Alfred Bieberle: „Kein Roboter kann eine Trockensteinmauer bauen“

Goldene Ehrenmedaille

Gartengestalter Kommerzialrat Alfred Bieberle prägte die Branche über Jahrzehnte hinweg. Kürzlich wurde er mit der Goldenen Ehrenmedaille des Wirtschaftsbundes ausgezeichnet. Im Gespräch mit der BVZ blickt er auf seine unternehmerische Tätigkeit zurück, berichtet von seiner Arbeit als gerichtlicher Sachverständiger, über die Herausforderungen der Branche und erklärt, warum die künstliche Intelligenz gegenüber dem klassischen Handwerk keine Konkurrenz ist.

Von Richard Vogle

Bei der Verleihung: Alfred Bieberle wurde von Wirtschaftskammerpräsident Andreas Wirth mit der „Goldenen Ehrenmedaille des Wirtschaftsbundes“ ausgezeichnet. Weiters im Bild: Wirtschaftsbund-Direktor Ulf Schneller, Wirtschaftskammer-Direktor Harald Schermann, Franz Perner (Geschäftsführer Fachgruppe Gastronomie der Wirtschaftskammer), die Kinder Dominik und Anika, die das Unternehmen bereits übernommen haben, Enkelkind Valentina und Michael Fischer.

Bei der Verleihung: Alfred Bieberle wurde von Wirtschaftskammerpräsident Andreas Wirth mit der „Goldenen Ehrenmedaille des Wirtschaftsbundes“ ausgezeichnet. Weiters im Bild: Wirtschaftsbund-Direktor Ulf Schneller, Wirtschaftskammer-Direktor Harald Schermann, Franz Perner (Geschäftsführer Fachgruppe Gastronomie der Wirtschaftskammer), die Kinder Dominik und Anika, die das Unternehmen bereits übernommen haben, Enkelkind Valentina und Michael Fischer.

© zVg

Alfred Bieberle ist mit der Goldenen Ehrenmedaille des Wirtschaftsbundes ausgezeichnet worden. Die Ehrung wurde dem langjährigen Unternehmer im Rahmen eines persönlichen Besuchs durch eine Delegation der Wirtschaftskammer und des Wirtschaftsbundes überreicht – ein Moment, der für den 69-Jährigen eine besondere Anerkennung seines Lebenswerks darstellt.

„Herzliche Gratulation an Kommerzialrat Alfred Bieberle zur Verleihung der Ehrenmedaille des Wirtschaftsbundes! Als Spitzenfunktionär der Gärtner und Floristen sowie langjähriger Unternehmer hat er die regionale Wirtschaft maßgeblich mitgestaltet. Diese Auszeichnung ist eine verdiente Anerkennung für seinen großen Einsatz“, hielt Wirtschaftskammer Präsident Andreas Wirth im Rahmen der Verleihung fest.

Der Familienbetrieb „Gartengestaltung Bieberle“ blickt mittlerweile auf eine rund 70-jährige Geschichte zurück. Gegründet wurde er 1956 von Bieberles Vater. Alfred Bieberle selbst übernahm die Firma bereits Anfang März 1978 – noch vor seinem 21. Geburtstag – und führte sie über 44 Jahre hinweg. „Rückblickend bin ich froh, dass ich so jung das Unternehmen übernommen habe, so konnte ich schnell hineinwachsen.“

Mit 1. Jänner 2022 erfolgte schließlich die Übergabe an die nächste Generation: Seine Kinder Dominik und Annika führen den Betrieb seither weiter. Beide haben im Unternehmen gelernt und sind ausgebildete Gärtnermeister. Dominik ist heute Geschäftsführer, während Annika im Büro tätig ist. Das Unternehmen firmiert nun als „Gartengestaltung Bieberle e.U.“.

Der Betrieb war zunächst noch ein klassischer Mischbetrieb mit Gärtnerei, Blumenproduktion und Floristik. Im Laufe der Jahrzehnte veränderte sich jedoch der Schwerpunkt deutlich. Die floristische Schiene und die Produktion von Blumen traten in den Hintergrund, während sich der Betrieb zunehmend auf Gartengestaltung und Landschaftsbau spezialisierte.

Bereits in den 1980er-Jahren war das Unternehmen an großen Projekten beteiligt, darunter Begrünungen entlang der Schnellstraßen S31 und S4 oder Renaturierungsmaßnahmen an Bächen. Auch international war man tätig: In Ungarn gestaltete Bieberle unter anderem zwei Metro-Märkte in Budapest und Győr.

