„Ängste dürfen uns nicht hemmen – gefragt ist ein positives Handel“, machte die renommierte Vortragende und Extremtaucherin Monika Herbstrith-Lappe bei einem öffentlichen Vortrag auf Einladung des Lions Clubs Mittelburgenland Mut.
„Qualität ist kein Zufall“
Jungwinzer-Serie
Mit der Serie „Blaufränkisch Next Gen – Die Jungwinzer von Deutschkreutz“ porträtiert die BVZ die neue Generation (U35) im Weinbau.
© Weingut Lukas Kirnbauer, Martina_LEX
Der Weinbau war für Lukas Kirnbauer nie nur eine Option, sondern früh ein Gefühl. Schon als Kind war er lieber draußen als drinnen, half am familiären Betrieb mit und entwickelte ganz selbstverständlich eine Nähe zur Natur. „Landwirtschaft hat mich immer interessiert“, erzählt der 27-Jährige. Bereits mit zwölf, dreizehn Jahren wurde ihm klar, dass der Weinbau für ihn mehr ist, als bloß Mithilfe am Wochenende. Als es während der Hauptschulzeit um seine weitere Ausbildung ging, fiel die Entscheidung bewusst auf die Weinbaufachschule Eisenstadt. Ein Schnuppertag bestätigte ihn, vor allem der hohe Praxisanteil begeisterte ihn und ließ keinen Zweifel mehr an seinem Weg.
Vier Jahre später, 2016, schloss Lukas Kirnbauer die Facharbeiterprüfung ab. Parallel zur Ausbildung arbeitete er weiterhin intensiv am heimischen Betrieb mit und wuchs Schritt für Schritt in die Verantwortung hinein. Nach dem Zivildienst folgte mit dem Meisterbrief der nächste Meilenstein, den er 2021 an der Landwirtschaftskammer Eisenstadt absolvierte. Geplant war der Abschluss eigentlich schon 2020, doch die Corona-Pandemie bremste auch im Weinbau so manches aus. Winzer in fünfter Generation2023 übernahm Lukas Kirnbauer schließlich den heimischen Betrieb offiziell, als sein Vater Gerhard in Pension ging. Ganz losgelassen hat dieser den Hof aber nicht: „Er arbeitet noch fleißig mit und unterstützt mich sehr“, erzählt Lukas Kirnbauer, der weiß, wie wertvoll Erfahrung und Rückhalt in seiner Branche sind.
„Ein klassischer Bürojob wäre nie etwas für mich“
Auch bei Eiseskälte im Weingarten zu sein statt im warmen Büro ist für den Jungwinzer keine Frage. „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung“, meint er. Der klassische Bürojob wäre nie etwas für ihn gewesen. Die Freiheit, sich die Arbeit selbst einzuteilen, die Abwechslung zwischen Weingarten, Keller und Kundenkontakt– all das schätzt er an seinem Beruf. Vor allem aber sieht er am Ende des Tages, was er geschafft hat. „Und wenn das Wetter wirklich nicht mitspielt, gibt es im Keller immer genug zu tun“, so der Jungwinzer.
Große Umbrüche hat Lukas Kirnbauer nach der Betriebsübernahme vor drei Jahren bewusst nicht vorgenommen. „Das Rad habe ich nicht neu erfunden“, sagt er offen. Der Betrieb funktionierte nämlich solide, belieferte Gastronomie ebenso wie Feste und Vereine und hatte mit einer exklusiven Bouteilenreihe eine klare Linie. Veränderungen möchte er stattdessen behutsam und über Jahre hinweg umsetzen – etwa beim Etikettendesign oder Details im Sortiment, ohne dem Grundkonzept untreu zu werden. Auch das markante „GK“ auf den Flaschen bleibt vorerst. „Das ist seit über 20 Jahren ein starkes Markensymbol. Wenn ich es ändere, müsste ich bei Null anfangen“, begründet er seine Entscheidung. Das Herz des Deutschkreutzer Jungwinzers schlägt – im Mittelburgenland wenig überraschend – für den Blaufränkisch. „Er gehört einfach zur Region“, sagt Kirnbauer. Rassig, facettenreich, vielseitig einsetzbar zu Speisen, spiegelt er für ihn das Mittelburgenland wider wie kaum eine andere Sorte. Gleichzeitig widmet er aber auch dem Merlot viel Aufmerksamkeit. „Der Merlot ist ein Wein, der zuverlässig sauber, zugänglich und gut trinkbar ist. Er ist etwas weicher als der Blaufränkisch, aber nicht weniger interessant“, meint Kirnbauer.

© Weingut Lukas Kirnbauer, Martina_LEX
Immer offen für neue Entwicklungen
Zwischen Tradition und Innovation sieht sich Lukas Kirnbauer als pragmatischer Beobachter. Er hält nichts davon, sich ausschließlich auf Altbewährtes zu verlassen. Krankheiten, Technik und Verarbeitung verändern sich laufend – darauf müsse man reagieren. „Ich bin eher konservativ, aber offen“, beschreibt er sich selbst. Neues wird ausprobiert, verglichen, bewertet. Was überzeugt, bleibt – was nicht funktioniert, wird verworfen.
Seinen Betrieb fasst Lukas Kirnbauer in folgendem Satz zusammen: „Qualität ist kein Zufall.“ Vom Weingarten bis zur fertigen Flasche müsse man konsequent dahinter sein.
Auch bei aktuellen Entwicklungen im Weinbau bleibt der 27‑Jährige realistisch. Trends wie alkoholfreie Weine, Biowein oder Rosé behält er aufmerksam im Blick, ohne sich von jedem Trend gleichermaßen begeistern zu lassen. Besonders sinnvoll erscheint ihm etwa der Ansatz der Nachhaltigkeitszertifizierung, da dabei ganzheitlich gedacht wird – von der Energieeffizienz über die eingesetzte Technik bis hin zum Traktoreinsatz. „Dieses Thema möchte ich in den kommenden Jahren angehen.“ Und auch die Veränderung, dass Rotwein nicht mehr bei Zimmertemperatur, sondern leicht gekühlt getrunken wird, hält er für zeitgemäß und gut.
In 10 Jahren möchte Lukas Kirnbauer genau dort stehen, wo er heute ansetzt: auf solidem Niveau, mit zufriedenen Kunden und einem konstant hohen Qualitätsanspruch. Nicht der Titel des „Besten“ treibt ihn an, sondern das Vertrauen der Menschen, die sagen: „Der Wein vom Kirnbauer ist verlässlich und immer noch genauso gut.“
Alter: 27
Hobbys: verbringe gerne Zeit mit der Familie/mit Freunden bei gutem Essen und Trinken, gerne unterwegs mit Freundin und Hund.
Wenn du dich nach einem harten Tag am Abend hinsetzt, welchen Wein schenkst du dir am liebsten ein? Blaufränkisch oder Merlot.
Handlese oder Maschine? Seit 2014 zu 100 Prozent mit der Maschine.
Braucht der Blaufränkisch viel oder wenig Holz? Ein guter Mittelweg, es kommt auf den Jahrgang an.
Piwi-Sorten – ja oder nein? Ja, warum nicht?
Über oder unter 13,5 Prozent Alkoholgehalt?13,5 % gehen in Ordnung.
Pflanzenschutz – biologisch oder nicht? Nicht biologisch.