Julia und Anna Heinrich: Zwei Wege, ein gemeinsames Ziel

Jungwinzer-Serie

Mit der Serie „Blaufränkisch Next Gen – Die Jungwinzer von Deutschkreutz“ porträtiert die BVZ die neue Generation (U35) im Weinbau.

Von Isabella Kuzmits

Die Familie von Julia und Anna Heinrich ist bereits seit dem 18. Jahrhundert im Weinbau verwurzelt.

Die Familie von Julia und Anna Heinrich ist bereits seit dem 18. Jahrhundert im Weinbau verwurzelt.

© Weingut Silvia Heinrich

Deutschkreutz steht für große Rotweine und gewachsene Traditionen. Im Herzen des Blaufränkischlandes wächst aktuell eine neue Winzer-Generation heran, die ihre eigenen Akzente setzt. Julia und Anna Heinrich gehören da dazu. Die beiden Schwestern gehen unterschiedliche Wege, verfolgen aber doch ein gemeinsames Ziel: das familiäre Weingut mit Respekt vor dem Erbe weiterzuführen und den Blaufränkisch ihrer Heimat neu zu erzählen.

Einen einzelnen Schlüsselmoment, der sie zum Weinbau geführt hat, hatte Julia Heinrich nicht. „Es ist eher mit mir mitgewachsen“, sagt sie. Schon als Kind war sie oft mit ihrem Opa im Weingarten unterwegs. Damals war das selbstverständlich. Erst später wurde ihr bewusst, wie sehr ihr diese Arbeit fehlt, wenn sie Mal länger weg war: „Und da war es irgendwie klar für mich.“

Julia und Anna Heinrich: Zwei Wege, ein gemeinsames Ziel

© Weingut Silvia Heinrich, Jagoschuetz Laura

Bei ihrer jüngeren Schwester Anna war es anders. Ihr Zugang war direkter: „Ich wollte verstehen, warum unsere Weine so sind, wie sie sind“, erzählt sie. Vom Weingarten über den Keller bis zur Flasche und schließlich zum Verkauf – sie will wissen, wie die einzelnen Schritte zusammenhängen und was sie bewirken. „Irgendwann wusste ich: Genau das will ich lernen.“

Ihre bisherigen Wege spiegeln diese unterschiedlichen Zugänge wider. Julia studiert internationale Betriebswirtschaft an der Hochschule Burgenland. Zahlen, Planung, Controlling – sie interessiert, wie ein Betrieb im Hintergrund funktioniert. „Ich will das alles verstehen, bevor ich mehr Verantwortung übernehme“, so die 23-Jährige.

Die 16-jährige Anna hingegen hat sich ganz der praktischen Seite verschrieben. Sie besucht die Weinbauschule in Klosterneuburg, sammelt im Sommer Erfahrungen bei Praktika – etwa in der Pfalz oder in Südtirol – und schmiedet bereits Pläne für die Zukunft. Geisenheim oder vielleicht sogar ein Aufenthalt in den USA stehen im Raum. „Und Marketing interessiert mich auch total“, ergänzt sie.

Julia und Anna Heinrich: Zwei Wege, ein gemeinsames Ziel

© Weingut Silvia Heinrich

Geteilte Rollen, gemeinsame Vision

Den heimischen Betrieb wollen die Schwestern aktiv mitgestalten. Dabei sehen sie ihre Rollen klar verteilt. Julia sieht sich einerseits in der Organisation des Betriebs, aber auch im Weingarten, da ihr die Arbeit in der Natur und mit den Reben sehr wichtig ist. Anna zieht es in den Keller und nach außen, zu Präsentationen, Reisen und neuen Märkten. „Aber wir bauen beide auf dem auf, was Mama und unsere Großeltern geschaffen haben“, betonen sie.

Im Mittelpunkt steht im Hause Heinrich der Blaufränkisch, der in sieben Varianten vinifiziert wird. Für Julia ist er ein Herzensprojekt. „Er ist total vielschichtig“, sagt sie. Besonders spannend findet sie aber auch die neuen, alkoholfreien Verjus-Varianten des Betriebs, allen voran die spritzige Variante. „Wie ein Buch, das man mehrmals lesen muss, weil man immer wieder etwas Neues entdeckt.“

Anna wiederum begeistert sich für den Blanc de Noir aus Blaufränkisch-Trauben. „Weiß gekeltert aus einer Rotweintraube, das überrascht viele“, sagt sie. Für sie verkörpert dieser Wein genau die Verbindung von Tradition und Innovation, die auch ihre Generation auszeichnet. „Ich mag es, wenn ein Wein Menschen zum Nachdenken bringt“, so Anna Heinrich.

Blaufränkisch neu erzählen

Wenn sie ihr Weingut in einem Satz beschreiben müssten, fällt die Antwort gemeinsam aus: „Ein Weingut, das fest verwurzelt ist – und trotzdem offen für die Welt bleibt.“

Und genau darin sehen sie auch die Zukunft des Mittelburgenlandes. Muss sich der Rotwein hier neu erfinden? „Neu erfinden eigentlich nicht. Aber neu erzählen schon“, so das Duo. Der Blaufränkisch habe enormes Potenzial, werde aber oft unterschätzt. „Wir müssen ihn nicht verändern, sondern besser zeigen und erklären. Und das ist vielleicht genau unsere Aufgabe.“

Julia und Anna Heinrich: Zwei Wege, ein gemeinsames Ziel

© Weingut Silvia Heinrich

Die Trends, die sie beobachten, passen zu diesem Ansatz. Julia sieht im Bereich alkoholfreier Alternativen großes Potenzial, vor allem beim Verjus. „Ich trinke selbst eher wenig Alkohol und finde es spannend, wenn es hochwertige Alternativen gibt, die wirklich gut schmecken.“ Anna beschäftigt sich intensiv mit Piwi-Sorten – also Reben, die weniger Pflanzenschutz benötigen. „Das ist einfach wichtig für die Zukunft. Da ist noch viel offen, aber das Potenzial ist groß.“ Und wo sehen sie sich selbst in zehn Jahren? Julia möchte ihrer Linie treu bleiben: im Betrieb, mit Organisation und Struktur, aber ebenso mit der Natur, Biodiversität und dem Erhalt von Lebensräumen für Insekten. Anna möchte hinaus in die Welt, die Weine international präsentieren und neue Impulse sammeln.

Wordrap

JULIA HEINRICH

Alter: 23

Hobbys: Klarinette spielen, draußen sein, Bewegung.

Welchen Wein schenkst du dir gern ein? Oft Verjus (alkoholfrei), da ich viel mit dem Auto unterwegs bin. Ich begleite Mama bei Präsentationen oder fahre liefern, da muss es frisch und unkompliziert sein.

Handlese oder Maschine?Handlese, ganz klar.

Viel oder wenig Holz? Eher wenig, der Wein soll für sich sprechen.

Über oder unter 13,5 Prozent? Unter – ich mag es leichter, eleganter.

Pflanzenschutz: biologisch oder nicht? Biologisch.

ANNA HEINRICH

Alter: 16

Hobbys: Freunde treffen, Fußball, Reisen.

Welchen Wein schenkst du dir gern ein? Alles, was Charakter hat und ein bisschen anders ist.

Handlese oder Maschine?Handlese.

Viel oder wenig Holz?Wenig, aber gezielt eingesetzt kann es richtig gut sein.

Piwi-Sorten: ja oder nein?Ja, finde ich richtig spannend.