Francesca Gesellmann und der Blaufränkisch von morgen

Jungwinzer-Serie

Mit der Serie „Blaufränkisch Next Gen – Die Jungwinzer von Deutschkreutz“ porträtiert die BVZ die neue Generation (U35) im Weinbau.

Von Isabella Kuzmits

Francesca Gesellmann und der Blaufränkisch von morgen

© Weingut Gesellmann

Zwischen den Rebzeilen wächst in Deutschkreutz eine neue Generation von Winzer:innen heran – geprägt von Tradition, aber mit klarem Blick in die Zukunft. Eine von ihnen ist Francesca Gesellmann. Für die 25-Jährige war der Weg in den Weinbau kein plötzlicher Entschluss, sondern ein natürlicher Prozess. Aufgewachsen am Familienweingut, entwickelte sie schon früh ein Gespür für das, was ihre Heimat ausmacht: Charakterstarke Weine und die Leidenschaft, diese Geschichte weiterzuschreiben. „Es wurde mir in die Wiege gelegt“, so die 25-Jährige, die schon als Kind bei der Lese half und früh lernte, welche Arbeit und Hingabe hinter jeder Flasche steckt. Druck gab es von Seiten ihrer Familie nie, vielmehr eine behutsame Heranführung an das Handwerk.

Nach der Mittelschule fiel die Entscheidung für die Weinbauschule in Klosterneuburg – und damit für eine fundierte Ausbildung mit Praxisbezug. „Das hat sich ganz natürlich gefügt“, erinnert sie sich. 2021 schloss sie die fünfjährige Ausbildung mit Matura ab. Es folgte ein Jahr Mitarbeit am elterlichen Betrieb, ehe sie ihren Horizont erweiterte und ein Praktikum beim Weingut Dönnhoff in Oberhausen an der Nahe in Deutschland machte. Seit 2022 studiert sie Internationale Weinwirtschaft in Geisenheim. Ihren Bachelor hat sie bereits abgeschlossen, derzeit vertieft sie ihr Wissen im Masterstudium zwischen Deutschland und Wien.

Auch praktische Erfahrung sammelte sie während ihrer Klosterneuburg-Zeit reichlich: Stationen bei bekannten Betrieben wie Paul Achs, Feiler-Artinger oder Kollwentz im Nordburgenland prägten ihren Zugang zum Wein ebenso wie ein Praktikum im Bundesamt für Weinbau in Eisenstadt, wo sie Einblicke in Analytik und Qualitätsprüfung erhielt.

Zwischen Rebschnitt, Tradition und großen Fußstapfen

Trotz akademischer Laufbahn zieht es die junge Winzerin immer wieder in den Weingarten. Die Arbeit in der Natur empfindet sie als ausgleichend und erdend. Gerade der Rebschnitt im Winter sei eine Schlüsselarbeit: „Da legt man den Grundstein für das ganze Jahr, für den Ertrag und vor allem die Qualität.“ Diese steht am heimischen Betrieb an oberster Stelle.

Die Fußstapfen, in die Francesca gemeinsam mit ihrem jüngeren Bruder Konstantin tritt – der 21-Jährige schloss ebenso die Weinbauschule in Klosterneuburg ab und absolvierte gerade ein Praktikum in Australien – sind große. Großvater Engelbert und Vater Albert zählten und zählen zu den prägenden Persönlichkeiten im burgenländischen Weinbau.

Statt radikaler Veränderungen setzt die junge Generation auf Weiterentwicklung: „Tradition hat bei uns eine große Bedeutung. Wir wollen den Betrieb nicht groß verändern sondern das Bestehende optimieren, den Stil weiter verfeinern.“ Gemeinsam mit ihrem Bruder sieht sie damit die Zukunft des Familienbetriebs klar vor sich.

Im Mittelpunkt steht dabei eine Rebsorte: der Blaufränkisch. Für Francesca Gesellmann ist er mehr als nur ein regionaler Klassiker: „Er ist unglaublich vielschichtig, hat Würze, Säure und eine tiefe Beerenaromatik. Daraus kann man große Weine machen.“ Der Ausbau erfolgt traditionell, mit spontaner Vergärung und viel Geduld. Sämtliche Gesellmann-Weine, ob weiß oder rot, sehen ein Holzfass von innen, beim Flaggschiff des Hauses – der Cuvée G – sogar bis zu 40 Monate.

Nachhaltig gedacht, international ausgerichtet

Gleichzeitig bleibt man immer offen für Neues. Eine moderne Verarbeitungshalle ermöglicht heute besonders schonende Arbeitsprozesse durch Gravitation. Auch Zukunftsthemen wie klimaresistente PIWI-Sorten werden seit 2020 auf einer Versuchsfläche erprobt – mit dem Ziel, noch nachhaltiger zu wirtschaften und Pflanzenschutz zu reduzieren. Seit 2015 ist das Weingut zudem bio-zertifiziert. „Biodiversität spielt generell eine zentrale Rolle bei uns. Begrünte Rebzeilen, heimische Obstbäume, Hecken und Lebensräume für Tiere prägen das Bild in unseren Weingärten“, berichtet die Deutschkreutzerin.

Francesca Gesellmann ist davon überzeugt, dass sich der Rotwein im Mittelburgenland nicht neu erfinden, sondern weiterentwickeln muss. Für sie geht es vor allem darum, den Weinstil international verständlicher zu machen und gleichzeitig die Herkunft klar zu transportieren. Gerade der Blaufränkisch habe das Potenzial, sich als internationale Rebsorte zu etablieren – vergleichbar etwa mit Cabernet Sauvignon. „Wir müssen unsere Weine noch mehr in die Welt hinaustragen“, sagt sie. Verkostungen im Ausland und persönliche Begegnungen sollen dazu beitragen, den Blaufränkisch langfristig global zu positionieren.

In zehn Jahren sieht sie den Familienbetrieb biodynamisch geführt, noch stärker als heute im Einklang mit einem ganzheitlichen Kreislauf. Dabei ist ihr wichtig, die Balance zwischen Innovation und Herkunft zu halten, mit dem klaren Ziel, den Charakter des Mittelburgenlands in jedem Glas spürbar zu machen.

Wordrap

Alter: 25

Hobbys: Gut essen & trinken, garteln, häkeln.

Welchen Wein schenkst du dir am liebsten ein? Kommt auf meine Stimmung an, meistens einen guten Roten – gereiften Blaufränkisch.

Handlese oder Maschine?100 % Handlese.

Braucht der Blaufränkisch viel oder wenig Holz? Nicht zu viel aber doch schon etwas.

Piwi-Sorten: ja oder nein? Ja, weil für die Zukunft relevant.

Über oder unter 13,5 Prozent? Über, bei uns ist 13 Prozent niedrig.

Pflanzenschutz: biologisch oder nicht? Biologisch.