40 Jahre Grüne Burgenland: Rückblick und Blick in die Zukunft

Jubiläum

40 Jahre politische Arbeit standen am Samstag im JUFA Neutal im Mittelpunkt: Die Grünen Burgenland feierten ihr Jubiläum mit einem Rückblick auf die eigene Geschichte und einem Ausblick auf die politischen Herausforderungen der kommenden Jahre.

Von Julia Pekovits

Vertreterinnen und Vertreter der Grünen beim 40 Jahr-Jubiläum: Klubobfrau Margit Paul-Kientzl, Joško Vlasich, Regina Petrik, Bundessprecherin Leonore Gewessler, Landessprecherin Anja Haider-Wallner, Wolfgang Spitzmüller und Michel Reimon.

Vertreterinnen und Vertreter der Grünen beim 40 Jahr-Jubiläum: Klubobfrau Margit Paul-Kientzl, Joško Vlasich, Regina Petrik, Bundessprecherin Leonore Gewessler, Landessprecherin Anja Haider-Wallner, Wolfgang Spitzmüller und Michel Reimon.

© Julia Pekovits

Bundessprecherin Leonore Gewessler, Landessprecherin Anja Haider-Wallner und Klubobfrau Margit Paul-Kientzl stellten dabei vor allem die Menschen und politischen Initiativen in den Mittelpunkt, die die Entwicklung der Grünen im Burgenland geprägt haben.

Was heute eine etablierte politische Kraft ist, begann mit Menschen, die sich in ihren Gemeinden engagierten und politische Veränderungen anstoßen wollten. Aus diesem Engagement entwickelte sich über die Jahrzehnte eine Partei, die seit 2000 im Burgenländischen Landtag vertreten ist. Mit Grete Krojer und Joško Vlasich zogen damals erstmals zwei grüne Abgeordnete ein. Heute sitzen Margit Paul-Kientzl und Philip Juranich für die Grünen im Landtag, seit 2025 ist die Partei erstmals auch Teil der Landesregierung.

„Veränderung beginnt, wenn Menschen sagen: So wie es jetzt ist, so geht es nicht weiter“, sagte Haider-Wallner. Als Beispiele für Anliegen, die sich die Grünen über Jahre erarbeitet hätten, nannte sie Windkraft, den Ausbau des öffentlichen Verkehrs und die Bio-Quote von 40 Prozent der Flächen. Auch Gewessler betonte, dass aus dem Engagement einzelner Menschen eine politische Bewegung entstanden sei. Das Jubiläum sei daher auch ein Dank an jene, die mit ihrem Einsatz den Weg für die heutige Partei bereitet hätten.

Für Klubobfrau Margit Paul-Kientzl zeigt sich politische Veränderung besonders dort, wo aus langjährigen Forderungen konkrete Maßnahmen werden. Als Beispiel nannte sie die Frauenhäuser im Burgenland. Vieles, was heute selbstverständlich erscheine, sei früher keineswegs selbstverständlich gewesen, sondern habe gegen Widerstände durchgesetzt werden müssen. Gleichberechtigung, Gewalt gegen Frauen, finanzielle Unabhängigkeit und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie seien nach wie vor politische Themen. „Gleichberechtigung ist wie das Schwimmen gegen eine Strömung“, sagte sie. Wenn man aufhöre, sich dafür einzusetzen, könne man wieder zurückgedrängt werden.

Dabei gehe es den Grünen nicht nur um einzelne Themen. Umwelt- und Naturschutz, soziale Gerechtigkeit, Gleichberechtigung und der Schutz von Boden und Wasser wurden beim Jubiläum als miteinander verbundene Fragen eines lebenswerten Umfelds beschrieben.

Besonders deutlich wurde der Blick auf die Gegenwart bei der Landwirtschaft. Hitze, Trockenheit und Wassermangel seien längst spürbar und stellten die burgenländischen Bäuerinnen und Bauern vor neue Herausforderungen. Laut den Angaben der Grünen wurden im Burgenland heuer rund 65 Millionen Euro an Dürreschäden verzeichnet. Die Getreideernte sei mengenmäßig so schlecht ausgefallen wie seit Jahrzehnten nicht mehr, auch bei anderen Kulturen habe es erhebliche Ausfälle gegeben.

Für Haider-Wallner zeigt sich daran, dass die Klimakrise längst keine abstrakte Zukunftsfrage mehr ist. Sie fordert einen stärkeren Fokus auf Bodenschutz, biologische und regenerative Landwirtschaft sowie einen verantwortungsvollen Umgang mit Wasser. Gleichzeitig brauche es Unterstützung für jene, die diesen Wandel in der Praxis bewältigen müssen.

„Die Herausforderung ist, die Menschen mitzunehmen, Übergänge zu unterstützen und ein starres System aufzubrechen“, so Haider-Wallner. Klimapolitik wird damit nicht nur als Frage des Umweltschutzes verstanden, sondern auch als Aufgabe für Landwirtschaft und Gemeinden.

Gewessler knüpfte daran den Anspruch, dass politische Entscheidungen konkrete Verbesserungen für die Menschen bringen müssen. Sie verwies etwa auf begrünte Ortskerne und den Umgang mit Wasser. Wenn aus versiegelten Flächen wieder begrünte Plätze würden, könne das den Sommer in den Gemeinden erträglicher machen. Gleichzeitig gehe es darum, Energieversorgung stärker aus erneuerbaren Quellen zu denken und Ortskerne lebendig zu halten.

Entscheidungen, die heute getroffen werden, müssten sich aus ihrer Sicht auch in zehn oder 20 Jahren noch tragen. Dafür brauche es den Austausch mit jenen Menschen, die von politischen Entscheidungen unmittelbar betroffen sind. „Wir müssen im Gespräch bleiben“, lautete die zentrale Forderung.

Das Jubiläum war für die Grünen daher nicht nur ein Rückblick, sondern auch eine Standortbestimmung. Haider-Wallner betonte, man wolle auf allen politischen Ebenen weiterarbeiten und die Präsenz in den Gemeinden ausbauen. Gerade mit Blick auf die kommenden Gemeinderatswahlen sei es das Ziel, in mehr Gemeinden anzutreten.

Die Stärke einer Partei liege dabei nicht nur in ihrer politischen Führung, sondern auch in der Breite ihrer Bewegung, so Haider-Wallner. Gesucht würden Menschen, die sich für die Zukunft, den Erhalt der Natur und die Lebensbedingungen kommender Generationen einsetzen wollen.

Auch Paul-Kientzl formulierte den Blick nach vorne deutlich: „Wir haben viel erreicht. Aber gerade wenn wir sehen, was vor uns liegt, dürfen wir uns nicht zurücklehnen.“ Die Grünen wollten weiterhin kritisch bleiben, wenn es notwendig sei, hartnäckig sein, wenn es schwierig werde, und gemeinsam mit den Menschen nach Lösungen suchen.

Neben den politischen Reden stand in Neutal auch das gemeinsame Feiern im Mittelpunkt. Eine Filmvorführung erinnerte an die Geschichte der Grünen Burgenland und griff wichtige Stationen und politische Meilensteine der vergangenen vier Jahrzehnte auf. Eine Ausstellung bot zusätzliche Einblicke in die Entwicklung der Landespartei und erinnerte an frühere Abgeordnete und Aktivisten. Zum Abschluss wurde das 40-jährige Bestehen mit einer Geburtstagstorte und einem Ständchen gefeiert.