Der harte Weg auf die Karriere-Überholspur

Jungprofis am Werk

Wer wird der nächste burgenländische Tennisprofi sein, der sich in der Weltrangliste nachhaltig nach oben arbeitet? Aktuell stehen die besten Spieler im Erwachsenenbereich an der Schwelle zu den Top 1.000. Die BVZ hat bei zwei jungen Akteuren nachgefragt, die seit Sommer 2025 gemeinsam trainieren und sich 2026 in den besagten Top 1.000 der Weltrangliste festsetzen möchten: Alex Wagner und Piet Luis Pinter. Danach sollen die nächsten Entwicklungsschritte kommen.

Von Von Bernhard Fenz

Alex Wagner hat sich für 2026 hohe Ziele gesteckt. Der 19-Jährige will tief unter die Top 1000-Marke der AT-Weltrangliste vordringen.

Alex Wagner hat sich für 2026 hohe Ziele gesteckt. Der 19-Jährige will tief unter die Top 1000-Marke der AT-Weltrangliste vordringen.

© GEPA pictures/ Armin Rauthner, GEPA pictures/ Armin Rauthner

Österreichs Nachwuchs im Tennis formiert sich derzeit auf der Spitzensportebene in den unterschiedlichen Fördereinrichtungen. Im Osten Österreichs sind das aktuell das ÖTV-Leistungszentrum Südstadt und die Thiem Academy Burgenland. Dort geht es darum, die Spieler:innen bestmöglich im Nachwuchs zu formen, um dann im Erwachsenenbereich eine Profilaufbahn einzuschlagen.

Hier gilt es dann, sich über ATP-Punkte den mühsamen Weg in der Weltrangliste nach vorne zu arbeiten. Berechtigt sind die Profis und die Akteure, die an der Schwelle dazu stehen, je nach Rangliste und Punkteanzahl auf verschiedenen Ebenen zu spielen. Die Einsteiger-Tour, wenn man so will, ist hier die ITF Tour, weiter vorne stehen dann die Turniere der Challenger Tour am Plan. Ganz oben ist die ATP Tour, wo sich dann tatsächlich die Besten der Welt tummeln.

Bis es soweit ist, steht jedenfalls allen Anwärtern ein langer und steiniger Weg bevor. Burgenlands Tennisnachwuchs ist hier aber auf einem sehr spannenden Weg. Das zeigt sich alleine daran, dass Thiem-Academy-Youngster Thilo Behrmann bereits Erfahrungen auf der Grand-Slam-Ebene bei den Junioren aufzuweisen hat. Auch bei den von 24. Jänner bis 1. Februar stattfindenden Australian Open der Junioren wird der gebürtige Deutsche und Wahl-Burgenländer im Hauptbewerb starten.

Was die Erwachsenen betrifft, stehen derzeit fünf rot-goldene Akteure in der Weltrangliste innerhalb der Top 2.000. Der Osliper David Pichler ist mit knapp 30 Jahren der Routinier und aktuell auf Platz 957 der Beste aus dem Burgenland. 19 ATP-Punkte stehen auf der Haben-Seite. Allerdings hat sich Pichler längst auf das Doppel konzentriert – dort kratzt er mit aktuell Platz 105 und 788 Punkten an den Top 100. Pichler hat hier bereits Challenger-Turniersiege vorzuweisen.
Weiters dabei sind der Schattendorfer Piet Luis Pinter (1.083, 13 Punkte), der Güssinger Matthias Ujvary (1.091, 13), der Schützener Alexander Wagner (1.271, 7) sowie der Mattersburger Alexander Gschiel (1.849, 1). Dahinter ist dann noch der Güssinger Benedikt Szerencsits (2.107) gelistet.

