„Wenn Geld keine Rolle spielt? Dann wünsch ich mir Disneyland!“

Interview mit Didi Tunkel

Die guten Bilanzen sieht Tourismus-Geschäftsführer Didi Tunkel als Anlass für mehr Selbstbewusstsein in der heimischen Branche. Wie er mit Kritikern umgeht, warum er sich ein „utopisches“ Zupferd für den Süden wünschen würde und wie das Burgenland auf Urlaubsmessen auffällt, das erzählt Tunkel im BVZ-Interview.

Von Wolfgang Millendorfer

Burgenland-Tourismus-Geschäftsführer Didi Tunkel im BVZ-Interview: „Wir haben jedes Jahr zugelegt – das darf auch die ganze Branche freuen!“

Burgenland-Tourismus-Geschäftsführer Didi Tunkel im BVZ-Interview: „Wir haben jedes Jahr zugelegt – das darf auch die ganze Branche freuen!“

© Wolfgang Millendorfer

BVZ: Bei der Ferienmesse in Wien hat das Burgenland jetzt wieder einen großen Auftritt. Warum sind Messen für Sie nach wie vor Pflicht?

Didi Tunkel: Wie wichtig derartige Events sind, das sieht man am Großeinsatz rund um das Messe-Wochenende: Gleichzeitig ist das Burgenland auch in Stuttgart vertreten, und wir waren erstmals bei einer Camping- und Ferienmesse in Holland dabei. In Wien können wir auch wieder viele unserer Player und Stakeholder einbinden.

Auf 400 Quadratmetern werden alle Bereiche abgedeckt, als Burgenländer sind wir gern gesehene Gastgeber, und es gibt immer etwas zu verkosten, dazu Kultur, Naturerlebnis, Sport und Therme – die ganze Bandbreite.

Sie sind seit Jahren im Marketing zuhause. Was hat sich im Lauf der Zeit verändert?

Marketing ist heute viel personalisierter und spezieller, man erreicht über Social Media alle Zielgruppen. Und weil's gerade im Tourismus ohne Marketing nicht geht, sind wir genau dafür da. Das Spektrum ist breiter, aber klassische Kanäle wie Print, Hörfunk und TV gehören nach wie vor einfach dazu.

Das gilt auch für Statistiken. Die sind für den Burgenland Tourismus ja erfreulich, auch wenn Sie sagen, dass es um mehr als nur um Nächtigungszahlen geht. Letztlich bleiben die aber der Gradmesser, oder?

Leider ja. Es gibt bislang keine wirklich messbaren und transparenten Alternativ-Kennzahlen. Man spricht von Wertschöpfung, die kann man aber nicht für alle Bereiche nachvollziehbar messen. Deshalb bleiben Nächtigungszahlen unsere Währung.

Und natürlich freut es uns, dass wir in den vergangenen Jahren jedes Jahr ein Plus erzielt haben. Ich verstehe alle Probleme der Betriebe – Inflation, Kostensteigerungen, Energiepreise oder Personalfragen. Aber wir haben jedes Jahr zugelegt, das freut uns, und wir hoffen, dass es so bleibt.

Es gibt auch Kritiker, die von „Zahlenspielereien“ sprechen. Was antworten Sie ihnen?

Dass diese Kritik nicht haltbar ist, denn es sind ja nicht die Zahlen der Burgenland Tourismus GmbH, sondern die der Landes-Statistik. Das sind transparente Zahlen, die jeder nach Kategorien und Regionen einsehen und vergleichen kann. Solche Vorwürfe kommen meist von der politischen Opposition. Und dass eine Partei, die zuvor für den Bereich Tourismus zuständig war, die Erfolge von Doskozil und Co. nicht anerkennen will, ist wenig überraschend. Würde mich die Opposition loben, dann wäre für mich auch etwas faul.

Entkräftet haben Sie immer wieder auch die Kritik, dass seit 2023 die Campingzahlen des Nova Rock mit eingerechnet werden ...

Genau, weil das Burgenland zum Beispiel in den Jahren 2024 und 2025 auch ohne die Camping-Gäste vom Nova Rock über dem Rekordjahr 2019 gelegen ist. Das kann jeder nachrechnen. Und wie schon oft erwähnt, zählen auch andere Bundesländer ihre Großevents mit, die Formel 1 in der Steiermark, das Frequency-Festival in Niederösterreich oder das Woodstock der Blasmusik in Oberösterreich. Würden wir da unsere Zahlen nicht berücksichtigen, würden uns dieselben Kritiker für diese Zeiträume ein Minus vorwerfen.

