Klaus Hofmann: „Der Konsument ist bereit, sich etwas Gutes zu tun“

Interview der Woche

Klaus Hofmann, Geschäftsführer der St. Martins Therme & Lodge in Frauenkirchen, folgt Gerhard Gucher als Direktor der Vamed Vitality World nach. Im Interview mit der BVZ spricht er über die Herausforderungen im Tourismus, ausstehende Corona-Förderungen, die Vier-Tage-Woche und seine Anfänge als Praktikant im Hotel Sacher.

Von Von Birgit Böhm-Ritter

Klaus Hofmann (r.) übernahm die Position des Managing Director der Vamed Vitality World von Gerhard Gucher. Hofmann ehrte Guchers Lebenswerk mit der Überreichung einer „Platinum-VIP-Karte“ als symbolische Berechtigung für den lebenslangen Eintritt in alle Thermenresorts d

Klaus Hofmann (r.) übernahm die Position des Managing Director der Vamed Vitality World von Gerhard Gucher. Hofmann ehrte Guchers Lebenswerk mit der Überreichung einer „Platinum-VIP-Karte“ als symbolische Berechtigung für den lebenslangen Eintritt in alle Thermenresorts d

© Foto Bergermayer

Klaus Hofmann folgt Gerhard Gucher als Managing Director der Vamed Vitality World

BVZ: Sie sind nun seit Jahresbeginn Managing Director der Vamed Vitality World und folgen damit Gerhard Gucher nach. Waren Sie überrascht, als Ihnen der Posten angeboten wurde?

Klaus Hofmann: Die Nominierung ist für mich eine Ehre und bedeutet für mich zugleich eine große Verantwortung. Gerhard Gucher hat den Generationenwechsel an der Spitze der VAMED Vitality World über die vergangenen Monate hinweg gut vorbereitet. Es ist eine sehr harmonische Übergabe, wir kennen uns ewig und sind auch weiter in Kontakt. Ich kenne aus meinen Tätigkeiten bei Rogner International und der St. Martins Therme & Lodge sowohl die Perspektive aus einer Zentrale heraus, sowie die Perspektive aus einem Resort. Das ist sicher ein Vorteil.

Was sind Ihre genauen Aufgabenbereiche und welche Ziele streben Sie für die Vamed Vitality World an?

Die Vamed Vitality World ist das Dach über sechs Thermenresorts. Die Häuser werden primär eigenständig von den Geschäftsführern geführt. Ich behalte auch die Geschäftsführung in Frauenkirchen weiter. Das ist gewissermaßen mein Baby. Ich hab dafür sehr viel Herzblut, Kraft und Energie investiert und es ist mir wichtig, dass St. Martins entsprechende fortgeführt wird.

Wenn Häuser nicht auf ihren Kurs sind und nicht die wirtschaftlichen Erwartungen erfüllen, dann muss die Zentrale entsprechend unterstützen und eingreifen. Die primäre Verantwortung liegt aber darin, Synergieeffekte zu optimieren, etwa in den Bereichen Mitarbeiter, Marketing, IT oder Energie. Hier haben alle Resorts die gleichen Herausforderungen.

Klaus Hofmann: „Der Konsument ist bereit, sich etwas Gutes zu tun“

© Bernhard Raab/ÖHV

Sie bleiben Geschäftsführer der St. Martins Therme in Frauenkirchen. Das bedeutet eine hohe Doppelbelastung, bleibt da noch Zeit für ein Privatleben?

Ja, es braucht viel Selbstorganisation, aber ich habe immer viel gearbeitet und es hat mir immer viel Spaß gemacht. Meine Familie spielt da auch mit.

Ich werde auch weiterhin mindestens einen Tag in der Woche in Frauenkirchen sein, die restlichen Tage in Wien im Büro oder in den anderen Resorts. Für mein Team in Frauenkirchen wird sich schon etwas ändert. Martin Adelwöhrer, der schon seit langem die operative Führung inne hat, ist nun zum General Manager des Resorts befördert worden. Ich reduziere meine Arbeit wirklich auf die Kernthemen der Geschäftsführung, ich bin mit dem Haus aber täglich in Verbindung.

Die Vamed Vitality World ist Österreichs größter Anbieter von gesundheitstouristischen Thermenresorts. Wie viele Tagesgäste kommen jährlich?

2,5 Millionen Tagesgäste sind es in Summe. 1600 Mitarbeiter sind beschäftigt, davon sind es 320 in Frauenkirchen.

