Gründonnerstags-Tradition: Schon Popeye liebte Spinat

Ostern naht

Der Großteil des in Österreich angebauten Spinats stammt aus dem Marchfeld in Niederösterreich; besonders der Cremespinat ist ein Klassiker am Gründonnerstag. In den letzten Jahren wurde immer mehr Blattgemüse auch ins Ausland exportiert.

Von Anna Kindlmann

Für viele Österreicherinnen und Österreicher kommt am Gründonnerstag Spinat auf den Esstisch.

Für viele Österreicherinnen und Österreicher kommt am Gründonnerstag Spinat auf den Esstisch.

© APA/Helmut Fohringer

Die einen lieben, die anderen hassen ihn: Der Spinat polarisiert. Auch wenn er tiefgekühlt das ganze Jahr im Regal zur Verfügung steht - die meisten Österreicherinnen und Österreicher kommen erst in der Zeit um Ostern auf den „grünen“ Geschmack. Laut den Verkaufszahlen des Lebensmittelunternehmens „iglo“ wandern in dieser Zeit rund 44 Prozent der Jahresmenge über die Ladentische. Rund 3.200 Tonnen Spinat aus dem Marchfeld werden pro Jahr zu Tiefkühl-Creme-, -Blatt- und passiertem Spinat verarbeitet.

Geerntet wird im Marchfeld zwei Mal pro Jahr - einmal im Frühjahr, einmal im Spätherbst. Auf den Feldern östlich von Wien gedeiht das tiefgrüne Blattgemüse nämlich genau richtig. Norbert Friedrich, Geschäftsführer der Erzeugerorganisation Tiefkühlgemüse (ETG), erzählt, dass rund 500 bis 600 Hektar Ackerfläche Spinat verarbeitet werden - und ein Großteil davon am österreichischen Markt verkauft wird. „Die Ernte hat vor zwei Wochen begonnen und so weit sind wir mit der diesjährigen Qualität zufrieden“, sagt er.

Spinat-Export steigt an

Ein Viertel des Blattgemüse-Ertrages der Genossenschaft fließt in den europäischen Markt. In den letzten zehn Jahren sei dieser Anteil stetig gestiegen. „Um die 30 Prozent Steigerung verzeichnen wir im Gesamtabsatz“, sagt Friedrich. Ob die Menschen generell mehr Spinat essen, könne man daraus aber nicht ableiten, der Hintergrund sei eher klimabedingt: „Das Marchfeld ist ein sicheres Anbaugebiet, deshalb werden wir auch angefragt.“ In anderen Ländern Europas seien die Böden aufgrund des Klimawandels mittlerweile für den Spinat entweder zu trocken oder zu feucht.

Auf ein ganzes Jahr gerechnet dürften die Österreicher relativ konstant Spinat kaufen. Etwa fünf Millionen Packungen Tiefkühl-Spinat zählt „iglo“, mit dem „iglo“-Cremespinat - rund drei Millionen Packungen - als beliebtestes Produkt. „Obwohl der Gründonnerstag mit der Farbe Grün gar nichts zu tun hat, sind die Österreicherinnen und Österreicher kulinarisch an diesem Tag sehr traditionell unterwegs,“ sagt Ines Franke, Geschäftsführerin von „iglo“ Österreich. Ursprünglich wurde der Name wohl vom mittelhochdeutschen Wort „Greinen“ abgeleitet, was so viel wie „den Mund verziehen“ heißt.

Jüngere leben Tradition weniger häufig

Den Mund verziehen beim Anblick von Spinat laut einer Umfrage von „iglo“ besonders die jüngeren Österreicherinnen und Österreich - sowie viele Bewohner der Bundeshauptstadt. Unter 1.000 online Befragten gaben im Vorjahr nur 18 Prozent der Wienerinnen und Wiener an, zu Ostern Anhänger des grünen Blattgemüses zu sein. Insbesondere die 18- bis 29-Jährigen stehen Spinat am Gründonnerstag skeptisch gegenüber, jeder Zweite in dieser Altersgruppe gab an, der Tradition nicht zu folgen.

Dass das Gemüse aber der Eisenlieferant schlechthin ist, gilt mittlerweile als Mythos, der lange auch von der Zeichentrickfigur Popeye befeuert wurde. Gesund ist Spinat natürlich trotzdem: Während frischer Spinat bereits eine lange Reise in den Supermarkt zurückgelegt hat und sukzessive Vitamine abbaut, komme der Tiefkühlspinat innerhalb weniger Stunden vom Feld in die Packung und behalte somit die Nährstoffe, betont man bei „iglo“.