Pinter und Wagner sind seit Sommer übrigens trainingsmäßig Seite an Seite aktiv. Ersterer absolviert seit einigen Jahren die Spitzensportschiene des Österreichischen Tennisverbands (ÖTV) im ÖTV-Leistungszentrum Südstadt, wo er auch die Schule erfolgreich absolvierte und mittlerweile ohne den Maturastress täglich in der Gruppe von ÖTV-Sportdirektor Jürgen Melzer arbeitet. Coach am Platz ist Philip Lang, Fitnesscoach Philipp Wessely. Bei den Frauen ist die Rohrbacherin Leonie Rabl übrigens mit einem ÖTV-Fördervertrag ausgestattet und in der Südstadt aktiv.
Wagner wiederum wechselte im Sommer von Günter Bresnik zur ÖTV-Trainingsgruppe, seitdem arbeiten die beiden Burgenländer gemeinsam. „Die Trennung war für mich schon sehr emotional, wir sind wirklich im Guten auseinandergegangen, das war mir wichtig“, sagt der 19-Jährige, der vor einem Jahr seinen ersten ATP-Punkt geholt hatte und nach einem Seitenbandriss Ende März rund zwei Monate pausieren musste. „Für mich war das ein richtiges Drama. Ich habe in der Türkei nach meinem Turniereinsatz noch trainiert, bin dabei umgeknickt und dann letztlich mit dem Rollstuhl alleine nach Hause geflogen. Wir haben uns dann aber entschieden, dass keine OP nötig sei.“

Zurück kam Wagner dann im Zuge der 2. Bundesliga-Meisterschaft mit dem ASKÖ TC Burgenland Energie Eisenstadt, wo er mit einer Schiene spielte. „Ich wollte unbedingt dabei sein, auch wenn sich das wie zwei Kilo extra am Fuß angefühlt hat“, erinnert sich der Schützener zurück. Mittlerweile ist Alex Wagner wieder fit und beim Bundesheer nach der Grundausbildung auf Heeressport-Leistungsebene aktiv. „Das ist wirklich super und dafür bin ich auch sehr dankbar, dass mir das ermöglicht wurde“, schätzt der zwischen Schützen, Wien und der Südstadt pendelnde Burgenländer den Status quo, denn: „Unterm Strich habe ich 2025 nur fünf Monate wirklich gescheit Tennis gespielt, angesichts dessen bin ich gar nicht unzufrieden.“

Bei der Zielsetzung für 2026 will sich Wagner, der zeitnah wieder in die Türkei auf die Future Tour reisen wird, nachhaltig verbessern. Die Top 800 werden angepeilt, dementsprechend soll es dann auch neue Spielmöglichkeiten und Plattformen für Punkte geben, um dem Karriereziel näherzukommen. Das wäre? „Langfristig sind das die Top 100. Natürlich ist das ein weiter Weg und ich bin körperlich nicht der stärkste Spieler. Aber auch hier arbeite ich mit Kondi-Trainer Philipp Wessely täglich, die Fortschritte sind spürbar.“

Hier gilt es auch, Muskelmasse aufzubauen. Andere hätten diese Probleme gerne, bei knapp unter 70 Kilogramm zu stehen und um jeden Preis zunehmen zu müssen. Im Fall von Wagner ist das aber gar kein so entspannter Prozess. Schließlich geht es um Muskeln und den Umstand, dass „ich ja jeden Tag rund 5.000 Kalorien verbrenne. Da muss man schon ein Wissen haben, hier bin ich in guten Händen.“

Während Wagner davor rund siebeneinhalb Jahre mit Günter Bresnik zusammengearbeitet hatte, ist Piet Luis Pinter seit rund sechs Jahren beim ÖTV. Der Schattendorfer pendelt täglich in die Südstadt und bleibt seiner Trainingsschiene auch weiter treu – nun eben Seite an Seite mit Alex Wagner. „Wir reisen viel zusammen, es gibt uns einen neuen Schwung im Training.“

Pinter selbst bilanziert nach 2025 ebenfalls positiv. Der 20-Jährige sagt: „Ich bin mit einem ATP-Punkt in das Jahr gestartet, jetzt stehe ich bei 13.“ Optimal wäre freilich, die Qualimühlen der Future Tour mit dem einen oder anderen starken Ergebnis überwinden zu können und eine Ebene höher auf der Challenger Tour reinzuschnuppern. „Dann kann es schon schnell gehen, aber eine Prognose ist schwierig. Ich strebe für mich einfach die bestmögliche Positionierung an – wichtig ist dafür auch, möglichst verletzungsfrei zu bleiben.“

Und neben den Turnieren werden beide in diesem Jahr auch wieder in der 1. Bundesliga für Eisenstadt spielen. Nicht nur aus finanziellen Gründen macht das Antreten für die Jungprofis Sinn, vor allem schätzen beide auch eines, wie Pinter nach dem Wiederaufstieg im Vorjahr für die neue Punktejagd betont: „Wir verstehen uns alle extrem gut und es macht gemeinsam einfach extremen Spaß.“