Gibt es größere Ausbauprojekte oder sogar neue Standorte, die derzeit geplant sind?

Die VAMED Vitality World hat derzeit keine größeren neuen Projekte angekündigt. Wenn wir uns weiter vergrößern, dann nur dort, wo es wirtschaftlich Sinn macht. Zur Zeit gilt es aber einmal, unser Profil weiter zu schärfen und uns noch stärker aufzustellen.

Sehr viel habe ich in Punkto Gesundheitsprävention vor. Eine Auszeit in der Therme heißt, seiner Gesundheit etwas Gutes tun. Das Bewusstsein, dass man auf sich und seine Gesundheit achten sollte, ist in den vergangenen Jahren noch einmal deutlich gestiegen. Das sehen wir bei unseren Tagesgästen, genauso wie bei den Urlaubsbuchungen in unseren Resorts. Ein Schwerpunkt, den wir ausbauen werden. Da hat die Vamed Vitality World mit den sechs Häusern noch eine riesen Chance.

Die gesamte Wirtschaft ist seit Jahren mit großen Herausforderungen konfrontiert: Stichwort Corona und Teuerung. Wie hat sich das Gästeverhalten verändert?

Wir merken die Inflation schon. Die Gäste konsumieren bewusster und werden immer kritischer. Der Konsument ist aber weiterhin bereit, sich selbst was Gutes zu tun. Wir haben bis dato keine Einbußen, aber wir merken, dass der Gast das Preis-Leistungsverhältnis sehr genau verfolgt.

Aber auch wenn die wirtschaftliche Lage unsicher ist: Urlaub und für seine Gesundheit etwas Gutes zu tun, ist ein Grundbedürfnis der Menschen. Nach der Pandemie ist das Bedürfnis nach Urlaub so groß wie nie. Der Tourismus ist und bleibt deshalb in den wirtschaftlich unsicheren Zeiten der sichere wirtschaftliche Anker für das Burgenland und auch für Österreich.

Thermen sind sehr energieintensive Betriebe. Welche Strategien gibt es in den Standorten der Vamed Vitality, um Energie und Kosten einzusparen?

Energie ist ein riesen Thema, bei dem wir intensiv gefordert sind, nicht nur weil es der Gesetzgeber verlangt, sondern weil wir uns selbst rasch weiter entwickeln wollen und das auch unsere Gäste von uns erwarten. An jedem Standort wird geprüft, wie der Energieverbrauch optimiert werden kann.

Das heißt kurzfristig einfach, Strom einsparen. Zum Beispiel durch die Umstellung auf LED, aber auch auf alternative Energieversorgung wie Photovoltaik und Wärmepumpen. Wir müssen das Tempo erhöhen, um rascher fossilfrei zu werden. Energie wird aber nie zulasten der Qualität für den Gast eingespart, das möchte ich betonen.

Keine kälteren Becken?

Nein, die Becken behalten ihre wohlige Wassertemperatur.

Die Vamed Vitality World wirbt auf ihrer Website um Mitarbeiter genauso professionell und umfangreich wie um Gäste. Wie schwierig ist es momentan Personal zu finden?

Ich glaube, dass es in Westösterreich noch etwas schwieriger ist, als im Osten. Die Situation hat sich leicht entspannt. Es gibt einen permanenten intensiven Wettbewerb in der Branche um die besten Köpfe. Da muss man sehr viel tun. Wir arbeiten im Hintergrund zum Beispiel schon an einem zweiten Mitarbeiterhaus in Frauenkirchen.

Wir haben aber leider ein Imageproblem in unserer Branche. Zu Unrecht! Das Arbeiten im Tourismus hat keinen guten Ruf. Es hat immer schon schwarze Schafe gegeben, aber es sind primär die weißen unterwegs: Etwa Unternehmen wie St. Martins, die wahnsinnig viel unternehmen, um den Mitarbeitern einen tollen Job zu ermöglichen. Das Arbeiten im Tourismus hat ja etwas extrem Positives – wir aarbeiten dort, wo andere Urlaub machen. Es gilt nun, mehr Leute davon zu überzeugen, dass es Spaß macht in so einem Umfeld zu arbeiten.

Tourismus-Geschäftsführer Didi Tunkel hat kürzlich in einem BVZ-Interview gemeint, Betriebe müssten kreativ sein und Mitarbeitern Zuckerln anbieten, etwa eine Vier-Tage-Woche. Ist die Vier-Tage-Woche im Tourismus realistisch?