In den vergangenen Jahrzehnten entwickelte sich das Unternehmen weiter zu einem modernen Spezialisten mit breitem Leistungsspektrum – von Schwimmteichen und Naturpools über Dachgärten bis hin zu Projekten im öffentlichen Raum. Zu den Referenzen zählen unter anderem die Therme Lutzmannsburg, das Balance Resort in Stegersbach sowie zahlreiche Kindergärten, etwa in Schwechat, Puchberg oder Wiener Neustadt.

Der Tätigkeitsschwerpunkt liegt heute in einem Umkreis von etwa 80 bis 100 Kilometern. Neben Wien und dem Burgenland zählt auch Niederösterreich zum Einzugsgebiet.

rotz der erfolgreichen Entwicklung sieht Bieberle die Branche mit Herausforderungen konfrontiert. Besonders kritisch beurteilt er die zunehmende Bürokratie: „Wir kommen nicht mehr zum Arbeiten und zum Umsatz machen, weil wir durch die überbordende Bürokratie behindert werden“, sagt er.

Auch die Personalsituation ist keine einfache. Es werde zunehmend schwieriger, Mitarbeiter zu finden, die bereit seien, dauerhaft und engagiert zu arbeiten. Veränderte Erwartungen – etwa in Richtung Work-Life-Balance – machten sich deutlich bemerkbar.

In vielen Berufen hat die Künstliche Intelligenz bereits Jobs gekostet. Bieberle sieht dem jedoch gelassen entgegen. Er ist überzeugt, dass eben das Handwerk in seiner Branche Zukunft hat. Viele dieser Tätigkeiten erfordern Erfahrung, Kreativität und ein „Auge“ für Gestaltung – Fähigkeiten, die Maschinen auf absehbare Zeit nicht ersetzen könnten. „Kein Roboter kann eine Trockensteinmauer bauen“, betont er.

Auch wenn Alfred Bieberle offiziell in Pension ist, hat er sich nicht vollständig aus dem Berufsleben zurückgezogen. Er arbeitet weiterhin im Betrieb mit – allerdings deutlich reduziert.

„Mit der Tageseinteilung habe ich gar nichts mehr zu tun. Aber wenn ich auf einer Baustelle gebraucht werde, bin ich dabei“, beschreibt er seine Rolle.

Aktuell ist er etwa bei Projekten wie am Krankenhaus Oberpullendorf involviert, insbesondere wenn es um Planung und Erfahrung aus früheren Projekten geht.

Ein Ende im Betrieb ist aktuell nicht in Sicht. „Ich mache die Arbeit nach wie vor sehr gerne und kenne mich in der Branche nach den vielen Berufsjahren doch ein bisschen aus“, schmunzelt Bieberle.

Darüber hinaus ist Bieberle als gerichtlich beeideter Sachverständiger für Garten- und Oberflächengestaltung tätig – eine Funktion, zu der er bereits in den 1980er-Jahren kam. Damals wurde er vom Gerichtspräsidenten angefragt und zunächst für fünf Jahre vereidigt. Seither wurde die Tätigkeit mehrfach verlängert, inzwischen erfolgt eine regelmäßige Verlängerung im Fünfjahresrhythmus. Weiterbildung – sprich regelmäßiger Besuch von Seminaren – sind dafür Voraussetzung.

Mehrmals im Jahr wird er von Gerichten beigezogen. „Oft gibt es Streitereien unter Nachbarn, wenn es zum Beispiel einen Überhang gibt. In letzter Zeit gibt es immer mehr Fälle im Bereich der Gartengestaltung. Der Kunde will zum Beispiel nicht zahlen, weil er die Meinung vertritt, dass des Mängel gibt. Der Richter fordert dann mich als Experten an, in der Regel wird von mir ein Gutachten erstellt. Beide Parteien müssen mit der entsprechenden Person für den Sachverständigen einverstanden sein, bevor dieser beauftragt wird.

Neben seiner unternehmerischen Tätigkeit engagierte sich Bieberle auch jahrzehntelang in der Interessenvertretung. So war er von 2010 bis 2020 Obmann der Wirtschaftskammer-Regionalstelle Mattersburg sowie von 2000 bis 2020 Landesinnungsmeister der Gärtner und Floristen im Burgenland.

Sein Engagement hatte einen klaren Hintergrund: die Stärkung des Berufsstandes. „Für die Branche war es notwendig“, sagt Bieberle rückblickend. Was die Zahlen belegen: Gab es in den späten 1970er-Jahren nur sechs Gartengestalter im Burgenland, sind es heute rund 50 Betriebe.

Mit der Goldenen Ehrenmedaille des Wirtschaftsbundes wird nun ein Unternehmer ausgezeichnet, der nicht nur einen Familienbetrieb über Jahrzehnte hinweg erfolgreich geführt, sondern auch die Entwicklung seiner Branche im Burgenland maßgeblich mitgestaltet hat – und ihr bis heute verbunden bleibt.