Zeitzeuge in der ehemaligen Synagoge Kobersdorf

Gespräch

Lutz Popper war in der Vorwoche in Kobersdorf zu Gast.

Von BVZ Redaktion

In der Synagoge. Ursula Foki (Geschäftsführerin der Volkshochschulen), Horst Horvath (RE.F.U.G.I.U.S.), Ludwig Popper und Walter Reiss, Christine Teuschler (Vorsitzende der Volkshochschulen).

In der Synagoge. Ursula Foki (Geschäftsführerin der Volkshochschulen), Horst Horvath (RE.F.U.G.I.U.S.), Ludwig Popper und Walter Reiss, Christine Teuschler (Vorsitzende der Volkshochschulen).

© zVg

Vor Kurzem war Lutz Elija Popper in der ehemaligen Synagoge Kobersdorf zu Gast. Unter dem Motto „Zeuge der Zeit“ hatten die Burgenländischen Volkshochschulen, der Verein RE.F.U.G.I.U.S und das Land Burgenland eingeladen. Durch den Abend führte Walter Reiss.

Poppers authentischer Zeitzeugenbericht zog das Publikum in seinen Bann. Er wird 1938 in Wien geboren. Sein Vater, ein jüdischer Arzt, flüchtet vor dem NS-Regime in die Schweiz. Seine Mutter (sie ist Christin) bereitet die Flucht für sich und die zwei Söhne vor. 1939 emigriert die Familie nach Bolivien, wo Lutz Popper seine Kindheit verbringt. 1947 kehren sie nach Wien zurück. Er studiert Medizin und kommt 1973 als Facharzt ins Burgenland. Im Gespräch mit Walter Reiss schilderte er seine Familiengeschichte und erzählte von seinen Erfahrungen mit Sozial-, Gesundheits- und Gedenkpolitik. „Sein Selbstverständnis als Arzt ist geprägt von der sozialmedizinischen Expertise seines Vaters.

Als Zeitzeuge engagiert er sich in Vereinen und Schulen gegen Faschismus, Rassismus und Antisemitismus“, so die Organisatoren. Auch in den kommenden Wochen gibt es in der ehemaligen Synagoge in Kobersdorf ein abwechslungsreiches Programm. Von 25. bis 27. Juni findet das wissenschaftliche Symposium „Dunkle Zeiten. Personen und ihre Handlungsspielräume während der NS-Zeit“ statt. Es setzt sich mit unterschiedlichen Formen von Widerstand und Täterschaft auseinander und geht der Frage nach, welche Handlungsspielräume für die jeweiligen Akteure bestanden haben.

Diskutiert werden Lebensgeschichten von Menschen, die in der Zeit des NS-Terrors Menschen gerettet oder politischen Widerstand geleistet haben und durch ihr Verhalten in Konflikt mit dem Regime gekommen waren. Das Symposium steht in thematischen Zusammenhang mit der Sonderausstellung auf Burg Schlaining („Dunkle Zeiten. Von Tätern und Gerechten“). Anmeldungen sind auf der Webseite der Forschungsgesellschaft unter www.forschungsgesellschaft.at oder per Mail an michael.schreiber@forschungsgesellschaft.at notwendig.

Ab 2. Juli wird es im Rahmen der Schloss-Spiele dann wieder vor den Aufführungen möglich sein, die ehemalige Synagoge zu besichtigen.