Und was freut Sie beim aktuellen Wachstum besonders?

Dass es uns gelingt, kleine Schritte – ich sage bewusst: kleine – in Richtung Ganzjahresdestination zu setzen. Man darf es noch nicht überbewerten, aber es zeigt sich ein Trend. Das beginnt mit dem frühesten „Losradeln“ im März und geht über das Martiniloben bis zum „Winterwunder“. Wir schaffen Dachmarken und sorgen dafür, dass die Gäste auch in Nebensaisonen ins Land kommen.

Wenn von Zahlen die Rede ist: Mit der vorläufigen „Winterwunder“-Bilanz sind Sie bestimmt auch zufrieden.

Auf jeden Fall! Es wurden 180.000 Gäste bei den Events gezählt, der Erfolg gehört den Veranstaltern. Beim „Winterwunder“ in Mörbisch haben wir reagiert und neue Attraktionen geschaffen, weil das zweite Jahr immer schwierig ist. Und am Ende sind mehr Besucherinnen und Besucher gekommen.

Dass der Burgenland Tourismus für die Events eine Dachmarke geschaffen hat, das hat niemandem geschadet, aber viel gebracht. Wachstum ist eben nur möglich, wenn man Gäste auch in Zeiten bringt, in denen noch Kapazitäten vorhanden sind: zum Beispiel im Winter!

Wie sieht es mit Großprojekten aus? Wann sind wieder neue Hotels in Sicht?

Große Hotelprojekte sehe ich aktuell nicht, aber große Chancen im Camping. Dazu haben wir seitens des Burgenland Tourismus eine Initiative gestartet und arbeiten unter anderem an der Novellierung des Camping- und Mobilheimgesetzes. Das passt sehr gut zu unseren naturtouristischen Stärken.

Ich würde mir ein oder zwei neue Top-Campingplätze im Land wünschen. Je nach deren Größe und Ausgestaltung, hätte das ebenfalls positive Auswirkungen auf die Nächtigungszahlen. Vielleicht gibt es ja private Unternehmer oder Investoren, die in diesem Bereich aktiv werden.

Mit der neuerlichen Novelle im Tourismusgesetz gibt es ab Februar drei Erlebnisregionen anstelle von Verbänden. Was ändert sich für die Betriebe?

Wichtig ist, dass sich für die Mitarbeiter, die Betriebe und Gemeinden gar nichts ändert. Es geht vor allem um die Struktur. Die Verbände hatten wir ja schon von 15 auf drei reduziert, und es hat sich gezeigt: Es geht noch schlanker. Wir brauchen manche Sitzungen nicht, wenn nur die Hälfte der Eingeladenen kommt – wer Mitsprache einfordert, sollte zumindest die Möglichkeiten nutzen.

Der Verwaltungs- und Kostenaufwand wird also in diese Richtung verringert. Und es gibt Synergien bei Wirtschaftsprüfungen und Steuerberatung, die Organisation wird einfacher. Die Zahl der Büros und Mitarbeiter bleibt.

Und was werden die Gäste von den Änderungen bemerken?

Auch für die Gäste ändert sich nichts. Außer, dass der Gast nur profitieren kann, weil man sich noch mehr mit dem Betrieb beschäftigen kann.

Diskussionen hat die Erhöhung der Ortstaxe von 2,50 auf 4,50 Euro gebracht. Wie erklären Sie den Schritt?

Nicht alle sind darüber glücklich, das ist klar. Die Erhöhung war jedoch notwendig, weil es lange Zeit keine Inflationsanpassung gegeben hat, und einen richtigen Zeitpunkt dafür gibt es aus Sicht der Unzufriedenen nie. Im Vergleich zu anderen Bundesländern liegen wir weiter im Mittelfeld.

Was im Burgenland neu ist: dass ein Euro der Ortstaxe zweckgebunden für das Rettungswesen verwendet wird. Das hat auch seine Gründe: Der Ausbau von Radwegen und Mountainbike-Trails hat mehr Einsätze gebracht, deshalb gibt es Unterstützung für die Einsatzkräfte.

