Grüne Rochade im Mattersburger Gemeinderat

Jelinek statt Mendoza

Grün-Gemeinderätin Elisabeth Mendoza will künftig etwas kürzertreten – sie „tauscht“ mit Klaus Jelinek die Plätze. Jelinek übernahm in der letzten Sitzung des Mattersburger Gemeinderats das grüne Mandat von Mendoza. Diese wiederum übernimmt nun die Funktion des Ersatzgemeinderats, die zuvor von Jelinek ausgeübt wurde.

Von Richard Vogler

Elisabeth Mendoza übergab bei der vergangenen Gemeinderatssitzung an Klaus Jelinek.

Elisabeth Mendoza übergab bei der vergangenen Gemeinderatssitzung an Klaus Jelinek.

© Richard Vogler

Elisabeth Mendoza stieg mit den Gemeinderatswahlen im Jahr 2017 in die Lokalpolitik ein – damals noch als Ersatzgemeinderätin von Werner Graser. Nachdem dieser im März 2022 sein Mandat zurücklegte, rückte Mendoza in den Gemeinderat nach. Bei den Kommunalwahlen im Oktober 2022 errangen die Grünen in Mattersburg einen Sitz, der weiterhin von Mendoza besetzt wurde. Klaus Jelinek war seither als grüner Ersatzgemeinderat aktiv.

Bei der kürzlich abgehaltenen Gemeinderatssitzung wurde bekannt gegeben, dass Mendoza künftig als Ersatzgemeinderätin fungiert und Jelinek das Mandat übernimmt. Die Beweggründe für diesen Schritt erläutert Elisabeth Mendoza so:
„Ich bin nun 70 Jahre alt und nicht mehr die Jüngste. Wir wollten auch schon die Weichen für die Gemeinderatswahlen 2027 stellen. Und das Klima im Gemeinderat hat mir auch nicht immer gefallen.“

Nun vertritt also Klaus Jelinek die grünen Agenden im Mattersburger Ortsparlament. Jelinek stammt ursprünglich aus der Steiermark, lebte später in Wiesen und übersiedelte vor 13 Jahren nach Mattersburg.

„Ich war eigentlich schon immer an grüner Politik interessiert und bin seit Langem Mitglied der Grünen Partei. Vor den Wahlen 2022 ist die damalige Landesparteichefin Regina Petrik auf mich zugekommen und hat mich gefragt, ob ich Elisabeth Mendoza in Mattersburg unterstützen möchte“, so Jelinek zu seinem Weg in die grüne Lokalpolitik.
Er ergänzt: „Ich denke, der Klimaschutz beginnt schon in der Gemeinde. Man muss auch hier nachhaltige Politik betreiben. In Mattersburg haben wir keine sicheren Radwege, zu viel Verkehr in der Stadt. Und auch die vielen Leerstände sind ein Thema.“

Wie die Zusammenarbeit mit den anderen Parteien aussehen soll, beschreibt Jelinek so:
„Ich will einmal ausloten, wie die anderen Parteien zu meinen Themen stehen. Grundsätzlich bin ich für alles offen. Ich habe mich ja auch ‚oben beim Spar‘ (Anm.: In der Wienerstraße entsteht die zweite Mattersburger Filiale) mit der ÖVP und FPÖ hingestellt, und wir haben gemeinsam kundgetan, dass wir diesen Spar nicht wollen. Ich bin weder gegen die SPÖ, die ÖVP noch gegen die FPÖ.“

Was sich Jelinek vorstellen kann, ist eine Zusammenarbeit mit der Bürgerinitiative „Lebenswertes Mattersburg“. Diese ist jedoch keine politische Partei und verfügt daher über keine direkte Entscheidungskraft im Gemeinderat. Wie eine solche Kooperation aussehen könnte? „Ich will mit der Bürgerinitiative Kontakt aufnehmen. Ich bin offen für jeden Input, wenn dieser sinnvoll ist – und ich könnte dann auch einen Antrag im Gemeinderat einbringen. Ich sehe mich auch als Brückenbauer zwischen Gemeinde und Bürgerinitiative.“

Immer wieder kommt es vor, dass Idealistinnen und Idealisten, die in die Lokalpolitik einsteigen, in Gemeinden mit absoluter Mehrheitsverteilung einer anderen Partei frustriert sind – weil sie das Gefühl haben, gegen Windmühlen zu kämpfen. Hat Jelinek keine Angst, dass es ihm ähnlich ergeht? „Mir ist natürlich bewusst, dass wir mit einem Sitz im Gemeinderat das kleinste Rad im Getriebe sind und im Prinzip nichts mitentscheiden können. Ich bin jedoch noch immer voller Tatendrang. Etwas weh tut es schon, wenn Ideen, die von uns kommen, als die eigenen verkauft werden. So ist es uns zum Beispiel beim Thema Sonnenschutz für die Spielplätze ergangen.“

Etwas junges, grünes Blut mit neuen Ideen würde uns schon sehr guttun Klaus Jelinek

Die Grüne Ortsgruppe in Mattersburg könnte personelle Verstärkung gut gebrauchen. Neben Klaus Jelinek und Elisabeth Mendoza zählt auch das „Grüne Mattersburger Urgestein“ Gerhard Ednitsch zu den aktiven Mitgliedern.

„Bei uns ist jeder willkommen, der an Grüner Politik interessiert ist. Auch wer nur ein wenig im Hintergrund mitarbeitet oder uns unterstützt, ist gerne gesehen. Wir sind ja schon eine recht alte Truppe – etwas junges, grünes Blut mit frischen Ideen würde uns sehr guttun. Vielleicht sind wir manchmal zu ‚verkopft‘, was Grüne Politik betrifft, und jemand mit einem anderen Zugang könnte uns bereichern“, hält der 60-Jährige fest.

Ein Grund für die jüngste „Grüne Rochade“ war auch eine Weichenstellung für die Gemeinderatswahlen in zwei Jahren. Wie sehen die Ziele dafür aus? „Unser vorrangiges Ziel ist es, unser Mandat zu halten. Ein zweites wäre großartig, ein drittes eine Sensation. Die absolute Mehrheit zu brechen, wird sehr schwierig – so realistisch muss man sein“, so Jelinek abschließend.