Götterbaum im Visier: Zurndorf testet biologische Bekämpfung

Kampf gegen Neophyten

Im Naturschutzgebiet „Zurndorfer Eichenwald und Hutweide“ läuft ein Versuch zur Bekämpfung des invasiven Götterbaums. Gemeinsam mit Fachleuten der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) testet die Urbarialgemeinde Zurndorf eine biologische Methode, die gezielt gegen den aus China stammenden Neophyten wirken soll. Der Versuch steht zugleich exemplarisch für den wachsenden Aufwand, mit dem Gemeinden und Fachleute invasive Pflanzenarten eindämmen wollen.

Von Von Birgit Böhm-Ritter

In Zurndorf läuft ein Univesitätsversuch: Injektion eine Pilzes in den Saftstrom eines Götterbaumes

In Zurndorf läuft ein Univesitätsversuch: Injektion eine Pilzes in den Saftstrom eines Götterbaumes

© zVg/Falb-Meixner

Auf den ersten Blick wirkt der Götterbaum unscheinbar. Doch der aus China stammende Neophyt breitet sich rasch aus und hat sich stellenweise auch im Burgenland etabliert. Mit einem Wachstum von bis zu zwei Metern pro Jahr gewinnt er schnell Raum und setzt heimische Holzarten unter Druck. Wo er Fuß fasst, verändert sich die Vegetation. Zudem gilt sein Holz als minderwertig und eignet sich kaum als Brennholz.

Um diese Entwicklung einzudämmen, startete die Urbarialgemeinde Zurndorf gemeinsam mit der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) einen biologischen Bekämpfungsversuch im Naturschutzgebiet „Zurndorfer Eichenwald und Hutweide“. Im Mittelpunkt steht dabei ein natürlich vorkommender Pilz: Verticillium nonalfalfae.

Fachleute des Instituts für Forstentomologie, Forstpathologie und Forstschutz der BOKU isolierten den Pilz und bringen ihn in angeritzte Bäume ein. Von dort gelangt er über den Saftstrom in die Pflanze und breitet sich nach Angaben der Projektverantwortlichen auch über das Wurzelgeflecht aus. Erste Welkeerscheinungen zeigen sich demnach nach zehn bis 14 Tagen. Langfristig sterben der Baum und verbundene Pflanzenteile ab.

Entscheidend sei dabei die gezielte Wirkung: Nach Angaben der Initiatorinnen und Initiatoren bekämpft das Verfahren ausschließlich den Götterbaum. In Österreich ist das Mittel seit 2019 über eine Notfallsverordnung zugelassen.

Waldbesitzer und Vizepräsident der Landwirtschaftskammer Burgenland, Ökonomierat Ingenieur Werner Falb-Meixner, verweist auf das Potenzial solcher Ansätze: „Dies ist ein hervorragendes Beispiel wie eine natürliche Eindämmung unerwünschter eingewanderter Pflanzen möglich ist“.

Der Versuch in Zurndorf bleibt kein Einzelprojekt. Vielmehr fügt er sich in eine landesweite Strategie gegen invasive Pflanzenarten ein. Gemeinsam mit dem Verein der Burgenländischen Naturschutzorgane startete das Land Burgenland heuer ein Maßnahmenpaket, das Gemeinden, Fachleute und Ehrenamtliche stärker einbinden soll.

Bis Ende 2026 soll ein burgenländischer Neophyten-Managementplan entstehen. Parallel dazu plant das Land ein flächendeckendes Netzwerk freiwilliger Helferinnen und Helfer in den Gemeinden. Rund 45.000 Euro stehen dafür bereit.

Der Aufwand hat einen konkreten Hintergrund: Österreichweit gelten rund 1.600 Pflanzenarten als gebietsfremd – beinahe die Hälfte der gesamten Flora. Nur ein kleiner Teil davon ist invasiv, diese Arten können jedoch heimische Pflanzen verdrängen, Lebensräume verändern und wirtschaftliche Schäden verursachen. Im Burgenland gelten zwölf invasive Pflanzenarten als weit verbreitet. Vier davon – der Götterbaum, die Gewöhnliche Seidenpflanze, das Drüsige Springkraut und der Riesenbärenklau – stehen auf der Liste besonders problematischer Arten der Europäischen Union.