Wenn Kritik immer wieder aufkommt – wie gehen Sie persönlich damit um?

Anfangs habe ich das persönlicher genommen, das gibt es in der Privatwirtschaft in der Form nicht. Mittlerweile akzeptiere ich es, denn die Kritik kommt oft aus bestimmten politischen Motiven oder von einzelnen Personen. Ich kann nicht jedermanns Liebkind sein.

Stichwort politische Entscheidungen: Wie sehen Sie es heute, dass das Land 2023 die Therme Stegersbach übernommen hat?

Ich bin klar dafür, die Alternative wäre gewesen, dass es längere Zeit keinen Käufer gibt. Und man merkt es in kleinstrukturierten Regionen schon an den Zahlen, wenn nur ein Hotel renoviert wird. Das heißt: Viele Nächtigungen und Arbeitsplätze würden fehlen, wenn ein Leitbetrieb ausfällt.

Von der Therme zum Neusiedler See: Wie sehr freuen Sie die Bilder von den Eisläufern am zugefrorenen See, die man derzeit überall sehen kann?

Das sind emotionale Highlights, die man nicht planen kann, das liefert nur die Natur! Man müsste einen Weg finden, den Neusiedler See künstlich zufrieren zu lassen (lacht). Aber da kann man jetzt vor Ort nur kurzfristig reagieren, um die Infrastruktur – etwa für die Verpflegung – zu schaffen.

Das Burgenland wurde als bislang einziges Bundesland vollständig als nachhaltige Destination zertifiziert. Welche Vorteile bringt das?

Einerseits bei der Gewinnung von neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, denn viele junge Leute legen heute Wert auf einen nachhaltigen Arbeitgeber. Andererseits achten auch Betriebe, die zu Firmen-Events ins Land kommen, darauf. Das passt natürlich gut zur Natur im Land, und wir setzen es nicht nur auf dem Papier um, sondern auch in der Praxis. Wir arbeiten schon an der Re-Zertifizierung.

Wir haben schon von politischer Kritik gesprochen – aber wie läuft die Zusammenarbeit mit der Landesregierung?

Tourismus ist eine Stimmungsbranche und im Burgenland positiv besetzt. Wir haben viel weitergebracht, und für die einzelnen Bereiche gibt es immer guten Kontakt mit den Regierungsmitgliedern. Landeshauptmann Doskozil gibt als Tourismusreferent Gas und hat große Pläne. Das Zusammenspiel passt sehr gut.

Wenn Geld keine Rolle spielen würde – was würden Sie am liebsten sofort umsetzen?

Dann hätte ich gerne etwas wie Disneyland oder Legoland im Südenburgenland, ein riesiges Zupgferd ... das ist natürlich surreal, aber wie gesagt: Wenn Geld keine Rolle spielen würde. Vielleicht liest der Landeshauptmann das ja, und ich kriege so einen Auftrag (lacht).

Im Sommer wurden Sie zur zweiten Amtszeit als Tourismus-Geschäftsführer wiederbestellt. Wollen Sie auch eine dritte Amtszeit?

Vor einem Jahr hatte ich einige gute Angebote, da hätte ich nicht sagen können, wie es weitergeht. Aber jetzt bin ich angekommen. Wenn ich den Zuspruch der großen Mehrheit habe und es ihnen taugt, was wir umsetzen, dann will ich natürlich weitermachen!

Auf welche Highlights freuen Sie sich 2026? Die Fußball-WM wird fix dabei sein, oder?

Die WM wird auf jeden Fall ein Highlight, auch wenn die Ankick-Zeiten der Nationalmannschaft wegen der Zeitverschiebung nicht immer optimal sind. Aber am 22. Juni spielt Österreich um 19 Uhr gegen Argentinien. Das kann man sich schon vormerken, da planen wir eine Überraschung.

Als Kampagne rückt 2026 der Naturtourismus in den Mittelpunkt, auch in den Werbesujets und Spots mit Nicholas Ofczarek. Sonst wünsche ich mir einfach, dass wir unseren Erfolgsweg fortsetzen. Hinter Wien hat das Burgenland das zweitstärkste Nächtigungswachstum. Dieses Selbstbewusstsein sollten wir haben, vom Portier bis zum Kellner sollen alle sagen: „Ja, es läuft, wir sind gut!“