Neusiedler Rathaus steht erneut unter Denkmalschutz

Historisches Gebäude

Das Bundesdenkmalamt hat das Rathaus in Neusiedl am See teilweise unter Schutz gestellt. Die Entscheidung folgt neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen zur historischen Bedeutung des Gebäudes. Für die Verwaltung bringt der Schritt jedoch keine Entlastung in den seit Jahren beengten Arbeitsräumen.

Von Von Birgit Böhm-Ritter

Neusiedler Rathaus steht erneut unter Denkmalschutz

© Birgit Böhm-Ritter

Historisches Gebäude erhält neuen Schutz

Das Rathaus in Neusiedl am See gilt offiziell wieder als geschütztes Denkmal. Bürgermeisterin Elisabeth Böhm informierte in der jüngsten Gemeinderatssitzung über die Entscheidung des Bundesdenkmalamtes (BDA). Die Behörde verweist auf „die geschichtliche und künstlerische Bedeutung“ des Hauses sowie auf „das öffentliche Interesse an seiner Erhaltung“.

Bereits früher stand das Rathaus unter Schutz. Ein entsprechender Bescheid des Bundesdenkmalamtes wurde 1997 aufgehoben. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse führten nun zu einer erneuten, diesmal teilweisen Unterschutzstellung. Geschützt sind die Außenfassade, die Dachkonstruktion, das Stufenpodest, der Vorraum und das Vestibül im Erdgeschoß, der Sitzungssaal im Obergeschoß samt Fenstern und Türen sowie die Kellerräume.

Blick in die Geschichte des Hauses

Die barocken, gewölbten Kellerräume des heutigen Verwaltungshauses gehen auf ein Vorgängergebäude zurück. An derselben Stelle befand sich ein Söllnerhaus, das bis 1771 im Besitz des Chirurgen Johannes Äugl stand. Danach wechselte es mehrfach den Eigentümer und diente als Kaufhaus, Spezerei-Laden und Privathaus. Im Jahr 1872 übernahm die Sparkasse das Gebäude und baute es zu jenem Haus aus, das heute das Neusiedler Stadtbild prägt.

Neusiedler Rathaus steht erneut unter Denkmalschutz

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Ende des 19. Jahrhunderts zog das Gemeindeamt in den ersten Stock des damaligen Sparkassengebäudes. 1928 erwarb die Stadtgemeinde das Gebäude und adaptierte es zum Rathaus. Ein weiterer Umbau folgte 1938.

Die historischen Wurzeln prägen das Gebäude bis heute – und zugleich seine Grenzen. In der Stadtverwaltung wird es eng. Mit dem Bevölkerungswachstum wächst auch der Stab an Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Rathaus. In den Räumlichkeiten des alten Gebäudes hieß es deshalb zuletzt, zusammenzurücken. Das Gebäude aus dem 19. Jahrhundert entspricht den Anforderungen einer modernen Verwaltung nur noch eingeschränkt.

Zukunft offen – Sanierungsbedarf groß

Über 20 Gemeindebedienstete arbeiten inzwischen im Rathaus, das für eine Stadt mit rund 9.000 Einwohnerinnen und Einwohnern längst zu klein geworden ist. Im Herbst 2024 fasste der Gemeinderat daher einen Grundsatzbeschluss, Büroräume im Pfarramt anzumieten. Damals war auch ein geplanter Zubau durch die Pfarre im Gespräch, den die Gemeinde hätte mieten können. Ein Architekt wurde bereits beauftragt.

Die BVZ hat bei Bürgermeisterin Elisabeth Böhm nachgefragt, was aus diesen Plänen geworden ist: „Aufgrund des nicht umsetzbaren, geplanten Zubaus und der beschränkten finanziellen Ressourcen von Stadtgemeinde und auch Stadtpfarre wurde das Projekt einvernehmlich eingestellt“, erklärte sie.

Neusiedler Rathaus steht erneut unter Denkmalschutz

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Der Handlungsbedarf bleibt damit bestehen. „Eine Generalsanierung und Erweiterung des Rathauses wird in Zukunft notwendig sein“, weiß Böhm. Die finanziell herausfordernden Zeiten verzögern jedoch größere Maßnahmen. Kleinere Reparaturen erfolgen weiterhin, etwa die Erneuerung des Sitzungssaals, die noch vor der Unterschutzstellung, aber bereits in Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt, durchgeführt wurde.