Renaturierung bringt Bewegung ins Raabtal

Grenzgebiet

Ein grenzüberschreitendes Projekt entlang der Raab zeigt, wie Renaturierung konkret umgesetzt wird. Vertreterinnen der Grünen aus dem Burgenland und der Steiermark machten sich vor Ort ein Bild.

Von Bertie Unger

Ernst Heuberger, Irmgard Seidler, Irene Birschitzky, LH-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner, Manfred Szerencsits, Sandra Krautwaschl (Landessprecherin der Grünen Steiermark), Robert Necker und Joachim Tajmel machten sich vor Ort ein Bild vom Projekt.

Ernst Heuberger, Irmgard Seidler, Irene Birschitzky, LH-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner, Manfred Szerencsits, Sandra Krautwaschl (Landessprecherin der Grünen Steiermark), Robert Necker und Joachim Tajmel machten sich vor Ort ein Bild vom Projekt.

© GRÜNE Burgenland

Entlang der Raab im Grenzgebiet zwischen dem Südburgenland und der Steiermark soll der Fluss wieder mehr Raum bekommen. Auf Einladung der „Initiative Flussraum Raab“ besuchten die Grünen-Landesprecherinnen Anja Haider-Wallner und Sandra Krautwaschl ein grenzüberschreitendes Renaturierungsprojekt zwischen Jennersdorf und Fehring. Die Initiative selbst ist eine Gruppe von Menschen unterschiedlichen Alters und mit verschiedenen beruflichen Hintergründen. Sie verbindet ein gemeinsames Ziel: Die Natur im Raabtal langfristig zu erhalten und für kommende Generationen zu stärken.

Ausgangspunkt vieler Maßnahmen ist das EU-Renaturierungsgesetz. Rund zwei Jahre später wird nun sichtbar, was diese Entscheidung vor Ort bedeuten kann.

„Vor zwei Jahren wurden rund um das Renaturierungsgesetz viele Falschmeldungen verbreitet. Heute sehen wir, worum es tatsächlich geht: um intakte Flussräume, gesunde Böden und mehr Sicherheit bei Hochwasser“, betont Sandra Krautwaschl. „Dass dieses Gesetz beschlossen wurde, war keine Selbstverständlichkeit. Es war eine mutige Entscheidung – und sie war richtig.“

„In Zeiten von Dürreperioden und Hitzesommern zeigt sich, wie wichtig mutige Entscheidungen sind. Das Ja von Leonore Gewessler war die Voraussetzung dafür, dass wir heute solche Projekte umsetzen können. Renaturieren ist kein Luxus, sondern Notwendigkeit“, ergänzt Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner.

Im Mittelpunkt des Projekts stehen die Wiederherstellung natürlicher Flussverläufe, Uferbepflanzungen sowie die Verbindung bestehender Schutzgebiete durch ökologische Korridore. Ziel ist es, Flüssen wieder mehr Raum zu geben und natürliche Prozesse zu stärken.

Intakte Böden können Wasser aufnehmen und speichern, was bei Starkregenereignissen ein wesentlicher Faktor ist. Gleichzeitig zeigt sich in vielen Regionen ein sinkender Grundwasserspiegel, der unter anderem an Brunnen sichtbar wird, die teilweise bereits versiegt sind. Und genau an diesem Punkt setzen verschiedene Maßnahmen an. Niederschläge sollen stärker zurückgehalten werden – nicht nur durch große Staudämme, sondern auch durch Rückhaltemaßnahmen in kleineren Bächen. Dadurch kann das rasche Abfließen von Regenwasser gebremst werden. Das trägt zur Stabilisierung des Grundwasserspiegels bei und kann gleichzeitig Hochwasserschutz, Landwirtschaft und Wasserversorgung unterstützen. „Renaturierte Flüsse bieten dem Wasser mehr Platz bei Starkregenereignissen und die naturnahen Flächen können wie ein Schwamm wirken. Sie entlasten Siedlungsräume und reduzieren Hochwasserrisiken. Das ist praktische Klimaanpassung direkt vor unserer Haustür“, erklärt Sandra Krautwaschl.

Neben dem Hochwasserschutz spielt auch die Artenvielfalt eine Rolle. Ein Beispiel dafür ist der deutliche Rückgang vieler Insektenarten. Früher habe man ihre Vielfalt oft schon an den Windschutzscheiben der Autos bemerkt – heute sei davon deutlich weniger zu sehen.

Für funktionierende Ökosysteme sind Insekten jedoch unverzichtbar. Sie bestäuben Pflanzen, dienen anderen Tieren als Nahrung und sichern damit zentrale Kreisläufe der Natur. Maßnahmen wie eine naturnahe Landschaftspflege oder die Förderung der Biolandwirtschaft sollen dazu beitragen, ihre Lebensräume zu erhalten.

Mit ihren Projekten will die Initiative Flussraum Raab dazu beitragen, dass Natur, Landwirtschaft und Lebensqualität in der Region langfristig gesichert werden. Ziel ist es, diese und weitere Maßnahmen Schritt für Schritt umzusetzen und damit einen Beitrag zu einem gesunden Leben in einer intakten Natur zu leisten – nicht nur für die Menschen heute, sondern auch für kommende Generationen.