Mit „Urkraft“ in die Zukunft

Jungwinzer-Serie

Mit der Serie „Blaufränkisch Next Gen – Die Jungwinzer von Deutschkreutz“ porträtiert die BVZ die neue Generation (U35) im Weinbau.

Von Isabella Kuzmits

Mario Reumann ist tief verwurzelt in Tradition und Herkunft und zugleich offen für neue Wege.

Mario Reumann ist tief verwurzelt in Tradition und Herkunft und zugleich offen für neue Wege.

© Weingut Grenzlandhof Reumann

Für Mario Reumann war der Weinbau kein Beruf, den man sich irgendwann aussucht, er war vielmehr von Anfang an Teil seines Lebens. „Eigentlich gab es kaum einen Moment, in dem ich etwas anderes machen wollte“, sagt der Jungwinzer aus Deutschkreutz. Wenn man in einer Familie aufwächst, die seit fünf Generationen Weinbau betreibt, wächst man ganz selbstverständlich mit Reben, Kellerarbeit und Lese auf. Nur im Kindergarten liebäugelte er kurz mit dem Wunsch, Tischler zu werden – doch der Traum vom Winzersein setzte sich schnell und dauerhaft durch.

Bester österreichischer Meister seines Jahrgangs

Seine Ausbildung führte Mario Reumann an die Weinbauschule Eisenstadt, die er 2010 im Alter von 19 Jahren mit dem Facharbeiter abschloss. Anschließend folgte die Meisterausbildung über die Landwirtschaftskammer. Drei intensive Jahre später durfte er sich nicht nur Meister nennen, sondern wurde österreichweit mit seiner Meisterarbeit sogar als „Meister des Jahres“ ausgezeichnet.

Parallel zur schulischen Ausbildung arbeitete er schon immer im elterlichen Betrieb mit: nach der Schule, an den Wochenenden, in den Ferien. „Meine Eltern haben mir viel Freiraum gelassen und waren offen für neue Ideen“, erzählt Reumann.

Diese Offenheit spiegelte sich bereits früh in der Entwicklung des Betriebs wider. Denn während seiner Meisterzeit führte Mario Reumann mit der Linie „Urkraft“ eine neue Weinserie ein, die bis heute die Philosophie des Grenzlandhofs – „Die Urkraft der Natur fühlt und lebt man, wenn man mit den Reben lebt und arbeitet“ – widerspiegelt.

Mit „Urkraft“ in die Zukunft

© Weingut Grenzlandhof Reumann

Frischer Wind

Seit Juni des Vorjahres ist auch der Generationenwechsel am Hof offiziell. Der Betrieb wird nun zu gleichen Teilen von ihm und seiner Mutter Birgit geführt, Vater Christian unterstützt weiterhin tatkräftig. Große Umbrüche waren bei der Übernahme aber nicht notwendig. „Meine Eltern haben einen sehr gut funktionierenden Betrieb aufgebaut. Ich durfte da in große und gute Fußstapfen treten“, betont der Jungwinzer.

Der Grenzlandhof Reumann bewirtschaftet 24 Hektar Weingärten, ist seit beinahe zehn Jahren nachhaltig zertifiziert und arbeitet mit neun unterschiedlichen Rebsorten. Laut Mario Reumann werden gerade die Weißweine in den vergangenen Jahren stärker nachgefragt, dennoch bleibt der Blaufränkisch das Herzstück des Betriebs und Reumanns persönliches Herzensprojekt. „Das ist eine irrsinnig spannende Sorte. Man kann alles daraus machen – vom Rosé über leichte Rotweine bis zu ganz kräftig ausgebauten Weinen“, so der Winzer. Sein persönlicher Favorit ist der gehaltvoll ausgebaute Blaufränkisch mit viel Fülle, Struktur und Würze – ein Wein, der das Mittelburgenland widerspiegelt.

Im täglichen Arbeiten setzt Mario Reumann bewusst auf einen Mix aus Tradition und Moderne. Besonders im Weinkeller wird auf modernstem technischen Niveau gearbeitet. Die Ernte erfolgt seit mehr als 30 Jahren ausschließlich maschinell – aus Überzeugung: „Man ist flexibel, schlagkräftig und braucht weniger Personal. Die Technik ist beim Aussortieren extrem effizient, teilweise sogar besser als die Menschenhand“. Trotzdem bleibt der Weinbau für ihn ein Handwerk, das Gefühl, Erfahrung und Respekt vor der Natur erfordert.

Dass der 34-Jährige lieber auch bei Kälte draußen Reben schneidet, als den ganzen Tag im warmen Büro zu sitzen, überrascht kaum. „Ich halte es im Büro noch immer nicht den ganzen Tag aus“, sagt Reumann schmunzelnd. Die Arbeit in der Natur, die Abwechslung zwischen Weingarten und Keller, aber auch der Verkauf und der Umgang mit Menschen machen für ihn den Reiz des Berufs aus. Genau diese Vielschichtigkeit hält die Leidenschaft lebendig.

Mit „Urkraft“ in die Zukunft

© Weingut Grenzlandhof Reumann

Warum Rotwein kein Comeback, sondern Feingefühl braucht

Wenn es um die Zukunft des mittelburgenländischen Rotweins geht, plädiert Mario Reumann nicht für eine Neuerfindung, sondern für eine behutsame Weiterentwicklung. Leichtere Weine, die man auch gekühlt genießen kann, passen für ihn gut zur Sorte Blaufränkisch und zu den veränderten Konsumgewohnheiten. Trends wie das pauschale „Alkohol-Bashing“ sieht er kritisch: „Wenn ich Wein gezielt und in Maßen zu mir nehme, dann ist das nicht ungesund. Auf bewussten Genuss sollte man nicht verzichten.“ Dass Wein nach wie vor im Trend liegt, zeigen auch steigende Zahlen bei Veranstaltungen wie dem Rotweinfestival.

Der Blick nach vorne ist klar

In zehn Jahren möchte Mario Reumann einen Betrieb mit gesunden, nachhaltig bewirtschafteten Weingärten führen, Weine bieten, bei denen für jeden Geschmack etwas dabei ist, und die „Urkraft“-Linie weiter gestärkt haben. Leichtere, samtigere Weine, eine klare Handschrift sowie ein stärkerer Fokus auf Marketing und Social Media gehören ebenso dazu.

Wordrap

Alter: 34

Hobbys: Zeit mit meinen Kindern verbringen und unserem Hund.

Wenn du dich nach einem harten Tag am Abend hinsetzt, welchen Wein schenkst du dir am liebsten ein? Blaufränkisch von der Urkraft-Linie

Handlese oder Maschine?100 Prozent Maschine.

Braucht der Blaufränkisch viel oder wenig Holz?Wenig, weil der Blaufränkisch selbst eine schöne Struktur, Würze und Frucht mitbringt.

Piwi-Sorten: ja oder nein? Ja, habe selber zwei verschiedene.

Über oder unter 13,5 Prozent?Über, weil ich kräftige Weine bevorzuge.

Pflanzenschutz: biologisch oder nicht? Nicht biologisch, aber gezielt eingesetzt, wir sind nachhaltig zertifiziert.