Der Charity Run der Mattersburger HAK und des Gymnasiums hat auch heuer wieder gezeigt, was gemeinsames Engagement bewirken kann. Nun wurde der Spendenerlös in Höhe von 17.500 Euro an das Jugendzentrum Mattersburg übergeben.
Tricks mit Stornos? Freispruch für sieben Angeklagte
In Konditorei
Knalleffekt im Prozess wegen angeblicher Veruntreuung in Konditoreien im Bezirk Mattersburg: Der Prozess gegen einen Ex-Filialleiter und sechs Mitarbeiterinnen endete am 10. Juni 2026 mit Freisprüchen.
Die ehemalige Belegschaft einer Konditorei versammelte sich neuerlich im Eisenstädter Schwurgerichtssaal.
© BVZ/KIrchmeir
Den ehemaligen Mitarbeitern der Konditorei war von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen worden, 2024 und 2025 Stornos missbräuchlich eingegeben und von den Gästen trotzdem Geld für Speisen und Getränke kassiert zu haben. Diesen Zusatzverdienst sollen sie sich eingesteckt haben. Der Prozess gegen das frühere Personal wurde am Mittwoch, 10. Juni 2026, fortgesetzt.
Als erster Zeuge wurde der Geschäftsführer des Gastronomieunternehmens befragt. Er berichtete, dass ihn im Jänner 2025 eine erst kürzlich eingestellte Mitarbeiterin einem Vier-Augen-Gespräch über Unregelmäßigkeiten informiert habe. „Sie sagte, dass Bestellungen storniert werden und sie das mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren kann“, so der Geschäftsführer.
Eine zweite Mitarbeiterin habe ebenfalls über Missstände berichtet.
Die Richterin wies darauf hin, dass beide Frauen bei ihrer Einvernahme vor Gericht angegeben hatten, es sei ihnen nichts Ungewöhnliches aufgefallen. Eine der Frauen sagte, sie hätte niemals etwas Belastendes über ihre Ex-Kollegen geäußert. „Im Protokoll steht auch, dass sie Angst vor dem Filialleiter haben, der im selben Bereich wohnt und vorbeifährt“, sagte dazu der Geschäftsführer.
Weitere Hinweise auf Unregelmäßigkeiten habe er vom Chef jener Firma erhalten, die in den Konditorei-Filialen die Kassensysteme installiert hatte und diese wartete. „Er sagte: Die schießen dich, du musst aufpassen“, so der Geschäftsführer.
Der Experte für Kassensysteme gab später an, er habe selbst beobachtet, wie beim Kassieren an einigen Tischen in einem der Lokale keine Kassenbons ausgedruckt wurden. „Ich ging dann auf Fehlersuche und stellte fest, dass bei diesen Tischen Speisen und Getränke gelöscht worden waren“, sagte der Zeuge.
Insgesamt habe es viele Sofort-Stornos gegeben. „Das ist mehr als ungewöhnlich“, sagte der Kassensystem-Experte. Er sei verpflichtet, den Betreiber zu informieren, wenn er derartige Beobachtungen mache. Das habe auch rechtliche Gründe. „Fünf bis zehn Prozent Korrekturen sind normal. Da waren es aber deutlich mehr“, sagte der Zeuge.
Bei einer nachträglichen Analyse ergab sich, dass von Oktober 2024 bis März 2025 mehr als 8.000 Stornos verzeichnet wurden. Danach fiel diese Zahl auf nur mehr drei bis vier pro Woche.
„Ich war extrem enttäuscht, weil ich viel Vertrauen in den Filialleiter und andere Mitarbeiterinnen gesetzt hatte“, sagte der Geschäftsführer. Er sei plötzlich ohne Personal dagestahen. „Ich schlief nur mehr vier Stunden, trank 15 Kaffee und rauchte 30 Zigaretten pro Tag und hatte im Mai einen Herzinfarkt“, schilderte der Geschäftsführer die schwierige Zeit im Vorjahr.
Im September 2025 musste das Unternehmen Insolvenz anmelden. „Jetzt sind wir in der Sanierung“, sagte der Geschäftsführer.
Die Richterin sprach am Schluss überraschender Weise alle Angeklagten von Vorwurf der Veruntreuung frei. Es sei nicht klar gewesen, ob es sich um Stornierungen oder Korrekturen von Bestellungen gehandelt habe. Auch sei nicht nachweisbar, dass tatsächlich Geld geflossen sei. Und darüber hinaus seien allfällige Fehlbeträge gar nicht einzelnen ehemaligen Mitarbeiterinnen zuordenbar.
Der Freispruch ist nicht rechtskräftig.