Champions League-Coach Didi Kühbauer: „Es war verdientes Glück“

Historische Quali

Der LASK schaffte am Dienstagabend mit dem 5:1-Erfolg im Rückspiel nach der Verlängerung gegen Celtic Glasgow den Einzug in die Champions League-Gruppenphase. Dabei waren die Linzer bis zur 32. Minute insgesamt noch 0:4 im Nachteil. Die Mentalität war irre - für die ist mit Didi Kühbauer der Cheftrainer verantwortlich. Der Burgenländer zeigte sich vor allem über die Entwicklung seiner Mannschaft angetan.

Von Von Bernhard Fenz

Didi Kühbauer darf sich mit dem LASK auf die Gruppenphase der UEFA Champions League freuen - am Donnerstag erfolgt die Auslosung.

Didi Kühbauer darf sich mit dem LASK auf die Gruppenphase der UEFA Champions League freuen - am Donnerstag erfolgt die Auslosung.

© GEPA pictures, GEPA pictures/ Manuel Binder

„Oft fallen Spieler oder Mannschaften in ein Loch, wenn Großes wie das Double erreicht wird“, sagte Kühbauer nach dem Spiel beim Sky-Gespräch, angesprochen auf einen Vergleich, was denn höher zu werten sei. Der Meistertitel und der Cupsieg sei die eine Sache („da wurde uns ja auch nichts geschenkt“), die andere Sache sei die Weiterentwicklung der Mannschaft. Und die ist offensichtlich ungebrochen. „Die Burschen sind voll auf Zug geblieben, das gefällt mir noch mehr. Es ist ein unglaubliches Gefühl. Von der Art und Weise, wie wir aufgetreten sind, kann man nur in die Champions League kommen.“ Nach dem Rückstand habe man Celtic an die Wand gespielt. „Ich ziehe den Hut. Die Mannschaft hat das Unmögliche möglich gemacht.“

Das Unmögliche im Zeitraffer: Mit einem 0:3-Rückstand ging es ins Rückspiel. Die Ausgangslage wurde mit dem 0:1 in Linz nach 22 Minuten noch aussichtsloser, dann kam der Meister und Cupsieger aber zurück, und wie: 1:1 (32.), 2:1 (48.), 3:1 (58.), 4:1 (91.) - Verlängerung, Gesamtscore 4:4. Und dann traf Samuel Adeniran in der 109. Minute per flachem Weitschuss zum 5:1 und ins totale Glück. Selbst ein verhauter Elfer von Selbigem in Minute 115 änderte nichts mehr am LASK-Aufstieg. Es war der Sieg durch eine spielerisch großartige Leistung über die 120 Minuten, aber vor allem auch ein Sieg des Willens und der Moral.

Der Glaube, der unbedingte Wille zurückzukommen, das sei ein Punkt, der nur durch ein perfektes Mannschaftsgefüge und die nötige Mentalität zu erreichen sei. Sky-Experte Didi Hamann, als Spieler unter anderem mit Bayern München und danach in England international aktiv, sah hier den Einfluss von Kühbauer besonders stark. Das mit der Moral gehe nur, „wenn alle Spieler und der gesamte Staff in die gleiche Richtung marschieren.“ Was der LASK und Didi Kühbauer als Trainer an der Spitze erreicht haben, wertete Ex-Profi Hamann wie folgt: „In Europa wird noch die nächsten Jahre davon gesprochen werden, in Österreich wahrscheinlich die nächsten 100 Jahre.“

Österreichs fünfter Klub in der Champions League

Nach Rapid, Austria, Salzburg und Sturm Graz ist der LASK somit der fünfte Verein aus Österreich, der sich für die Champions League-Gruppenphase qualifizieren konnte. Acht unterschiedliche Gegner werden den Oberösterreichern am Donnerstagabend im Zuge der Auslosung zugeteilt, alles ist möglich.

Auf die Frage nach einem Wunschlos ließ sich Kühbauer noch auf keine großen Spekulationen ein. Als ehemaliger Legionär bei Real Sociedad könnte die spanische Fußball-Liebe allerdings mit einem Gegner aus dem Land des Weltmeisters wieder neu entfacht werden - zumindest das Feuer, um einen spanischen Topklub zu ärgern. „Wir sind in jedem Spiel Außenseiter. Wenn Real Madrid dabei ist, wunderbar.“ Das hätte durchaus Charme, würden sich doch in den Coachingzonen Altmeister José Mourinho und Didi Kühbauer gegenüberstehen.

Doch ganz gleich, gegen wen es gehen sollte: Der 55-jährige gebürtige Mattersburger weiß einzuschätzen, dass „wir in jedem Spiel Außenseiter sein werden“. Und eines weiß Don Didi, wie er aus seiner Spanien-Zeit medial genannt wurde, ebenfalls: „Die Champions League werden wir nicht gewinnen, das ist gewiss.“

Das Motto lautet jedenfalls: Schön am Boden bleiben, weiterarbeiten und das machen, wofür es sich als Fußballprofi zu leben lohnt - Stichwort Moral und Wille. „Für mich ist immer wichtig: Warum gehen wir auf den Fußballplatz? Warum wollen wir gewinnen? Ich will das bei der Mannschaft immer spüren.“

Wäre der LASK gegen Celtic übrigens ausgeschieden, statt dass Florian Flecker den LASK in der 91. Minute per Abstauber-Kopfball mit 4:1 in Führung und somit in die Verlängerung brachte, hätte das Gefühl des Stolzes und der Zufriedenheit über die Moral der Mannschaft auch gepasst. So aber kann der Chefcoach aus dem Burgenland zufrieden behaupten: „Es war verdientes Glück und verdiente Arbeit.“

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