Jubiläum: 10 Jahre KLANGfrühling Schlaining

Interview

Für Intendant Gerhard Krammer fühlt sich das Jubiläum weniger wie ein Meilenstein, sondern wie ein Heimkommen an: eine Reise zurück ins Südburgenland, geprägt von Musik und Leidenschaft.

Von Bertie Unger

Gerhard Krammer, gebürtiger Jabinger, ist seit zehn Jahren Intendant des KLANGfrühling Schlaining.

Gerhard Krammer, gebürtiger Jabinger, ist seit zehn Jahren Intendant des KLANGfrühling Schlaining.

© Klangfestival Schlaining

BVZ: Herr Krammer, Sie leiten den KLANGfrühling Schlaining nun seit zehn Jahren. Was bedeutet dieses Jubiläum für Sie persönlich?

Gerhard Krammer: Sind es wirklich schon zehn Jahre? Also sagen wir, es ist die zehnte Saison und neun Jahre sind vergangen, wobei es mir vorkommt, es wären höchstens 9 Monate wenn überhaupt! Nicht nur dieses Jubiläum, sondern ganz grundsätzlich bedeutet mir diese Arbeit sehr, sehr viel! Denn als ich 2017 die Möglichkeit bekommen habe, hier das Programm mit einem großartigen Team zu gestalten, bin ich eigentlich wieder „zurück nach Hause“ gekommen, also ins Südburgenland. Das war mir am Anfang gar nicht so bewusst, aber wenn ich jetzt zurückblicke. dann fühlt es sich wirklich so an: Heimkommen..

BVZ: Der KLANGfrühling 2026 steht unter dem Motto „WORT/LOGOS“. Was dürfen sich die Besucher:innen darunter vorstellen?

Gerhard Krammer: Zuerst einmal wird man sich denken: Wo ist die Musik? Und beim zweiten Hinschauen kommt man vielleicht auf die Idee, dass es um Kommunikation geht. Also um das Miteinander, um das Reden, Sprechen und vor allem ums Zuhören: Dann sind wir schon mitten in der Musik. Mit dem Motto soll es gelingen, dass wir hinter das schauen, was wir im ersten Moment als gesichert, als fix, als „eh klar!“ einstufen, um dann schmunzelnd festzustellen: Es kann auch ganz anders sein.

Jubiläum: 10 Jahre KLANGfrühling Schlaining

© Petra Moser, PETRA MOSER

BVZ: Welche Highlights erwarten das Publikum heuer?

Gerhard Krammer: Also aus meiner Sicht gibt es jeden Tag mindestens ein Highlight. Der KLANGfrühling 2026 spannt wirklich einen sehr weiten Bogen. Die Freunde der klassischen Musik werden etwa am Samstag, dem 16. Mai, voll auf ihre Kosten kommen. Mit Andrés Gabetta und den wundervollen 4 Jahreszeiten von Antonio Vivaldi, die bei uns mit Tangoklängen des unsterblichen Astor Piazzolla gemischt werden. Oder am 13. Mai, wo wir ein ganz junges Ensemble erstmals in Schlaining erwarten, mit dem vielsagenden Titel Oida.

Die 5 jungen Musikerinnen entführen uns in die irischen Pubs des 17. und 18. Jahrhunderts: da bleibt kein Auge trocken! Wir freuen uns, dass es uns wieder gelungen ist, Erika Pluhar einzuladen. Sie bringt unter anderem den Klarinettisten und Wiener Philharmoniker Matthias Schorn mit, auf dem Programm viele eigene Lieder, etwa ihr einzigartiges „Es war einmal“, und diese Lieder mischt sie mit unsterblichen Melodien von Franz Schubert oder Robert Schumann. Tags zuvor, am Feiertag, Mavie Hörbiger und Clara Frühstück mit Arthur Schnitzlers Novelle „Fräulein Else“ und Klaviermusik, die wie aus einem Traum gegossen ist.

