, gefährdet regionale Arbeitsplätze und ist auch wirtschaftlich nicht nachvollziehbar“, heißt es in einer Aussendung. „Die Post hat in den letzten Jahren noch in den Standort investiert. Umso unverständlicher ist diese Entscheidung jetzt. Wenn kurz darauf geschlossen wird, wirft das ernste Fragen zur wirtschaftlichen Sinnhaftigkeit auf“, betont Landtagsabgeordnete Margit Paul-Kientzl.

„Hier geht es nicht nur um Logistik, sondern um Lebensqualität, regionale Wertschöpfung und die Zukunft des Südburgenlands. Gerade in einer Region, die laut Arbeitsmarktdaten vor großen Herausforderungen steht, braucht es stabile, wohnortnahe Arbeitsplätze. Die Schließung verschärft den Druck auf den regionalen Arbeitsmarkt zusätzlich“, so Paul-Kientzl.

„Die bestätigte Schließung der Post-Zustellbasis in Jennersdorf ist eine schlechte Nachricht für die Region und ein harter Einschnitt für die betroffenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer“, sagt ÖVP Klubobmann Bernd Strobl.