Schutz vor Krebs für junge Menschen

HPV-Impfung

Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe sowie Präsidentin der Krebshilfe Burgenland, Dr. Michaela Klein, erklärt, warum die HPV-Impfung für unter 30-Jährige so wichtig ist und wie sie Krebs effektiv vorbeugen kann.

Dr. Michaela Klein, Präsidentin der Krebshilfe Burgenland.

Dr. Michaela Klein, Präsidentin der Krebshilfe Burgenland.

© Krebshilfe Burgenland

BVZ: Seit dem vergangenen Sommer – und bis Ende 2025 – ist die HPV-Impfung für unter 30-Jährige gratis. Welche Rolle spielt die HPV-Impfung in der Prävention von Krebs?

Dr. Klein:Die HPV-Impfung ist derzeit (abgesehen von der Hepatitis B Impfung) die einzige Impfung gegen Krebserkrankungen. Wenn die Impfung vor dem ersten Geschlechtsverkehr erfolgt, dann kann sie mit einer Wahrscheinlichkeit von 90% das Risiko an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken, reduzieren. Mit einer 98%-Wahrscheinlichkeit kann es das Auftreten eines Analkrebs verhindern, das Peniscarcinom kann zu über 90 % verhindert werden.

In den Mundbereich wird das HP-Virus vor allem durch oralen Geschlechtsverkehr eingebracht. Zirka 50% der Krebserkrankungen im Mund und Kehlkopfbereich sind durch HPV verursacht, auch diese Krebserkrankungen können mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit durch die Impfung verhindert werden. Die HPV-Impfung zählt zu den wirksamsten Maßnahmen in der Krebsprävention, da sie die Entstehung bestimmter Krebsarten effektiv verhindern kann.

BVZ: Warum ist die HPV-Impfung besonders für junge Menschen unter 30 Jahren wichtig?

Dr. Klein:Den größten Vorteil der Impfung haben Kinder, idealerweise zwischen dem 9. und 12. Geburtstag. Hier sind die Kinder noch nicht sexuell aktiv und die Immunantwort auf die Impfung ist in diesem Alter hervorragend. Je älter wir generell beim Impfen werden, desto schlechter ist unsere Immunantwort auf eine Impfung.

Bei der HPV-Impfung wird derzeit von einer lebenslangen Immunität ausgegangen. Daher ist es sinnvoll, den Zeitpunkt der Impfung so zu wählen, dass die Antikörperbildung am höchsten ist. Die Impfung vor dem ersten Sexualkontakt bringt den größten Vorteil, da bei Kontakt mit dem Virus – das Virus durch Antikörper, die durch die Impfung ausgebildet werden, neutralisiert wird.

Wir gehen davon aus, dass 80% aller sexuell aktiven Menschen zumindest ein Mal im Leben eine HPV-Infektion durchmachen. Jeder neue Partner birgt das potenzielle Risiko einer Infektion. Dies ist prinzipiell unabhängig vom Alter. Aber Menschen über 30 leben häufiger in stabilen Partnerschaften als 20-jährige. Dies ist der Hauptgrund, warum man die Impfaktion derzeit bis zum 30. Geburtstag kostenfrei eingeführt hat.

BVZ: Wie können sich Frauen über die verschiedenen Krebsvorsorgeuntersuchungen informieren?

Dr. Klein:In Österreich haben wir mannigfaltige Möglichkeiten der kostenfreien Krebsvorsorge beziehungsweise in den meisten Fällen der Krebsfrüherkennung. Die HPV-Impfung ist wirklich eine Vorsorge, denn durch die Impfung wird die Krebserkrankung in den meisten Fällen verhindert.

Für Frauen gibt es in Österreich auch die Möglichkeit, den Krebsabstrich zu machen. Auch das Mammographiescreening und das Dickdarmkrebsscreening sind im Burgenland kostenfrei in bestimmten Altersgruppen, hier werden die Burgenländer/innen sogar per Brief zur Untersuchung eingeladen. Es gibt viele Möglichkeiten, sich zu informieren – über die Krankenversicherungsanstalten, verschiedene Medien oder direkt bei der Ärztin bzw. dem Arzt des Vertrauens. Auch wir als Krebshilfe machen gezielt auf diese Angebote aufmerksam.

BVZ: Welche Herausforderungen sehen Sie in der Aufklärung und Prävention von Krebs im Burgenland?

Dr. Klein:Leider mache ich die Erfahrung, dass die Gesundheitskompetenz in Österreich oftmals mangelhaft ist. Viele Menschen wissen nicht, wie sie sich schützen können, was sie selbst beitragen können, um gesund zu bleiben.

Ich denke, eine der wichtigsten Aufgaben in der Prävention von Krebs ist es, Wissen zu vermitteln. Egal, ob es um gesundes Essen geht oder um eine Impfung wie zum Beispiel die HPV-Impfung. Nur Menschen, die informiert sind, können gute Entscheidungen für ihr Leben treffen. Die Krebshilfe bemüht sich sehr, durch Infokampagnen Wissen zu vermitteln.

In Österreich ist unser Gesundheitssystem auch noch immer darauf ausgerichtet Erkrankungen zu lindern oder im besten Fall zu heilen. Es wäre schön, wenn wir es schaffen würden, unseren Fokus darauf zu richten, Erkrankungen erst gar nicht entstehen zu lassen. Die Herausforderungen sind enorm, ich denke, hier werden wir ohne Unterstützung von Seiten der Politik nicht auskommen.

BVZ: Welche Erfolge konnten in den vergangenen Jahren in der Krebsvorsorge verzeichnet werden?

Dr. Klein:Die HPV-Impfung ist ein großer Erfolg in der Vorbeugung von Krebserkrankungen und die Durchimpfungsraten steigen, zwar nicht ganz so, wie ich es mir erträume, aber sie steigen jedes Jahr und das ist schön. Ansonsten muss man leider sagen, dass wir seit Jahren in der Krebsfrüherkennung stagnieren. Zirka 40% der Menschen nehmen an Vorsorgeuntersuchungen teil und die Zahlen sind seit Jahren konstant. Wir erreichen immer nur die gleichen Menschen. Es kommen kaum neue Gruppen dazu.

Die Erfolge, die wir onkologisch erzielen, sind fast ausschließlich darauf zurückzuführen, dass die Therapien, die wir zur Verfügung haben, besser und zielgerichteter werden.

BVZ: Was sind Ihre Ziele, um die Krebsvorsorge und -behandlung weiter zu verbessern?

Dr. Klein: Mein persönliches Ziel ist auch das WHO-Ziel: eine 90%-Durchimpfungsrate aller Menschen bis zum 30. Lebensjahr mit der HPV Impfung. Wir werden auch demnächst mit unserer HPV Road Show starten, um in Schulen über HPV zu informieren und dann auch die Möglichkeit zu geben, sich vor Ort impfen zu lassen. Als Frauenärztin ist es mir auch ein Anliegen, die Teilnahmerate am Mammographiescreening zu steigern. Hier haben wir begonnen, in Werbung zu investieren.