Das kann man für die Tourismusbranche nicht pauschal beantworten. Wir haben uns in Frauenkirchen das Thema Vier-Tage-Woche in den letzten Jahren intensivst angeschaut. Wir sind zum Schluss gekommen, dass wir hier pauschal für alle Mitarbeiter kein vernünftiges Arbeitszeitmodell zustande bringen, weil die Anforderungen so unterschiedlich sind. Was wir aber machen: Wenn wer Teilzeit arbeiten möchte, gehen individuell, so gut es geht, auf die Mitarbeiteranforderungen und Wünsche ein. Es gibt aber Bereiche, da kann man eine Vier-Tage-Woche als Dienstgeber gar nicht verantworten. Beispiel: Zimmerreinigung. Housekeeping ist eine körperlich sehr anstrengende Arbeit und mehr als acht Stunden am Tag lassen wir als Arbeitgeber gar nicht zu.

Sie haben eine steile Karriere im Tourismus hingelegt, waren in Macau/Asien, waren für Rogner International tätig und haben das Management der Falkensteiner Hotels in Kroatien verantwortet. Ihre berufliche Laufbahn haben Sie aber als Praktikant im Hotel Sacher begonnen. Wie kam es dazu?

Ich habe das Tourismuskolleg Modul gemacht und da war ein 3-monatiges Praktikum verpflichtend. Ich habe die Chance bekommen, das im Hotel Sacher zu machen. Das war natürlich eine sehr intensive und lehrreiche Zeit. Ich durfte das Room-Service machen. Im Luxus-Hotel gab es da viele lustige Erlebnisse. Geschickt war ich nicht beim ersten Praxiseinsatz, deshalb bin ich wahrscheinlich auch im kaufmännischen Bereich gelandet (schmunzelt.) Ich hab nicht nur eine Torte verloren. Aber es war eine tolle Zeit. Die Zeit in Asien hat mich aber natürlich auch sehr geprägt.

Haben Sie einen Rat oder einen Tipp für junge Leute, die überlegen, vielleicht im Tourismus arbeiten zu wollen?

Das ist das tolle am Tourismus, man kann ins Ausland gehen, kann auf ein Schiff gehen, sich die Welt anschauen und jeder der junge Menschen kennenlernt weiß, die die „draußen“ waren, haben einen weiteren Horizont und haben auch entsprechend Erfahrung beim Umgang mit Menschen. Arbeiten im Tourismus ist zu keiner Zeit eine verlorene Zeit. Man lernt soziale Kompetenz, das braucht man in vielen Lebenslagen.

Wie läuft die Wintersaison in der St. Martins Therme?

Grundsätzlich läuft es sehr gut. Es gibt im Jänner klassisch ein kleines Loch. Wir sind mit der Buchungslage aber sehr zufrieden. Der Ausblick auf die Semesterferien ist sehr positiv. Wirtschaftlich beschäftigt uns als Branche im Hintergrund stärker die immer noch nicht ausbezahlten Covid-Stützungen von der COFAG. Die Förderungen sind in fast allen Standorten noch offen. Das ist für die Unternehmen eine große Herausforderung, weil das irgendwie kompensiert werden muss. Uns fordert das im Moment mehr als die Buchungslage.

Wie weit ist, Ihrer Einschätzung nach, das Burgenland auf einer Skala von 1 bis 10 beim angestrebten Ziel, Ganzjahresdestination zu werden?

Da ist, glaube ich, noch sehr viel drinnen. Wir sind maximal bei der Hälfte, also bei 5. Die Thermenstandorte gehen gut, aber der Parameter ist, wieviele Betriebe im Umfeld offen haben. Die Thermen haben zwar geöffnet, aber im Winter hat man rundherum überall im Burgenland weniger Möglichkeiten, einzukehren als im Sommer. Das ist das große Potenzial, das wir im Burgenland noch haben. Wir müssen schauen, dass wir noch mehr attraktive Gastronomiemöglichkeiten anbieten können. Da sind tüchtige Unternehmer gefordert. Das Geschäft wäre eigentlich da. Da liegt nach wie vor auch der Unterschied zu den etablierten Tourismusdestinationen im Westen.

Die St. Martins Therme feiert heuer ihren 15. Geburtstag. Wird es Neuerungen geben?

Liegeflächenerweiterungen im Lodge-Bereich wie auch in der Tagestherme sind geplant und wir werden massiv in alle Bereiche der Gastronomie investieren.