Ein ganz besonderes Erlebnis dürfen wir uns beim Sonnenaufgangskonzert am Fronleichnamstag schon um 5 Uhr früh erwarten. Der großartige Cellist Martin Rummel spielt Bachs Solo Suiten, dazwischen gibt es Poesie von einem Maler und Bildhauer, der etwa die Sixtinische Kapelle in Rom gestaltet hat, nämlich von Michelangelo Buonarroti mit der Stimme von Jan Thümer. Den Abschluss macht Flip Philipp; der gebürtige Großpetersdorfer ist erster Schlagwerker bei den Wiener Symphonikern und präsentiert sein einzigartiges Programm „Jazz trifft Klassik“ für eine 9-köpfige Jazz-Combo arrangiert. Das muss man einfach hören!

Und ein fulminanter Auftakt mit Philipp Hochmair, der sein unglaubliches Soloprogramm im Granarium präsentieren wird: Sicher mehr als „nur“ ein Start des KLANGfrühlings 2026. Der, wenn wir es genau nehmen, schon am Vortag, am Samstag, in allen fünf Ortsteilen beginnt, wo Menschen wieder ihre Häuser öffnen und der Musik Raum und Wort geben: auch das ist etwas, das es nur bei uns gibt.

BVZ: Die Friedensburg Schlaining spielt dabei eine zentrale Rolle?

Gerhard Krammer: Die Burg ist quasi immer die besondere Mitspielerin in unseren Konzerten und Veranstaltungen. Hier haben wir dieses einzigartige Ambiente, das, begleitet von entsprechender Kulinarik, mit den musikalischen Klangfrühlingangeboten Schlaining ausmacht.

BVZ: Sie sind nicht nur Intendant, sondern auch Rektor der Joseph Haydn Privathochschule in Eisenstadt. Wie ergänzen sich diese beiden Rollen?

Gerhard Krammer: Also zuerst hängt einmal beides vollständig mit Musik zusammen, und hier haben wir auch schon die Verbindung zwischen diesen beiden für mich so wichtigen Elementen. Daraus ergibt sich etwa für talentierte Studierende und junge Künstlerinnen die Möglichkeit, beim Festival Erfahrungen zu sammeln, sich unter Beweis zu stellen, und zu zeigen, zu welch tollen musikalischen, künstlerischen Leistungen wir im Burgenland imstande sind.

BVZ: Was treibt Sie persönlich in Ihrer Arbeit an?

Gerhard Krammer: Ich glaube, dazu ist unsere Interviewzeit zu kurz (lacht). Vor allem ist es die Möglichkeit, Musik, die für mich enorm wichtig ist, mit anderen Menschen zu teilen, eigene Ideen zu entwickeln und mit einem großartigen Team umzusetzen. Damit die Welt hier in unserer Region und darüber hinaus ein kleines Stückchen besser, menschlicher, schöner werden kann.

BVZ: Warum sollte man den KLANGfrühling 2026 unbedingt besuchen?

Gerhard Krammer: Weil es ein unglaublich vielfältiges Programm gibt, das man woanders nicht in dieser Form bekommt, weil das Festival in einem einzigartigen Ambiente stattfindet, das jedes Mal aufs Neue verzaubert. Weil die Tickets gegenüber dem vergangenen Jahr nicht teurer geworden sind (was für uns eine große Herausforderung darstellt). Weil man hier interessante, nette, aufregende, tolle und offene Menschen trifft, mit denen man sich austauschen kann. Und weil man beim KLANGfrühling solche Minuten erleben kann, die einem einfach gut tun.

BVZ: Ein Blick in die Zukunft – wohin entwickelt sich der KLANGfrühling?

Gerhard Krammer: Das Festival wird immer für die Menschen der Region gemacht sein und zugleich immer die Türen und Fenster offen haben für alle, von überall her, die diese besonderen Momente erleben wollen und mit anderen teilen möchten. Wir werden weiterhin mit viel Mut und mit noch mehr Ideen Programme erfinden, zu denen unsere Gäste gerne kommen. Dazu kann ich mich voll auf mein Team vor Ort, allen voran Werner Glösl, verlassen. Denn wir alle brennen für den KLANGfrühling, für die Musik, für die Kunst und dafür, dass wir für unsere Gesellschaft etwas bewegen und mitgestalten wollen, und das mit ganz großer Freude!